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169 außerplanmäßige Schließtage

Auch Hoyerswerdas Lausitzbad ist zum zweiten Mal in diesem Jahr in der Zwangs-Pause. Doch es gibt zu tun.

Normalerweise dient das Schild nur bei zu vollem 25-Meter-Becken für den Sprungturm. Doch seit Anfang November ist das gesamte Lausitzbad wieder zu.
Normalerweise dient das Schild nur bei zu vollem 25-Meter-Becken für den Sprungturm. Doch seit Anfang November ist das gesamte Lausitzbad wieder zu. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Womöglich, spekuliert der Geschäftsführer des Lausitzbades Hoyerswerda, Matthias Brauer, wäre 2020 ohne Sars-CoV-2- Viren ja geschäftlich gesehen das beste Jahr in den reichlich zwei Jahrzehnten des Bad-Bestehens geworden. Januar und Februar liefen richtig gut. Die Gästezahl, sagt Brauer, habe knapp oberhalb des Plans gelegen. Und auch für die Zeit von Juli bis Oktober ist er zufrieden mit dem Zuspruch: „Wir waren überrascht über die vielen Leute.“ Teils bildeten sich Warteschlagen bis vor die Eingangstür.

Ohne das überdurchschnittliche Engagement der Mannschaft, die zusätzlich auch noch die Hygiene-Maßnahmen umzusetzen hatte, wäre es laut Brauer wohl schwierig geworden, den Ansturm zumindest im Bad zu bewältigen. Dabei galten auch über den Sommer Einschränkungen. So durften sich im Bad jeweils nur 250 Personen gleichzeitig aufhalten, im Saunabereich lediglich 70. Auf der Webseite waren dazu eigens zwei Zähler integriert worden, die, verbunden mit den Drehkreuzen an den Ein- und Ausgängen, die momentane Auslastung anzeigten.

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Inzwischen ist das von den Restriktionen zur Eindämmung von Covid-19 gekennzeichnete Geschäftsjahr 2020 vorbei, noch bevor der 31. Dezember erreicht ist. Exakt 169 außerplanmäßige Schließtage muss Brauer resümieren, 109 im März, April, Mai und Juni sowie weitere 60 im November und im Dezember. Für einen Betrieb, der sonst bloß eine kurze Sommerpause kennt, bedeutet das: Fast die Hälfte der üblichen Jahresöffnungszeit ist futsch. Vor allem dank der Existenz des Verbundes der Städtischen Wirtschaftsbetriebe (SWH) ist das nach derzeitigem Stand ökonomisch wohl einigermaßen zu verkraften. Und auch die 37 Mitarbeiter sind über durch die SWH-Gruppe aufgestocktes Kurzarbeitergeld abgesichert. „Aber sie wollen gern arbeiten“, sagt Brauer. Und natürlich tut es ihm auch für die Kundschaft leid.

Es ist allerdings nicht so, dass gar nichts zu tun wäre. Drei, vier Kollegen sind abgesehen vom Wochenende jeden Tag im Bad. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt der Geschäftsführer zum Beispiel über den Fördermittelantrag für die geplante Groß-Modernisierung. Außerdem, schildert er, könne man sich lange anstehenden Projekten widmen, die wegen des Zeitaufwandes sonst kaum zu schaffen wären. Brauer nennt zum Beispiel die Justierung technischer Kontroll-Anlagen. Außerdem wird eine Überholung des Kassen- und Drehkreuzsystems konzipiert. Unter anderem soll es Gästen künftig bestimmte Online-Buchungen erlauben, die heute noch nicht möglich sind. Zudem läuft eine Bestandsaufnahme zu nötigen Instandhaltungs-Arbeiten. Auch die fünf Lehrlinge sind zweimal wöchentlich im Bad. Ihre Ausbildung soll trotz der gegebenen Umstände so gut wie möglich weitergehen.

Das Wasser bleibt in den Becken

Nicht zuletzt ist abzusichern, dass die Technik läuft. Anders, als im März, sind die Becken Anfang November nicht geleert worden. Matthias Brauer erklärt das mit dem Temperatur-Unterschied zwischen Frühling und beginnendem Winter. Das konstant bei 21 Grad Celsius, also unterhalb der üblichen Schwimmbad-Temperatur, gehaltene Wasser, trägt dazu bei, eine Auskühlung des Baukörpers auf die Außentemperatur zu verhindern. Andernfalls, sagt Brauer, würde es wohl schnell Schäden geben, deren Beseitigung zeitaufwendig und kostspielig wäre.

2019 schloss die Lausitzbad Hoyerswerda GmbH mit 175.000 Besuchern. Dieses Jahr sind es bei 55 Prozent Öffnungszeit und Einschränkungen wie der Besucher-Obergrenze genau 56 Prozent der Gästezahl vom Vorjahr. „Das ist nicht schlecht, finde ich“, sagt Matthias Brauer und nennt zur Untermauerung ein Beispiel: 4.418 Unterrichtseinheiten stehen für Schwimmkurse in der Statistik 2020. Im Jahr davor seien es nur 1.555 mehr gewesen. Alles in allem heißt das wohl: Auch nach knapp dreieinhalb Monaten Schließzeit hatte die Kundschaft das Bad mitnichten vergessen. Der Geschäftsführer hofft, dass das so bleibt. Und er hofft, dass der große Gummibaum am Familienbecken durchhält. Weil die Heizung derzeit nicht ganz so sehr bullert wie üblich, hat er begonnen, Blätter abzuwerfen. Man wird sehen, wie das imposante Gewächs über den Winter kommt.

Hier trocknet Tauchausrüstung, die gerade für Arbeiten an der Unterwasser-Beleuchtung gebraucht wurde.
Hier trocknet Tauchausrüstung, die gerade für Arbeiten an der Unterwasser-Beleuchtung gebraucht wurde. © Foto: Mirko Kolodziej
Lausitzbad-Geschäftsführer Matthias Brauer hat trotz erzwungener Schließung alle Hände voll zu tun.
Lausitzbad-Geschäftsführer Matthias Brauer hat trotz erzwungener Schließung alle Hände voll zu tun. © Foto: Mirko Kolodziej
Im – recht kühlen – Saunabereich ist das Tauchbecken abgedeckt, um die Luftfeuchtigkeit gering zu halten.
Im – recht kühlen – Saunabereich ist das Tauchbecken abgedeckt, um die Luftfeuchtigkeit gering zu halten. © Foto: Mirko Kolodziej

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