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PLUS Hoyerswerda Familienkompass

Großeltern und Enkel auf engstem Raum

Eine Familie in Laubusch hätte gern eine größere Wohnung. Ein Wanddurchbruch könnte helfen – und ein Umzug.

Nicht nur auf der Couch im Wohnzimmer Platz muss die sechsköpfige Familie Zocher in ihrer 3-Raum-Wohnung sehr eng zusammenrücken.
Nicht nur auf der Couch im Wohnzimmer Platz muss die sechsköpfige Familie Zocher in ihrer 3-Raum-Wohnung sehr eng zusammenrücken. © Foto: Ralf Grunert / Montage: Bildstelle

Lauta. Das Wohnumfeld ist in Ordnung. Es gibt genug Platz zum Spielen und saubere Spielplätze. Diese Auffassung des überwiegenden Teils der für den Familien-Kompass im Umland von Hoyerswerda befragten Personen teilt Familie Zocher aus Laubusch. Logisch auch: „Wir haben alles direkt am Haus. Spielplatz, Garage, Garten mit einer Laube und einem Pool“, sagt die 63-jährige Sigrid Zocher unter beifälligem Nicken ihres 70-jährigen Mannes Hans-Jürgen „Hier möchte man nicht wegziehen.“

Dafür nahmen Zochers lange Zeit auch in Kauf, dass sie in dem zweigeschossigen Vier-Familien-Haus an der August-Bebel-Straße in der Ortslage Bergmanns-Heimstätten unter ziemlich beengten Bedingungen leben, seitdem sie vor sieben Jahren ihre vier Enkelkinder in Pflege bei sich aufgenommen haben – in einer 65 Quadratmeter großen 3-Raum-Wohnung. Das lässt nicht viel Spielraum. Die inzwischen 9-jährigen Zwillinge Damian und Nick teilen sich mit ihrer zwölfjährigen Schwester Josefine ein zwölf Quadratmeter großen Kinderzimmer. Das Bett des achtjährigen Tyler steht im Schlafzimmer der Großeltern. Das Miteinander spielt sich größtenteils im Wohnzimmer ab, auf 16 Quadratmetern.

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Allerdings sind die Grenzen des Erträglichen erreicht. „Wir haben keinen Platz mehr“, beklagt Sigrid Zocher. „Ich weiß nicht, wo ich noch einen Schrank aufstellen soll. Die Kinder haben jeder einen Schulranzen, eine Sporttasche und einen Schwimmbeutel.“ Freie Plätze für alles sind rar. Eine aufgeräumte Wohnung sieht anders aus, wissen auch die Eheleute. Eine größere Wohnung kann das Problem lösen. Doch damit hat es bisher nicht geklappt. „Wir haben der Familie im Jahr 2014 eine 4-Raum-Wohnung in der Rotdornstraße angeboten“, ist von Kerstin Sauer zu erfahren. Die Vorstandsvorsitzende der Wohnungsgenossenschaft Laubusch erinnert sich noch bestens daran, dass Zochers seinerzeit erklärt hatten, in keinen anderen Laubuscher Ortsteil umziehen zu wollen. Ein Jahr später sei eine 4-Raum-Wohnung im Haus auf der anderen Straßenseite angeboten worden. „Auch das hat die Familie abgelehnt, sie wollte den Garten behalten“, schildert Kerstin Sauer und macht aus ihrer Verwunderung über die Prioritäten keinen Hehl. „Wird eine größere Wohnung oder eine Hütte mit Garten gesucht?“

Der Umzug in eine 4-Raum-Wohnung würde nicht viel bringen, so der Standpunkt von Zochers. Zwar könnte Josefine ein eigenes Zimmer bekommen. Die Jungs müssten sich aber zu dritt ein Zimmer teilen. „Und ich kann nur anbieten, was ich habe“, argumentiert Kerstin Sauer. „Ich habe nun mal keine 5-Raum-Wohnung.“

Die Genossenschaft lässt pro Jahr ein bis zwei Wohnungszusammenlegungen vornehmen, ist von der Vorstandsvorsitzenden zu erfahren. Dabei konzentriert sie sich aus städtebaulichen Erwägungen heraus auf die Ortslage Kolonie und auf die Zusammenlegung von 2-Raum-Wohnungen. „Da sie schlecht zu vermieten sind.“

Sigrid und Hans-Jürgen Zocher sehen einen anderen Weg aus ihrem Dilemma. Sie würden gern im Haus, in dem sie derzeit leben, vom Erdgeschoss in eine leerstehende Wohnung im Obergeschoss umziehen und dort auch gleich die ebenfalls leerstehende Nachbarwohnung dazunehmen. Diese beiden 3-Raum-Wohnungen müssten lediglich durch einen Wanddurchbruch – der später bei Bedarf wieder geschlossen werden könnte – miteinander verbunden werden. Schon stünde ausreichend Platz für die sechsköpfige Familie zur Verfügung. „Wir würden natürlich die Kosten für den Durchbruch übernehmen“, betont Sigrid Zocher. „Und mehr Miete würde die Wohnungsgenossenschaft ebenfalls bekommen. Warum sperrt man sich dagegen? Und das bei 20 Prozent Leerstand ...“

Kerstin Sauer kann dem Vorschlag von Familie Zocher nichts abgewinnen. „Weder der Aufsichtsrat noch die Mitgliederversammlung signalisierten Zustimmung zu einer Zusammenlegung“, verweist sie auf die Mitgliederversammlung, die Anfang Oktober stattgefunden hat. „Wir werden die beiden Wohnungen instand setzen und wollen sie vermieten.“ 3-Raum-Wohnungen seien gefragt, erklärt die Genossenschaftschefin. Was wiederum Sigrid Zocher wundert. Eine der beiden Wohnungen steht seit über einem Jahr leer. Sie habe auch noch nicht bemerkt, dass eine Besichtigung stattgefunden hat. Die habe es aber gegeben, versichert Kerstin Sauer. „Im Übrigen liegt uns für eine der beiden Wohnungen ein Wohnungsantrag vor.“

Was das Angebot von Zochers angeht, für die Kosten eines Durchbruchs aufzukommen, stellt sie klar, das Eigenleistungen von Bewohnern grundsätzlich nicht zulässig sind. Mal abgesehen von sogenannten Schönheitsreparaturen trägt die Genossenschaft sämtliche Kosten selbst.

Über einen Rechtsanwalt hat die Wohnungsgenossenschaft der Familie Zocher im Juni dieses Jahres zudem mitteilen lassen, dass es keine Verpflichtung für die Genossenschaft gibt, der Familie zwei Wohnungen zu vermieten oder zu überlassen, wie es auch keinen Anspruch auf eine Zusammenlegung von Wohnungen gibt. Zuvor hatten sich Zochers mit eben diesem Wunsch an die Genossenschaft gewandt, unterstützt wurden sie dabei von den zwei Vormündern der vier Kinder. „Im Namen der Kinder bitten wir Sie, Ihrer Verantwortung als Genossenschaft gerecht zu werden und den Eheleuten Zocher den Wechsel in die größere Wohnung zu ermöglichen.“

Kerstin Sauer verweist auf die übliche Verfahrensweise: „Wenn ein Wohnungsantrag vorliegt, dann werden wir ihn behandeln wie jeden anderen, nach Eingang.“ Und sie ergänzt, dass Familie Zocher einen Antrag auf eine größere Wohnung stellen kann. Sie könne natürlich auch im Haus wohnen bleiben. „Sie kann nur nicht darauf beharren, bestimmte Wohnungen zu bewohnen“, so die Genossenschaftschefin.

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