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Hopfen und Malz statt Badesalz

Bier tut gut. Auch von außen? Beim Bierbadetag im Schmilk’schen Winterdorf lässt es sich ausprobieren.

© Steffen Unger

Von Jörg Stock

Vater, Mutter und Kinder

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Und wieder schwappt ein Eimer Dunkles in den großen Badezuber: Wusch! „Das schöne Bier“, jammern die Zaungäste. Getrunken hätten sie es sowieso nicht. Es handelt sich um gesammelte Schankverluste vom Zapfhahn nebenan. Schal zwar, aber deshalb nicht schlecht. So benutzt es Bademeister Dan Herning als Basis für sein Bierbad. Apropos: Wird man vom Baden in Bier eigentlich besoffen? Na klar! Der Bader blinzelt lustig unter seiner Filzkiepe. Wenn er hier oben zum Feierabend den Bottich ablässt, sagt er, dann gibt’s unten in der Elbe Karpfen blau.

Ein einmaliges Erlebnis ist der Bierbadetag, versprechen die Leute vom Schmilkaer Winterdorf. Dass hier, zwischen dem Gasthof „Zur Mühle“ und der „Logier- & Fremdenzimmer“ feilbietenden Pension Forsthaus richtiges Bier in den Badekessel fließt, ist naheliegend. Die Braumanufaktur in Steinwurfweite erzeugt Bio-Gerstensaft, ungefiltert und nicht pasteurisiert. Die wertvollen Hefebestandteile und Vitamine bleiben erhalten, heißt es. Im Bad, so doziert Dan Herning, beruhigen sie Körper und Seele, pflegen die Haut und auch die Haare. Das wusste schließlich schon die Urgroßmutter: Der kraftlos stumpfe Kopfbewuchs kriegt dank Bierkur Glanz und Fülle.

Badezuber gibt es drei auf dem Mühlenhof. Das Bierbad wird heute im mittelgroßen Modell zugerichtet, einer kreisrunden Holztonne von schätzungsweise anderthalb Metern Durchmesser. Fünf bis sechs Leute dürften bequem darin Platz haben. Das Wasser dampft schon und verströmt einen feinen Duft von Hopfen und Malz. Aber noch sitzt keiner drin. Obwohl schon seit dem Vormittag geheizt wird und es inzwischen auf 14 Uhr zugeht, fehlen immer noch ein, zwei Grad Celsius an der Wohlfühltemperatur. Da hilft alles nichts: Der Bader muss noch mal Holz hacken gehen.

Brennstoffgewinnung durch Axthiebe gehört bei Dan Herning zum Badebetrieb zwingend dazu. Er ist ein Freund jener Zeiten, in denen man von elektrischen Heizwendeln oder Gasdurchlauferhitzern noch nicht einmal träumte. Trotzdem sei das Mittelalter, speziell das frühe Mittelalter, gar nicht so finster gewesen, wie es sprichwörtlich immer behauptet werde, sagt er. Die Leute seien schon relativ weit gewesen, auch dank der Einflüsse der Römer und der Araber. In seiner Rolle als Bader will er zur Aufhellung dieser geschichtlichen Epoche beitragen, aber auch und vor allem die Stimmung seiner Gäste heben. „Die Leute sollen entspannen und Spaß haben.“

Scheit für Scheit stopft Dan Herning in den Ofenschlund. Das Heizen der etwa 1 000 Liter Kaltwasser ist simple Physik. Über ein Rohrsystem ist der Badebottich mit dem Holzofen verbunden. Der Ofen erwärmt ein Quantum Wasser, sodass dieses aufsteigt und im oberen Bereich des Bottichs einströmt. Dadurch wird kaltes Wasser aus den Niederungen des Zubers in den Ofen hineingesaugt und wiederum erwärmt. Zum Umrühren hält Herning große Paddel bereit. Am liebsten überlässt er das Mixen aber den Badegästen selbst. Da kommen auch schon zwei: „Hallöchen, wir wollen hier mit rein!“ Gisela und Roland Seltmann aus Lauterbach haben Bademäntel an und Bommelmützen auf. Die zwei Mittsechziger kennen sich mit Bier bestens aus. Daheim betreiben sie ein Gasthaus in dritter Generation.

Jeder ein Glas Helles in der Hand tauchen die beiden ein. Auch für mich wird es Zeit. Dan Herning reicht mir Bademantel und Schlappen und schickt mich zum Duschen in die nahe Sauna. Dann stehe ich am Zuberrand. Die Badeordnung hängt zur unbedingten Beachtung aus: „Nicht vom Beckenrand springen!“ Leicht rotbraun schimmert das Nass. Das kommt vom Holz, aber sicher auch von den rund 30 Litern Bier, die inzwischen im Kessel sind. Ich steige rein. Wohlige Wärme durchflutet den Körper. Endlich mal Platz in der Badewanne, kein Hineinfalten wie daheim, wo trotz aller Mühe entweder die Brust oder die Knie im Kalten bleiben.

So lässt es sich aushalten auf dem Mühlenhof. Mit etwas Meersalz massiert mir der Bader den Rücken. Bald darauf naht er mit einer opulenten grünen Blechkruke. Der Bierguss steht an. Wie ein Holzhammer trifft das kalte Bier auf meinen Scheitel, Schwapp um Schwapp. Es hat eine Temperatur von vielleicht fünf oder sechs Grad. Meine Blutbahnen, eben noch angenehm geweitet von dem warmen Bad, schrecken zusammen. Ein gutes Training, sagt der Bader, „regt den Stoffwechsel an.“

Bierbadetag: immer mittwochs und sonntags in der Schmilk’schen Mühle. Preis pro Nase: 15 Euro.