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Hitsche ist Lieblingswort der Sachsen

Forhohnebibeln, Hitsche und schnorbslich sind das schönste, das beliebteste und das bedrohte sächsische Wort des Jahres.

© szo

Am Donnerstag war es wieder soweit: Bei der Sachsen-Wort-Gala im Dresdner Schauspielhaus wurden die drei sächsischen Wörter des Jahres 2013 gekürt. Sinn der Aktion ist es, aussterbende sächsische Wörter zu retten.

Das beliebteste Wort: Hitsche

Zum Lieblingswort ist in diesem Jahr die Hitsche gewählt worden. Die Begründung: Die Hitsche ist eine Fußbank für den täglichen Gebrauch im Haushalt. Mit der Hitsche kann sich der Sachse selbst erhöhen, um die Oberlichter von Fenstern zu reinigen, hoch gelegene Regalbretter zu erreichen oder von Schränken Koffer zu zerren. Für Kinder bietet die Fußbank beste Aufstiegsmöglichkeiten und die Chance, sich über das Waschbecken zu beugen oder endlich mal im Spiegel zu betrachten. Auch bei Fußballspielen im Stadion haben vorzugsweise kleinere Männer Hitschen dabei, um mit ihrer Hilfe über die Köpfe der Vordermänner schauen zu können. Aber die Bank dient nicht nur dazu, sich darauf zu stellen, sie bietet zudem einen hervorragenden Sitzplatz. Immer in der ersten Reihe. Die Sächsin oder der Sachse hockt sich auf die Hitsche, um Beeren abzubäbeln, Schuhe zu putzen oder die Füße in eine Schüssel mit waren Wasser zu stecken. Gesprochen wird je nach Region Hitsche, Hitsch, Hitschl, Hutsche oder Hütsche. Das Wort kommt ursprünglich vom Hocken oder vom Rutschen. Denn die Fußbank wurde und wird ja ständig hin und her geschoben. Eine alte Hitsche kann aber auch ein klappriges Auto oder ein uralter Kinderwagen sein. Und eine Käsehitsche ist ein aus schmalen Stahlrohren gebauter Schlitten mit Holzsitz. Mit dem kann man wunderbar rutschen.

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Das schönste Wort: Forhohnebibeln

Forhohnebibeln lässt sich der Sachse nicht, das macht er schon alleene. Denn er lacht nicht über die anderen, er lacht über sich. Jeder Sachse lacht sich selbst am nächsten. Nur wenn andere über ihn lachen, wenn sie ihn veralbern, wenn sie ihn forgageiern wollen, dann wird er itzsch, also zornig. Forhohnebibeln oder auch verhohnepipeln oder verhohnipeln heißt jemanden verschmähen, verfluchen, verachten, verspotten, veralbern, veräppeln, verhöhnen. Das Verb kommt vom Hohn und ist ein Witz, den der Sachse stets auf sich bezieht. So wird er schnell zum Lachopfer, weil er sich selbst opfert. Er macht sich lächerlich, um mit vorgetäuschter Schwäche durchzukommen. Sein Humor ist sein Überlebensmittel. Schlitzohrig, doppelbödig, defensiv und fatalistisch. Es geht um ironische Selbstschau. Schon immer. Der Sachse hat Witz und ist ein Witz und forhohnebiebln hilft ihm.

Das bedrohte Wort: Schnorbslich

Die Sachsen-Wörter seit 2008

Die beliebtesten Wörter:

2008: nu (als Lückenfüller oder Synonym für „ja“)

2009: färdsch (fertig)

2010: Hornzsche (Rumpelkammer oder altes, verwahrlostes Haus)

2011: katschn (laut kauen oder schmatzen)

2012: didschen (Lebensmittel in Flüssigkeit eintunken)

2013: Hitsche (Fußbank)

Die schönsten Wörter:

2008: muddln (vor sich hin arbeiten, sein Ding machen)

2009: fischelant (clever, rührig, auf Zack)

2010: bäbbeln (Fußballspielen/ Kicken als Freizeitvertreib

2011: bomforzionös (großartig, aber etwas pompös)

2012: plumbn (Wasser pumpen, heftiger Starkregen, schnell und viel trinken)

2013: forhohnebibln (veralbern)

Die bedrohten Wörter:

2008: lawede (instabil, ausgeleiert, marode)

2009: Asch (Aufwaschschüssel oder große Waschschüssel)

2010: dschidschoriengrien (kräftige, „giftige“ Grüntöne)

2011: Haderlump (Taugenichts/ Landstreicher in abgerissener Kleidung)

2012: Renfdl (Brotkanten)

2013: schnorbslich (knabbern)

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Das Wort ist zu allererst zu hören. Zum Beispiel beim Mittagessen, wenn Möhren auf dem Teller liegen und der Sachse sie forschnabuliert, also isst. Das leise Abbeißen erzeugt einen Ton köstlichen Vertilgens, und die bissfeste Konsistenz des Gemüses befördert eine große Gaumenfreude. Wenn also ein leises krachendes, reibendes Geräusch zu hören ist, dann schnurpsen sich Möhren, Nüsse oder Äpfel einfach so weg. Der Kaulärm deutet auf ein hohes Geschmackserlebnis hin. Schnorbslich kommt folglich von schnurpsen und heißt köstlich, aber bezieht sich nicht auf jede, sondern auf ausgewählte Mahlzeiten. Dabei gibt es in der Aussprache des Wortes regionale Unterschiede, denn in Leipzig beispielsweise spricht man, was man beim Essen ja eigentlich nicht tun sollte, schnärbslich. Aber es bedeutet dasselbe.

Während der ausverkauften Veranstaltung im Schaupielhaus hielten die Initiatoren der Aktion, die Schauspieler und Kabarettisten Uwe Steimle und Olaf Böhme sowie der Dresdner Autor und Journalist Dr. Peter Ufer, auf die jeweiligen Siegerwörter eine Laudatio.