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Familienorientiertes Wohnen in Poliklinik

Kinder, die nicht in ihren eigenen Familien bleiben können, erhalten in Lauta ein Zuhause.

Dieses Gebäude in Lauta Ecke Weststraße/Nordstraße war früher einmal eine Poliklinik. Aktuell befindet sich eine Physiotherapie darin, zwei Wohnungen sind vermietet. Nach dem Umbau soll hier familienorientiertes Wohnen möglich sein.
Dieses Gebäude in Lauta Ecke Weststraße/Nordstraße war früher einmal eine Poliklinik. Aktuell befindet sich eine Physiotherapie darin, zwei Wohnungen sind vermietet. Nach dem Umbau soll hier familienorientiertes Wohnen möglich sein. © Foto: Gernot Menzel

Lauta. Kinder, die es in ihrem bisherigen Leben nicht immer leicht hatten und womöglich auch traumatisiert sind, werden schon seit einiger Zeit in Laubusch und demnächst auch in Lauta ein vorübergehendes Zuhause haben. In Laubusch ist das ehemalige Pfarrhaus gegenüber der Barbara-Kirche das Domizil, in Lauta wird es das Gebäude der ehemaligen Poliklinik in der Weststraße sein, sofern der Umnutzungsantrag vom Landratsamt Bautzen als der zuständigen Behörde bewilligt wird. Der Stadtrat von Lauta hat dem Vorhaben am Montag sein Einvernehmen erteilt.

Um Gerüchten vorzubeugen, die schon wiederholt die Runde gemacht und für Unruhe gesorgt haben, hatte Bürgermeister Frank Lehmann einen Vertreter der Gesellschaft für Persönlichkeitsentwicklung und individuelles Wohnen (GPWO) zur Stadtratssitzung eingeladen. Mit Michael Nerger informierte der pädagogische Leiter der bislang vor allem im Brandenburgischen tätigen Gesellschaft über deren Wirken im Allgemeinen und in Laubusch im Speziellen sowie über die Pläne am Standort Lauta.

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Voraus schickte der Pädagoge die Auskunft, dass es sich bei der 1995 gegründeten GPWO um einen anerkannten Träger im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe handelt, der momentan 23 Einrichtungen betreibt. „Wir betreiben stationäre Einrichtungen, in denen die Familienorientierung das Besondere ist.“ In den Einrichtungen erleben Kinder und junge Heranwachsende familienähnliche Strukturen, da sie mit einer Erzieherin oder auch mit einem Ehepaar zusammenleben.

„Das ist nicht vergleichbar mit einer Heimunterbringung“, betonte Michael Nerger. „Wir wollen behütetes Aufwachsen möglich machen. Wir haben eine besondere Fürsorgepflicht für die uns anvertrauten Kinder.“ Es gibt eine 24-Stunden-Rundum-Betreuung durch den Erzieher und zusätzliche Betreuer. Die Kinder besuchen die Schule oder die Kita, können am Vereinssport teilnehmen und die Freizeit mit Freunden verbringen.

In Laubusch wie auch in Lauta geht es um jeweils eine Gruppe mit fünf Kindern im Alter von bis zu zwölf Jahren. „Diese Form der familienorientierten Unterbringung gibt es bisher in Sachsen noch nicht. Der Bedarf ist aber da“, sagt der Pädagoge.

Die ehemalige Poliklinik in der Weststraße muss dazu umgebaut werden. Zu den zwei Mietern und der ansässigen Physiotherapie wird eine räumliche Trennung vorgenommen. „Da gibt es ein sehr gutes Einvernehmen.“ Für das kommende Frühjahr kündigte Michael Nerger einen Tag der offenen Tür an und griff damit einen Vorschlag des Bürgermeisters auf.

Die Teilnahme am normalen Leben ist bei alledem ein wichtiger Aspekt. Das war er auch bei der Standort-Entscheidung für Laubusch gewesen. Wie der pädagogische Leiter wissen ließ, habe man von der Sanierung der Schule am Markt erfahren. Vom Pfarrhaus aus ist sie mit nur wenigen Schritten bequem zu Fuß erreichbar.

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