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Hirschsteiner wollen Nepal helfen

Ein Ehepaar ist drei Wochen in Asien unterwegs. Dabei lernen die zwei ein Projekt kennen, das ihnen keine Ruhe lässt.

Von Christoph Scharf
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Gut gelaunte, aber bettelarme Kinder hat Viola Lipp auf ihrer Tour durch Nepal getroffen. Nun sucht die Frau aus Hirschstein Mitstreiter, die eine Initiative beim Bau eines Internats unterstützen.
Gut gelaunte, aber bettelarme Kinder hat Viola Lipp auf ihrer Tour durch Nepal getroffen. Nun sucht die Frau aus Hirschstein Mitstreiter, die eine Initiative beim Bau eines Internats unterstützen. © Sebastian Schultz

Hirschstein. Ein dreiwöchiger Urlaub lässt das Ehepaar nicht mehr los. Im November waren Viola und Frank Lipp auf Trekkingtour in Nepal, unterwegs von Berghütte zu Berghütte. Tagelang wanderten sie mit einer kleinen Reisegruppe durch eine faszinierende Berglandschaft, mit Einheimischen, die den Großteil des Gepäcks der Touristen trugen.

„Die Landschaft ist gigantisch. Aber die Leute leben in für uns unvorstellbar einfachen Hütten“, sagt Frank Lipp. Selbst als Tourist merke man schnell: Das Land ist bettelarm, viele Bewohner können weder lesen noch schreiben. Tatsächlich liegt der Anteil der Analphabeten in Nepal laut einer Datenbank des US-Geheimdienstes CIA bei gut 26 Prozent der Ab-15-Jährigen, in manchen Distrikten sind bis zu 60 Prozent der Einwohner Analphabeten. „Unser Sherpa erzählte uns, dass es in Nepal keine Schulpflicht gibt“, sagt der Hirschsteiner.

Laut Zahlen der Washingtoner Weltbank werden in dem Land zwar 90 Prozent eines Jahrgangs in eine Grundschule eingeschult. Aber nicht mal ein Viertel der Jugendlichen besucht eine weiterführende Schule. So lebt ein Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, schätzt die CIA. Nepal gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, vor allem in der Verarbeitung von Hülsenfrüchten, Jute, Zuckerrohr.

Laut CIA ist das Land stark von Überweisungen aus dem Ausland abhängig, die bis zu 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Auch der Führer der Hirschsteiner Touristen hat lange im Ausland gelebt, um Geld für daheim zu verdienen. „Zwölf Jahre lang hat er in Hildesheim in der Gastronomie gearbeitet“, sagt Viola Lipp. Dementsprechend gut spricht er Deutsch – und kommt mit den Urlaubern ins Gespräch. Und so lernte das Ehepaar das Projekt einer kleinen einheimischen Organisation kennen, das sie schwer begeistert. Ziel der Macher sei es, ein Internat für eine Schule zu bauen. „Die Organisation hat ein Gebäude angemietet und errichtet jetzt ein Haus für 75 Kinder aus abgelegenen Bergdörfern“, sagt Frank Lipp.

Arme Familien vom Land hätten sonst keine Chance, ihren Kindern Bildung zukommen zu lassen. „Die würden allein für den Schulweg zwei, drei Tage brauchen.“ So aber würden die Kinder während der Schulzeit im Internat wohnen und versorgt werden. „Das Beste ist: Dabei handelt es sich um eine kleine private Initiative, bei der kein Wasserkopf einer Riesenorganisation zu finanzieren ist“, sagt Lipp. 

Aber wie kann man sich sicher sein, dass eine Unterstützung tatsächlich für den richtigen Zweck verwendet wird? „Man kann ja die Fortschritte vor Ort bei einer Reise nach Nepal selbst überprüfen“, so Lipp. „Wir wollen nächstes Jahr auch wieder hinfliegen und uns die Sache anschauen.“ – Ohnehin habe der frühere Stahlwerks-Mitarbeiter die besten Erfahrungen mit der Hilfe von Mensch zu Mensch gemacht. Zu DDR-Zeiten sei er regelmäßig mit dem Wartburg in den Urlaub nach Bulgarien gefahren, habe bei privaten Übernachtungen auf der Fahrt Familien in Bulgarien und Rumänien kennengelernt, die bedürftig waren.

„In der Stahlwerkerzeitung haben wir dann einen Aufruf gestartet, wer einer Familie etwas spenden will. Das gab eine unglaubliche Resonanz, wir haben Hunderte Päckchen nach Rumänien geschickt.“ Dabei seien Kontakte entstanden, die teils bis heute bestünden. – Päckchen nach Nepal zu schicken, sei dagegen keine so gute Idee: Direkt an private Adressen etwas zu senden, sei unmöglich. Erfahrene Nepal-Reisende berichten in Internetforen, dass Pakete nach Nepal schon aus Zoll-Gründen grundsätzlich geöffnet werden – und dabei oft der Inhalt bereits im Postamt verschwindet. „Unser Ziel ist es, von Mensch zu Mensch zu helfen“, sagt Viola Lipp. Jetzt suchen die Hirschsteiner Mitstreiter, die das Projekt in Nepal mit vorantreiben.

Kontakt: 1 0178 1957775 oder [email protected]