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Alte Liebe rostet nicht

16. Fahrt „Mit dem MAW um die Lausitzer See“ führte über 100 Pedal-Moped-Freunde an den Partwitzer See

Die originellste Anreise hatte Herbert Kordas aus Weißwasser. Wohnanhänger und mitgeführtes „Wanderer“-Zweirad von 1935 zog ein Lanz Bulldog von 1940.
Die originellste Anreise hatte Herbert Kordas aus Weißwasser. Wohnanhänger und mitgeführtes „Wanderer“-Zweirad von 1935 zog ein Lanz Bulldog von 1940. © Foto: Uwe Jordan

Lausitzer Seenland. Alte Liebe rostet nicht“ wusste ein Schlager von Günter Klein und Günter Hansel, der die gleichnamige Städte-Vorstellungs-Sendung des DDR-Rundfunks seit 1965, seit der ersten Station Waltershausen, begleitete, intoniert von den „Fröhlichen Sängern“ aus Leipzig, begleitet von den „Scherbelberger Musikanten“ und dem Rundfunk Unterhaltungsorchester Leipzig. 

289 Folgen hatte die Show (besser: „Hear“) und war in der Lausitz mehrfach zu Gast: gleich zwei Mal in Weißwasser (1969, 1984) und kurz vor Schluss, 1989, mit Folge 282, in Hoyerswerda.

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Mit dem MAW um die Lausitzer See

Musik-Geschichte. Aber in den Ohren von Technik-Verliebten klingen die Laut-Äußerungen von motorisierten Zweirädern wie Musik – und eben solche Freunde von Motoren und Musik bringt der Verein für historische Technik Lauta e. V. Jahr um Jahr zusammen – bei seinem Treffen für historische Fahrradmotore und Mopeds unter dem Motto „Mit dem MAW um die Lausitzer See“.

Wobei anno 2020 die „Lausitzer See“ nach einem Intermezzo am Geierswalder See seit etwa fünf Jahren wieder der Partwitzer See war, in der 16. Auflage dieses Treffs, bei dem es weder Pokale, Plätze noch Sonderprüfungen gibt, sondern einfach nur „Fahren, Fahren, Fahren“.

Um auf den Beginn zurückzukommen, alte Liebe rostet nicht – allerdings muss sie auch so hingebungsvoll gepflegt werden, wie es die Teilnehmer der 16. (genau gesagt: XV + I,) MAW-Fahrt der Lautaer mit ihren zweirädrigen Schätzchen tun.

Ohne Pedale geht’s nicht

Für die Teilnahme an der Lausitzer-See-Fahrt gibt es seit der ersten Auflage der Fahrt eine strikte Grundbedingung: Das Fahrzeug muss über Pedale verfügen! Erinnerung daran, dass die Wurzeln dieser Fortbewegungsart bei Fahrrädern lagen, die mit Hilfsmotoren ausgestattet wurden, aber notfalls, wenn die Benzinvorräte erschöpft waren (ein Tankstellennetz wie heute war in den Zwanziger-/Dreißiger-Jahren oder noch früher schlicht unvorstellbar) oder die Technik versagte, mit Muskelkraft bewegt werden konnte. Das ist zwar mit den Nach-Fahrrad-Modellen wie etwa dem SR2, schon auf Grund der Masse der Fahrzeuge, etwas schwieriger, aber möglich, weiß der Autor aus eigener Erfahrung.

Umwelt-Retter der ersten Stunde

Nebenbei gesagt: Waren DAS nicht die wahren Hybriden, von denen heute neben den reinen Elektrofahrzeugen (die fast keiner kauft) die Rettung der Umwelt bei fortbestehender Mobilität erwartet wird? Kein Zweitbetrieb mit (ohnehin zweifelhaft erzeugtem) elektrischen Strom, sondern mit menschlichem Kraft-Einsatz?

So weit konnte, musste und wollte allerdings keiner der etwa 170 Teilnehmer der 16. MAW-Tour anno 2020 gehen. Gekommen sind sie beileibe nicht nur aus dem „Kern-Osten“ wie Hoyerswerda, Lauta, Frankfurt (Oder), Magdeburg oder Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch aus Hessen: aus Frankfurt (Main) und Darmstadt, deren Zweirad-Besitzer die weiteste Anreise auf sich nahmen.

Beim Stichwort Magdeburg sind wir beim Namensgeber der Tour: „MAW“. Ab 1954 produzierte der VEB (Volkseigene Betrieb) Messgeräte- und Armaturenwerk „Karl Marx“ Magdeburg einen Zweitakt-Hilfsmotor (50 ccm, 1-1,3 PS), zum Anbau an Fahrräder, die bald „Hühnerschreck“ oder „Maff“ genannt wurden. 35 km/h waren so erreichbar, aber trotz 1957 erfolgter Leistungssteigerung und Senkung des Verkaufspreises von 471 Mark auf 285 Mark war der Maff-Motor gegenüber den 1955 auf den Plan getretenen Suhler „Simson“-Mopeds (SR1, später SR2, KR50, Habicht, Spatz, Sperber, Star, Schwalbe), chancenlos und wurde ab 1959 nicht mehr für Zweiräder hergestellt; dennoch bis 1964 als Bootsmotor, für Rasenmäher und Krankenfahrstühle weiter gebaut. Immerhin: „Der etwa 170.000-mal gebaute Motor hat noch heute eine kleine Fangemeinde, die Altsubstanz erhält und pflegt sowie regelmäßig Ausfahrten veranstaltet“, weiß wikipedia; und zu solchen Ausfahrten zählte das sonnabendliche 16. „Mit dem MAW um die Lausitzer See“ – wobei auch einstige Konkurrenten wie Simson zugelassen sind – vorausgesetzt, sie haben Pedale – was nach dem SR 2 nicht mehr der Fall war.

Bewusst den Spätherbst gewählt

Karsten Dohrmann von der Fahrt-Organisationsgruppe des Vereins für historische Technik Lauta, fasst die 2020er Tour so zusammen: „Unsere Besonderheit ist, dass wir auf der Seestrecke ohne «Verkehrsleiteinrichtungen», also ohne anzuhalten, fahren können.“ Besonders dankbar sei man neben der Gemeinde Elsterheide und dem Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg dem Bergbausanierungsunternehmen LMBV, „das uns jedes Jahr die Genehmigung erteilt“; durchaus keine Selbstverständlichkeit auf Sanierungsflächen.

Auch die Lautaer lassen Rücksicht walten: Der Pferde halber sei man vom Gelände direkt am Reiterhof Partwitz jetzt weiter seewärts gezogen – und man halte am Spätherbst als Tour-Termin fest. Zwar sei da das Wetter unberechenbarer, „aber wir verhindern weitestgehend «Überschneidungen» mit Skatern und Radfahrern.“

Auf 10, 40, 60, 80 oder 100 Kilometern waren am Sonnabend die Fahrer unterwegs; mit 200 ccm (Modelle vor 1930) beziehungsweise 100 ccm – und mit dem Gefühl der Sicherheit: Falls irgendwer doch liegenblieb und die Muskelkraft nicht nur eigenbeinigen Rückkehr ausreichte – es gab einen Rückholdienst, auf dass keiner am Partwitzer See liegen bleiben musste.

Dass aber viele der Teilnehmer auch 2021 aus eigenem Entschluss wieder am Partwitzer See sein werden – keine Frage!

Nicht zum ersten Mal am Partwitzer See dabei war Stefan Ziedler aus Frankfurt (Oder): Er bestritt mit Startnummer 10 auf seiner Wanderer S von 1938 die Fahrt. 98 ccm Hubraum, 2,25 PS, Höchstgeschwindigkeit 50 km/h – das sind die blanken technischen Daten.
Nicht zum ersten Mal am Partwitzer See dabei war Stefan Ziedler aus Frankfurt (Oder): Er bestritt mit Startnummer 10 auf seiner Wanderer S von 1938 die Fahrt. 98 ccm Hubraum, 2,25 PS, Höchstgeschwindigkeit 50 km/h – das sind die blanken technischen Daten. © Foto: Uwe Jordan

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