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Kita und Betreutes Wohnen statt Wasserspaß

Lohsa will eine sinnvolle Nachnutzung des Freibad-Geländes erreichen – und hofft auf Strukturwandel-Gelder.

Seit 2010 ist das Lohsaer Freibad geschlossen. Langsam erobert sich die Natur das Gelände zurück. Jetzt strebt die Gemeinde Lohsa eine sinnvolle Nachnutzung an.
Seit 2010 ist das Lohsaer Freibad geschlossen. Langsam erobert sich die Natur das Gelände zurück. Jetzt strebt die Gemeinde Lohsa eine sinnvolle Nachnutzung an. © Foto: Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Lohsa. Am 9. März 2010 fasste der Gemeinderat Lohsa einen schmerzhaften Beschluss. Das Freibad unweit der Kleinen Spree musste schließen. Zu belastend war der jährliche Zuschuss für den Gemeindehaushalt. Zu stark war aus Sicht der Gemeinde die zunehmende Konkurrenz durch die Seen im Lausitzer Seenland. Ansätze der Nachnutzung und Pachtangebote für Externe gab es nach der Schließung einige, bis heute aber ohne Erfolg.

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„Eine Wiederbelebung des Freibades unter den jetzigen Voraussetzungen ist nicht möglich. Ich möchte jetzt ein Nachnutzungskonzept auf den Weg bringen. Vorstellbar ist ein Mehrgenerationen-Komplex mit Kita-Neubau, mit Tagespflege und/oder mit Betreutem Wohnen“, sagte Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) in der jüngsten Ratssitzung. „Wir haben hier ein Areal von mehr als 19.000 Quadratmeter. Es liegt im Erschließungsgebiet Kleine Spree. Hierfür bräuchten wir Bodengutachten. Das Baurecht und der Flächennutzungsplan wären anzupassen.“ Die Gemeinde, so betonte der Bürgermeister, braucht für die Zukunft unbedingt Angebote für junge Familien. Sie muss sich dem demographischen Wandel stellen. „Eine solide Infrastruktur ist eine Grundvoraussetzung, damit junge Familien ihren Lebensmittelpunkt bei uns finden. Wir stehen zugleich in der Verantwortung, einen Beitrag für die ganzheitliche und kreative Versorgung für unsere älteren Generationen zu leisten“, verdeutlicht er. Die Gemeinde Lohsa will dafür Voraussetzungen schaffen.

Das Gebäude der heutigen Lohsaer Kindertagesstätte „Märchenland“ in Trägerschaft des Christlich-Sozialen Bildungswerks (CSB) an der Hauptstraße steht unter Denkmal-Schutz. Die Kita hat eine Gesamtkapazität von 70 Kindern. Davon sind maximal 24 Krippenplätze und sieben Integrationsplätze möglich. „Seit 1995 haben wir die Betriebserlaubnis zur Integration von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen“, schreibt Leiterin Ilka Schreiber auf der Internet-Seite der Einrichtung. In den vergangenen zehn Jahren lag die Auslastung der Tagesstätte jährlich stabil bei über 80 Prozent. Das Haus, so erläuterte Thomas Leberecht, stellt die Gemeinde vor viele Herausforderungen. Es fehlen für Autos Parkmöglichkeiten. Es gibt erhebliche Probleme im Kreuzungsbereich an der Ortsdurchfahrt S 108 zu den Bring- und Abhol-Zeiten für die Kinder. „Sämtlicher Lieferverkehr findet auf der S 108 statt. Es gibt nur einen Haupteingang in der Kita. Das Gebäude ist mehrstöckig. Die Einhaltung der Brandschutzrichtlinien gestaltet sich schwierig. Zugleich haben wir einen starken Investitionsstau in der gesamten Einrichtung“, erläuterte der Bürgermeister die aktuelle Situation.

Im Juni soll es mit Jörg Mühlberg, Leiter der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung (SAS) Standort Weißwasser eine Vor-Ort-Begehung des früheren Freibad-Geländes geben. Des Weiteren wird noch in diesem Jahr eine Investitions- und Standortanalyse aller Kindertagesstätten der Gemeinde Lohsa in Auftrag gegeben. Deren Ziel ist unter anderem, mögliche Alternativstandorte zu betrachten. Kommt das ehemalige Freibad dafür infrage und kann die Gemeinde Eigenmittel bereitstellen, sei eine Realisierung des Vorhabens ab 2023 realistisch, so Thomas Leberecht. Die Gemeinde hofft auf Förderung aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Kohle-Regionen des Bundes. Dafür muss sie einen genau abgestimmten Förderantrag einreichen.

„Die Idee mit dem Mehrgenerationenkomplex klingt gut“, meinte Gemeinderat Tilo Babick (Freie Wähler Lohsa) in der Ratssitzung. „Doch was bedeutet das, wenn wir jetzt die Kita für einen neuen Betreiber ausschreiben lassen?“ Bürgermeister Thomas Leberecht verwies auf das geltende Recht. Der Gebäudebestand, so verdeutlichte er, bleibt bei der Gemeinde. Sie ist für bauliche Maßnahmen grundsätzlich weiter verantwortlich. Der Betreiber selbst sorgt für die inhaltliche Arbeit täglich vor Ort. Für das Betreute Wohnen und für die Tagespflege gebe es starken Bedarf. Allein im vergangenen Jahr kamen sechs Anfragen an die Gemeinde. Darauf will die Kommune reagieren.

Wie Tilo Babick begrüßt auch Gemeinderat Udo Steglich (Linkspartei) das Vorhaben. „Der Schandfleck des früheren Freibad-Geländes muss weg“, meinte er. „Wir als Litschener Ortschaftsrat haben für das Gelände auch den Bauhof der Gemeinde als Nutzer angeregt, zumal dessen jetziger Standort hinter der Schule zunehmend komplizierter wird. Wichtig ist in jedem Fall, dass wir für das frühere Freibad-Gelände eine sinnvolle Nachnutzung finden.“

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