Hoyerswerda
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Eine Freie Schule für Hoyerswerda?

Die Initiative Kinderbildung verfolgt diese Idee, ob sie umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten.

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Das Konzept für eine freie Schule wurde vergangene Woche in Hoyerswerda vorgestellt.
Das Konzept für eine freie Schule wurde vergangene Woche in Hoyerswerda vorgestellt. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. „Lasst uns eine Schule gründen, die Spaß macht“ und den Schülern neben Lesen, Schreiben, Rechnen Kompetenzen im Umgang mit sich selbst, mit anderen, dem Wirtschaftskreislauf sowie der globalen Welt vermittelt. Diese Botschaft verkündete Daniel Bartylla von der Initiative Kinderbildung (Kinbi) aus Kamenz in der vergangenen Woche vor etwa 30 Zuhörern im Bürgerzentrum Braugasse 1.Danach informierten der Vater einer vierjährigen Tochter und Fanny Lanzendorf aus Dresden über die Vorbereitungen zur Gründung einer Freien Schule. Die Gruppe verfolgt ihr Ziel seit 2018 in Kamenz, und das Konzept zur Einreichung beim Landesamt für Schule und Bildung ist offenbar schon weit gediehen. Bis jetzt fehlt ein Gebäude mit einer Deckenhöhe von drei Metern, einem modernen Brandschutzkonzept, dem zweiten Flucht- und Rettungsweg sowie Treppen mit Geländern, die der Sächsischen Schulbaurichtlinie genügen. Es wird auch ein Schulhof gebraucht. Eine Oberschule mit schülerzentriertem Unterricht und teiloffenem Konzept könnte in Hoyerswerda oder Umgebung entstehen, so können die Klassenstufen 1 bis 10 zusammen lernen. Entstehen wird auch ein Hort. Vielleicht gelingt eine Kooperation mit einem Gymnasium, damit die leistungsstärksten Schüler den Weg zum Abitur gehen können, erklärt Daniel Bartylla. Teiloffener Unterricht bedeutet, es gibt Pflichtmodule und jeder Schüler bekommt Zeit, eigene Themen zu bearbeiten. Ob er das allein tut oder in der Gruppe, entscheidet er selbst. So sollen die Kinder das strategische Denken und Miteinanderarbeiten lernen. Lehrer sollen Lernbegleiter sein und individuellere Unterstützung geben, als das oft in Regelschulen möglich ist. Jedes Kind wählt seinen Weg zu lernen selbst und entfaltet dabei seine Potentiale, sagt Fanny Lanzendorf, deren Sohn die Aktive Schule Dresden mit einem ähnlichen Konzept besucht. In altersübergreifenden Gruppen und fachübergreifend zu lernen sei da so selbstverständlich wie der Besuch von außerschulischen Lernorten und Betrieben, erklärt Daniel Bartylla. Die Schüler kontrollieren ihre Aufgaben selbst und korrigieren die Fehler. Noten gibt es keine. Das helfe leistungsschwächeren Schülern, die langsamer lernen. Die Jungen und Mädchen stellen auch Schulregeln auf und sorgen für deren Einhaltung, wobei die Lehrer Unterstützung geben.

Jeder Schüler erhält verbal verfasste Lern- und Entwicklungsbriefe, die den Eltern die schulische Situation ihrer Kinder genauer beschreiben, als das ein Zeugnis tut, sagt Daniel Bartylla. Ohne Hausaufgaben wird sich das Miteinander in den Familien entspannen und in dieser Atmosphäre entstehen vielleicht Ideen, die die ganze Schule voranbringen. Nach dem vorgestellten Konzept funktioniert eine genehmigte Ersatzschule, die sich am Sächsischen Bildungsplan orientiert, sagt Daniel Bartylla. Den Real- oder Hauptschulabschluss erwerben die Schüler gut vorbereitet an einer Regelschule.

So ein Projekt kostet vor allem am Anfang viel Geld, weil das Gebäude hergerichtet werden muss und der Freistaat Sachsen in den ersten drei Jahren nur einen Zuschuss von 40 Prozent zahlt. Zunächst werden für eine Klasse zwei Lehrer gebraucht, damit der Unterricht immer abgesichert ist. Die Eltern müssten zuerst mit einem Bürgschaftskredit in Vorleistung gehen und später ein Schulgeld in Höhe von durchschnittlich 120 Euro im Monat bezahlen. Das Ziel ist die Schaffung eines einkommensbasierten Schulgeldmodells. Derzeit wird in Absprache mit der Stadtverwaltung ein Gebäude für die Freie Schule gesucht. Bürgermeister Mirko Pink begrüßt die Initiative, weil so ein Bildungsangebot den Schulstandort Hoyerswerda stärkt. Der Direktor des Foucault-Gymnasiums Uwe Blazejczyk gab der Gruppe den Hinweis, dass ein wirtschaftlicher Partner die Situation erleichtern könnte. (KaDe)