Hoyerswerda
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An einem Ort der Trauer für Lebendigkeit sorgen

Axel Hettig engagiert sich für den Natur- und Umweltschutz und hat auf dem Waldfriedhof Kühnicht eine besondere Aufgabe.

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Axel Hettig betreut Nistkästen und hilft dabei, die Population von Vögeln zu dokumentieren. Auf dem Friedhof in Kühnicht hat der 57-Jährige erst kürzlich wieder Nistkästen angebracht.
Axel Hettig betreut Nistkästen und hilft dabei, die Population von Vögeln zu dokumentieren. Auf dem Friedhof in Kühnicht hat der 57-Jährige erst kürzlich wieder Nistkästen angebracht. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Friedhöfe sind in erster Linie Orte des Abschiednehmens und der Trauer. Sie sind aber auch Orte der Geburt und damit des puren Lebens. Wer schon mal den Friedhof in Kühnicht besucht hat, wird schon das eine oder andere Eichhörnchen, verschiedene Insekten, Vögel und andere Tiere gesichtet haben.

Axel Hettig hat an jedem Morgen eine ganz besondere Mission. Der 57-Jährige ist mit Nistkästen, Werkzeug und einer Leiter auf den Friedhof gekommen, um die Nisthilfen an Bäumen anzubringen. Einige der selbstgebauten Vogelbehausungen hängen bereits seit einigen Tagen. Für deren Fertigstellung greift der Hoyerswerdaer gern selbst zu Fichten-Holz, Nägeln, Dachpappe, Säge und Bohrer. Einige der Behausungen wurden auch in den Lausitzer Werkstätten angefertigt, wo hauptsächlich Menschen mit Handicap in verschiedenen Bereichen beschäftigt sind.

Materialspenden erwünscht

Es wird nicht lange dauern bis Meisen, Gartenrotschwanz oder Trauerschnäpper eingezogen sein werden. Der letztgenannte Singvogel ist vom Aussterben bedroht, weiß Axel Hettig, der Mitglied der Nabu-Ortsgruppe Hoyerswerda ist und sich seit mehreren Jahrzehnten für den Natur- und Umweltschutz engagiert.

Er hat bereits mit dem ehemaligen Zoodirektor Dr. Werner Jorga und dem ehemaligen Ranger und aktiven Naturwächter Herbert Schnabel aus Wittichenau in verschiedenen Naturschutz-Projekten zusammengearbeitet – beispielsweise im Dubringer Moor.

Die Nistkästen baut der 57-Jährige in seiner Garage. Holz und Nägel sind stets genug da. Allerdings mangelt es an Dachpappe. „Wenn jemand Material abzugeben hat, würde ich mich freuen“, berichtet Axel Hettig. Summa summarum haben bereits 21 Behausungen, die von unterschiedlichen Vogelarten genutzt werden können, auf dem Gelände des Waldfriedhofs schon ihren Platz gefunden.

Die ehrenamtliche Arbeit im Naturschutz hat Axel Hettig auch dabei geholfen, wieder zu sich selbst zu finden. Darüber zu reden, fällt ihm nicht leicht. Verlegen wischt er sich eine Träne aus dem Gesicht und greift schnell wieder zum Werkzeug. Die Arbeit draußen in der Natur helfe ihm beim „Abschalten“. Zudem könne er in Ruhe nachdenken und es freut ihn, eine sinnvolle Aufgabe zu haben und den Nabu Hoyerswerda unterstützen zu können.

Die hiesige Ortsgruppe unter Leitung von Dagmar Steuer hat sich im November 2021 gegründet. Deren Mitglieder engagieren sich für Artenschutz beispielsweise bei Fledermäusen, Insekten, Wölfen und Igeln, sie unterstützen den Zoo Hoyerswerda als Naturschützer, setzen sich für mehr Biodiversität auf Wiesen, den Erhalt der Auenlandschaft an der Schwarzen Elster und Streuobstwiesen sowie deren Neuanlage ein. Neben der Suche nach dem insektenfreundlichsten Garten konnten durch die Unterstützung der Nabu-Ortsgruppe Hoyerswerda unter anderem auch vier Höfe in und um Hoyerswerda mit Fledermausquartieren ausgestattet werden. In Nardt an der Wassenburg wurden zudem mehrere Brutkästen an einem Turm angebracht, um die Population der dort lebenden Fledermäuse zu erhöhen.

Vogelzählung im Mai steht bevor

Und bald findet auch wieder die „Stunde der Gartenvögel“ statt. Am jeweils zweiten Wochenende im Mai können Naturschutzfreunde dabei helfen, die Artenvielfalt zu dokumentieren. Einfach einen Platz am Fenster, auf dem Balkon, im Park oder im Garten suchen und eine Stunde lang beobachten, welche Vögel zu sehen sind. Von jeder Vogelart wird die höchste Anzahl notiert und an den Nabu in Berlin übermittelt. Axel Hettig sich an dieser Aktion auch schon beteiligt. Als Nistkastenbetreuer auf dem Kühnichter Friedhof weiß der 57-Jährige aber sowieso ganz gut Bescheid. Denn nach der Anbringung der Nistkästen gilt es für den Naturschützer, die Population zu beobachten und zu dokumentieren.