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Lausitz-Rallye Ja – Zuschauer Nein

Durch Corona wird die Schotterschlacht zum internen Wettkampf mit strengen Auflagen. Das kann sich noch ändern.

Bei der 23. Internationalen ADMV Lausitz-Rallye des RRC muss es diesmal gänzlich ohne Publikum abgehen. Die Veranstalter appellieren ausdrücklich, sich daran zu halten.
Bei der 23. Internationalen ADMV Lausitz-Rallye des RRC muss es diesmal gänzlich ohne Publikum abgehen. Die Veranstalter appellieren ausdrücklich, sich daran zu halten. © Archivfoto: Joachim Rehle

Seit Tagen können Wolfgang Rasper und die Mitglieder seines Organisationsteams nicht mehr ruhig schlafen. Ununterbrochen klingeln die Handys, gehen E-Mails und Faxe ein. Nicht wegen der Anmeldungen für 23. Lausitz-Rallye, die erstmals ein Endlauf der FIA European Rally Trophy ist und weitere internationale sowie nationale Cups und Meisterschaften vereint und beendet. Ständig kontaktiert wurden die Veranstalter, weil Teams und Dachorganisationen wie FIA wissen wollten, ob die Schotter-Rallye wie geplant stattfindet. Denn außer ein paar Läufen Anfang und im Sommer 2020 wurden durch Corona fast alle Motorsportevents abgesagt. Die besorgten Anrufer wussten: Platzt auch die Lausitz-Rallye, sind alle bisherigen Ergebnisse wertlos, gibt es keine Sieger.

Kleines aber feines Starterfeld

Letztlich konnte der Veranstalter, der Rallye-, Renn- & Wassersport-Club Lausitz e.V. (RRC), das Event retten. Rein sportlich, dank der engen Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Behörden, strengsten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen für Teams, Mechaniker, Streckenposten. Wolfgang Rasper zeigte sich bei einer Pressekonferenz vorigen Freitag erleichtert, dass die Rallye stattfinden kann. Ein Grund, weshalb FIA-Präsident Jean Todt alle Tage in Boxberg dabei sein wird. „Die FIA hat gemerkt, auf uns ist Verlass. Auch in schweren Zeiten.“

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Durch die weltweit geltenden Reisebeschränkungen wird das Starterfeld jedoch kleiner als üblich ausfallen. „Wir gehen damit zwar einen Schritt zurück, aber unter den jetzigen Bedingungen definitiv einen Schritt voran“, so Pressesprecher Björn Fröbe. Laut seiner Aussage haben 74 Teams ihre Nennung abgegeben, darunter die Deutschen Sepp Wiegand, Lausitz-Rallye Urgestein Hermann Gaßner Senior, Carsten Mohe, Jeffrey Wiesner und Dark Liebehenschel sowie Bernd Knüpfer, die alle auf Zeitjagd gehen. Auch die Lokalmatadoren Matthias Kahle und Beifahrer Christian Doerr – er feiert am Rennwochenende seinen 50. Geburtstag – messen sich mit Rennfahrern, zu denen auch Daniel Chwist (Polen), Christian Poulsen (Dänemark), András Serényi (Ungarn) sowie ihre direkten Kontrahenten um den Fünffachhattrick bei der Lausitz-Rallye, Anders Goendal/Marius Fuglerud (Dänemark) zählen. Mit am Start sind ebenfalls die Tschechen Ondřej Bisaha und Petr Těšínský, die 2019 die Rallye International du Valais gewannen und auch in der Lausitz den Sieg wollen. „Die Chancen auf den Titel sind gut“, schätzt Rasper.

Appell an Fans: Bleibt zu Hause!

Von ihren Sprüngen, Kurven, Fehlern oder Vorsprüngen in Matsch, Schotter, Wasserdurchfahrten auf der 165 Kilometer langen Piste mit 12 Wertungspunkten und nur 14,8 Kilometer festem Untergrund – der Rest ist Schotter – sehen Fans nichts. Sie erleben auch nicht hautnah die Materialschlachten der anderen Teams und wie sich alle die Zähne an der Strecke ausbeißen, um zehntel Sekunden kämpfen. Denn erstmals in ihrer Geschichte muss die Lausitz-Rallye ohne Zuschauer auskommen.

Noch vor zwei Wochen ging man bei der Rallye vom 5. bis 7. November in und um Boxberg von täglich 1.000 Zuschauern an den Wertungspunkten aus. „Bis Donnerstag voriger Woche haben wir für die Fans gekämpft, doch die immer weiter steigenden Corona-Zahlen zwangen uns letztlich die Entscheidung auf“, kommentiert Organisationschef Wolfgang Rasper das Szenario. „Es wurden viele verschiedene Zuschauerkonzepte erarbeitet, um eine sichere Rallye durchzuführen. Erst mit Abstand und Maske, zuletzt mit 100 Zuschauern pro Halbtagsetappe. Doch der Handlungsspielraum schrumpfte weiter und machte alles zunichte.“ Aber, so Rasper weiter, nur so könne man als Veranstalter seiner Verantwortung gerecht werden.

Dazu äußerte sich auch Pressesprecher Björn Fröbe: „Die Gesundheit aller Beteiligten hat für uns absoluten Vorrang. Klar, die Enttäuschung der Fans ist riesengroß, aber der gesunde Menschenverstand sagt, es ist die richtige Entscheidung. Daher fordern wir alle Fans eindringlich auf: Bleibt zu Hause!“. Und, so Fröbe, man arbeite an Möglichkeiten der Information der Fans per Homepage, sozialen Medien, Radiosendern. „Sollte sich die Lage bessern und Zuschauer zulassen, können wir das technisch und organisatorisch sofort umsetzen, selbst Ticket-Verkauf.“

Noch ist davon keine Rede, fehlt dem RRC durch eine Rallye ohne Zuschauer mindestens ein Drittel des Budgets für 2021, wo die Rallye wieder FIA-Endlauf ist. Gehofft wird in Boxberg auf Gelder aus einem Dachverband-Fonds für Zuschauerausfälle. „Wir stellen einen Antrag“, sagt Wolfgang Rasper. Doch das werden viele weitere Clubs tun, betrachtet man die Ausfälle im internationalen Rennkalender.

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