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Befunde gibt es noch am Test-Tag

Das Lausitzer Seenland-Klinikum hat zwei eigene PCR-Geräte im Einsatz, derzeit vor allem für Corona-Tests.

Ein zweites PCR-Testgerät für das Labor hatte das Lausitzer Seenlandklinikum im Frühjahr angeschafft. In einer Woche waren so 1.800 Corona-Tests möglich.
Ein zweites PCR-Testgerät für das Labor hatte das Lausitzer Seenlandklinikum im Frühjahr angeschafft. In einer Woche waren so 1.800 Corona-Tests möglich. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Das Institut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Lausitzer Seenland Klinikum ist schon etwas Besonderes. Zum einen haben längst nicht mehr alle Krankenhäuser ein eigenes Labor. Zum anderen wurde hier im Frühjahr technisch einmal mehr aufgerüstet, stimmten die Vorstellungen von Laborleiter Steffen Vogel und Geschäftsführung überein: Als die erste Coronawelle im Abklingen war, wurde zu dem bereits vorhandenen PCR-Gerät noch ein vollautomatisches PCR-Gerät angeschafft.

Jetzt, im Herbst, sind sie beide ausgelastet. Beide Geräte laufen von 7 bis 22 Uhr. Vergangene Woche sei man an der Grenze des Machbaren angelangt gewesen - 1.800 Tests. Denn neben all den normalen Leistungen des Labors wie Gerinnungsanalytik, Blutgruppenserologie, Antikörperdiagnostik oder bakteriologische und virologische Diagnostik kommen jetzt noch die PCR-Tests im Rahmen der Testungen auf Covid-19-Infektionen hinzu.

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Bestätigung mit zweitem Gerät

Steffen Vogel kennt die Vorurteile gegenüber den sogenannten Corona-Schnelltests. Aber diese haben nichts damit zu tun, was das Labor leistet. Denn die PCR-Tests gelten als hoch sensitiv, sehr spezifisch und sicher. Der Labor-Chef spricht da auch schon mal vom „Vaterschaftstest für das Corona-Virus“. Soll heißen: Die Aussage muss stimmen. Und da ist das neue Gerät jetzt Maß der Dinge. Von der Isolierung des genetischen Materials bis zur Markierung mache das Gerät alles selbst. Pro Testdurchgang schafft das neue Gerät 96 Patientenproben. In zwei Racks befinden sich zwölf Testkartuschen, die Druckerpatronen nicht unähnlich sind, bereits mit allen erforderlichen Reagenzien befüllt. Die Kartuschen werden lediglich händisch mit den Patientenproben bestückt. Pro Kartusche vier Patienten. Das sogenannte Pooling spare zwar nicht unbedingt Zeit, so aber doch Ressourcen. Alles ist entsprechend markiert bzw. codiert und sauber zuzuordnen. Sind nach dem ersten PCR-Test positive Proben dabei, schauen die medizinisch-technischen Assistenten noch einmal mit geübtem Auge auf die Werte. Dann erfolgt mit dem anderen PCR-Gerät eine zweite Untersuchung. „Das ist dann die Bestätigung“, sagt Steffen Vogel.

Rasche Verfügbarkeit

Die Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) gilt als die wichtigste Labormethode zur Untersuchung der molekularen Feinstruktur der Erbsubstanz. Diese ist aus Desoxyribonukleinsäure (DNA) aufgebaut, die den genetischen Code aller Lebewesen enthält. In der Humanmedizin wurde die PCR bislang vor allem zur Abklärung von Erbkrankheiten und eben auch Vaterschaftstests angewendet, aber auch in der Diagnostik von zahlreichen Infektionskrankheiten eingesetzt. Es ist ein direktes labormedizinisches Nachweisverfahren mit rascher Verfügbarkeit.

Und genau das spielt dem Lausitzer Seenlandklinikum derzeit in die Hände. Anderswo müsse man bis zu drei Tage auf die Ergebnisse warten. Am Seenlandklinikum hat man die taggleiche Befundung, bzw. bei den Proben aus der letzten Testreihe am Abend dann eben am nächsten Morgen. Alle Patienten werden vor der Aufnahme getestet und auch vor der Entlassung. Zudem wurden in den vergangenen Wochen alle rund 1.000 Mitarbeiter der GmbH und ihrer Tochterunternehmen zwei Mal komplett getestet. Mitarbeiter einiger Bereiche sind öfter dran, und wer Urlaub hatte, muss auch gleich am ersten Arbeitstag zum Test.

Tests auch für das Gesundheitsamt

Das Labor kann den Anstieg an positiven Coronainfektionen bestätigen. „Im Sommer hatten wir in unserem Labor von Mai bis Mitte August nicht eine einzige positive Probe dabei. Allein in der vergangenen Woche waren es hingegen 77 positive Proben“, schildert Steffen Vogel. Beprobt werden nämlich nicht nur sämtliche Mitarbeiter und Patienten, sondern auch Menschen, die vom Gesundheitssamt des Landkreises Bautzen dazu aufgefordert werden. Eigentlich muss man für den Rachenabstrich nach Bautzen fahren. Während die Proben der Mitarbeiter und Patienten direkt auf den Stationen genommen werden, wurde für die externen Proben die Abstrich-Ambulanz in Betrieb genommen. Allerdings, darauf weist das Klinikum hin, kann man sich hier nicht einfach so hinwenden, um sich testen zu lassen, sondern nur in den Fällen, in denen man dazu vom Gesundheitsamt des Landratsamtes aufgefordert wurde. Insgesamt sieht sich das Seenlandklinikum beim Thema Infektionsprävention gut aufgestellt. Die bereits vor Corona geltenden Maßnahmen wurden nach und nach angepasst. Spürbar sind vor allem die Besuchseinschränkungen. Alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt müssen neuerdings nicht nur normale Mund-Nasen-Schutze tragen, sondern für den besseren Eigenschutz FFP2-Masken. Damit lasse sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt die Quarantänekette durchbrechen.

Guter Kompromiss

Zu diesem Modell kam man, nachdem zwei Stationen geschlossen werden mussten, auf denen auch Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Auf diesen Stationen gab es in der Zeit keine Neuaufnahmen, auch beim Personal gab es keine Wechsel. Zudem gab es in diesen Bereichen eine sogenannte Korridorquarantäne. Betroffene Mitarbeiter durften also auf Arbeit kommen und auch wieder gehen, ansonsten aber auf keine anderen Stationen gehen. Neue Patienten wurden auf anderen Stationen untergebracht. Der Plan hat funktioniert. Mittlerweile sind Pulmologie und Urologie wieder regulär geöffnet. Ab fünf Corona-Patienten im Haus (am Montag waren es vier) wird man auch wieder die Iso-Station in Betrieb nehmen – mit separatem Zugang. Hier befindet sich jetzt schon die Abstrich-Ambulanz.

Steffen Vogel sieht die getroffenen Maßnahmen im Klinikum als einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit, Ethik und Arbeitsfähigkeit.

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