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Die Grünewald-Passage wird wachgeküsst

Neue Eigentümer sind aktuell mit Umbauten und Mieter-Suche beschäftigt.

Die Grünewald-Passage mit ihren vier Gewerbetürmchen und der Ladenstraße dazwischen ist im Mai 1996 eröffnet worden. Jetzt soll sie reaktiviert werden.
Die Grünewald-Passage mit ihren vier Gewerbetürmchen und der Ladenstraße dazwischen ist im Mai 1996 eröffnet worden. Jetzt soll sie reaktiviert werden. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Ein wenig staubig ist die Luft in Hoyerswerdas Grünewald-Passage. „Ja, Brandschutz. Die Stahlträger müssen elf Mal behandelt werden“, sagt Thomas Gerstenberger. In einer Ecke stapeln sich auf einer Palette Säcke mit Granulat zum Sandstrahlen beziehungsweise zur Beschichtung. Noch haben im Mittelgang die Wände jene Farbe, die dem Einkaufszentrum zuletzt zusammen mit seinem zunehmenden Leerstand einen wenig schmeichelhaften Spitznamen gab: Gelbes Elend.

Die Fassade draußen ist schon neu gemalert. Cappucino-Braun nennt sich der Farbton. Es ist offensichtlich: An und in der Grünewald-Passage tut sich etwas. Geschuldet ist das einem Eigentümerwechsel. Thomas Gerstenberger ist einer der beiden Geschäftsführer der Leipziger IEV Grundbesitz GmbH. Er und sein Kompagnon Marco Bluhme haben sich der Immobilie exakt ein Vierteljahrhundert nach dem Beginn von deren Bau angenommen. „Wir schätzen das eigentlich vor allem als eine Fleißaufgabe ein“, sagt Gerstenberger.

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Das Restaurant „Athos“ floriert

Die IEV ist der inzwischen dritte Gebäudeeigentümer. Der einstige Bauherr und Betreiber, die Rebus Beteiligungs GmbH & Co. Grünewald-Passage KG aus Berlin, existiert seit zehn Jahren nicht mehr. Zwischenzeitlich versuchte die Tübinger Immobilien-Fonds-Gesellschaft Fairvesta ihr Glück. Mit Verschwinden des benachbarten WK X war das sicher nicht ganz einfach, mit einem in Überlingen am Bodensee sitzenden Verwalter vermutlich sogar doppelt nicht. Zusehends leerte sich die Passage. 2013 zog mit Aldi der größte Mieter aus, im Jahr darauf schloss der zwischenzeitlich angesiedelte Spielwarenhandel, 2015 das Reno-Schuhgeschäft. Die Fairvesta-Nachfolge-Gesellschaft Verifort beauftragte letztlich einen Makler, sich nach Käufern umzusehen. Die IEV hat flugs mit Modernisierung und Vermarktung begonnen – mit einem regionalen Partner. Denn um das Tagesgeschäft im Management kümmert sich die Hausverwaltung Axel Thiel aus Senftenberg. Die zuständige Mitarbeiterin Marina Sonnenberger ist Schwarzkollmerin.

Sie verweist darauf, dass nach dem Abriss nebenan ja inzwischen neue Einfamilienhäuschen stehen, das Wohngebiet am Grünewaldring gewachsen ist. Jetzt komme es darauf an, den richtigen Gewerbe-Mix zu finden: „Es soll ein Gefüge sein, das länger harmoniert.“ Komplett leer war die Passage nie, eine Hand voll Einzelmieter gab es immer. Das Restaurant „Athos“ zum Beispiel hielt nicht nur die Fahne hoch, sondern ist nach allgemeinem Dafürhalten sogar außerordentlich beliebt. Die Zahnarztpraxis von Gabriele Litwiakow ist vor zwei Jahren durch Linda Staßek übernommen worden. Und im vorigen Jahr öffnete noch unter Verifort-Regie im früheren Bastel-Laden Nikolett Panthel ihren Hundesalon „Fellstübchen“.

Die Bernsdorfer Werbeagentur Hagedorn hat vorige Woche Hinweise darauf angebracht, dass noch Ladenlokale zu haben sind. Läuft alles nach Plan, soll das im kommenden Jahr schon anders sein. Angestrebt ist Vollvermietung.
Die Bernsdorfer Werbeagentur Hagedorn hat vorige Woche Hinweise darauf angebracht, dass noch Ladenlokale zu haben sind. Läuft alles nach Plan, soll das im kommenden Jahr schon anders sein. Angestrebt ist Vollvermietung. © Foto: Gernot Menzel

Ein Baumarkt zieht ein

Nun scheint es kaum Probleme mit der Suche nach weiteren Mietern zu geben. Als die IEV-Leute sich die Immobilie zum ersten Mal ansehen kamen, trafen sie tatsächlich ungeplant sowie zufällig jemanden, der sich für ein Ladenlokal interessierte. Und Marina Sonnenberger hat eine dicke Mappe, die Korrespondenz mit potenziellen Geschäftsbetreibern enthält. Erste IEV-Mieterin ist seit Monatsanfang Lisa Weizel.

Sie hat sich mit einem Friseur-Salon selbstständig gemacht – und freut sich darauf, dass die Passage sich wieder füllt: „In erster Linie hätte ich gern nette Nachbarn; und Geschäfte für etwas zu essen wären nicht schlecht.“ Der Wunsch wird erfüllt. Gegenüber zieht in Bälde wieder ein Bäcker ein, und der „Athos-Betreiber“ eröffnet zusätzlich ein Bistro. Nach einem Fleischer wird aktuell noch gesucht. Unter Dach und Fach ist bereits der Vertrag mit einem neuen Nutzer für den ehemaligen Aldi: Der Sonderpreis-Baumarkt ist in Neustadt bei Coburg beheimatet und hat deutschlandweit eine ganze Reihe an Niederlassungen, darunter eine in Bautzen. Eröffnung in der Grünewald-Passage soll im Januar sein. Gleiches gilt für eine Dresdener Sanitätsschule. Ihr Inhaber stammt ursprünglich aus Hoyerswerda.

Die Aktivitäten am Grünewaldring sind natürlich nicht unbemerkt geblieben. „Wir haben von den Anwohnern hier positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Thomas Gerstenberger. Er ist ganz optimistisch, dass der Kraftakt sich rasch auszahlt. Im Sommer kommenden Jahres, so sein Ziel, könnte Vollvermietung herrschen.

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