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Ankunft in Bröthen

Seit zwei Wochen steht im Hoyerswerdaer Ortsteil ein Tiny-House/Mobilheim. Jetzt kann man es sich auch anschauen.

Doris Kasper hat den Grundriss für ihr Mobilheim entworfen. Hinter ihr befindet sich das Bad, daneben eines der Kinderzimmer. In der Wohnküche wird noch ein Ofen platziert. Und die Küche hat einen Gasherd.
Doris Kasper hat den Grundriss für ihr Mobilheim entworfen. Hinter ihr befindet sich das Bad, daneben eines der Kinderzimmer. In der Wohnküche wird noch ein Ofen platziert. Und die Küche hat einen Gasherd. © Foto: Uwe Schulz

Bröthen. Mancher träumt von einem Tiny-House, aber nur wenige realisieren sich den Traum. Doris Kasper hat es getan. Wobei das mit der Definition des Tiny-House so eine Sache ist. Der eine sieht darin einen Bau- oder Zirkuswagen, der andere eine Art Containerlösung, feststehend oder mobil, auf jeden Fall klein. Aber egal wie: Als erste Wahl für einen festen Wohnsitz in Deutschland ist das je nach Region rein von den Gesetzlichkeiten her kein einfaches Unterfangen. Und wirklich billig ist ein Tiny-House schon gar nicht.

Die große Schwester des Tiny-House ist das Mobilheim. In Europa seit Jahrzehnten aus Feriengebieten bekannt – eher Haus als Wohnwagen, aber eben irgendwie auch mobil. Denn es ist auf einem Rahmen gebaut und verfügt über Räder, hat aber keine eigene Straßenzulassung. Es ist also nur ortsveränderlich per Tiefladertransport. Und genau so ist das Haus von Doris Kasper auch nach Bröthen gelangt. In der Nacht zum 24. Juni rückte die Spedition an. Der Weg hatte bereits als Schwerlasttransport von der Produktion der Firma Vital Camp GmbH bei Kassel in die Lausitz geführt. Gerade das letzte Stück war nicht einfach. Die Polizei sicherte mit ab. Und wenn an einer Ecke dann doch mal Pkw im Weg standen, dann wurden nachts um 3 Uhr auch schon mal die Besitzer aus dem Bett geklingelt. Am Morgen stand es in der Nordstraße und wurde dann vom mitgeführten Traktor der Spedition auf das Grundstück am Schäferweg gezogen. Auf der vorbereiteten befestigten Stellfläche wurde es platziert. Unterstellböcke machen es stabil. 16 Uhr stand es. Austarieren, innen alle Türen und Fenster einstellen. Endkontrolle, Übergabe um 18.40 Uhr. In der kommenden Woche werden die Anschlüsse für Wasser, Abwasser und Elektro gelegt. Ein Kaminofen wird noch installiert, das Gebäude soll eine umlaufende Veranda erhalten. Dann ist das Holzhaus bezugsfertig. Viel hinein muss nicht. Doris Kasper hat sich bereits von vielen Dinge getrennt. Freilich sind da auch Unterlagen, die man aufheben muss oder sollte. Sonst ist nicht viel unterzubringen.

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Doris Kasper war Archäologin, hat 2011 den Hof der Großmutter in Zeißig zum Erlebnishof Kasper um- und ausgebaut. Lebensziele ändern sich. Beziehungen enden, neue beginnen. Mutter ist sie geblieben. Jetzt ist sie Coach, gibt Kurse, Seminare. Auf ihrer Internetseite beschreibt sie sich so: „Nun, ich bin… Vielfalt, Chaos, Kreativität, Leichtigkeit, Meisterin an Ideen, Visionärin einer Zukunft in Freiheit und Liebe.“ 2019 zog sie los, drei Wochen Russland bis hin zum unbeschreiblichen Kamtschatka. Doch auch Reisende brauchen eine Basis, sei es, weil plötzlich das Reisen weltweit unmöglich wird, sei es, weil eine feste Meldeadresse einfach unglaubliche Vorteile hat. Eine Wohnung? Nein. Ein Tiny-House? Ja. Wo? Die Kinder sprachen sich für Bröthen aus. Sie kennen es von der Verwandtschaft her und sie kennen den See.

Doris Kasper suchte sich einen Mobilheim-Hersteller. Im Juli 2020 entstand der Grundriss, im August wurde die Bestellung unterzeichnet, ohne dass sie ein passendes Grundstück besessen hätte. Und so machte sie sich in Bröthen auf die Suche. Das war nicht einfach und letztlich half die Tante, die neben ihrem Haus auf einer Wiese noch einen Bungalow stehen hatte. Direkt neben dem alten Kirschbaum, den Doris Kasper aus ihrer Kindheit kannte. Das Kirschbaum-Grundstück wurde im Dezember gepachtet, anschließend ging es an die Bauanträge, um den Bungalow abreißen und das Tiny-House/Mobilheim errichten zu können. Zunächst sollte es am 8. April kommen. Der Termin wurde verschoben, beim zweiten Ende April gab es ein Malheur mit dem Lkw. Und genehmigte Zeitfenster für einen Schwerlasttransport sind auch noch mal ein Thema für sich. Den tatsächlichen Liefertermin behielt Doris Kasper dann lieber für sich.

Ein Hingucker

Nun steht es da, 14 Meter lang, 4,80 Meter breit, mit Rädern vier Meter hoch. Drinnen eine Wohnküche, Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, ein Bad und darüber ein offener Spitzboden. Alles gedämmt, als Wohnsitz geeignet. Oder als Basis. Doris Kasper lässt sich das alles offen. Sie weiß, dass vieles ohne Familie nicht machbar wäre: „Jede Idee braucht eben ein Feuer und meine Familie lässt sich glücklicherweise leicht anstecken.“

Das Haus ist längst ein Hingucker geworden. Es kommen immer mal wieder Leute vorbei, die es sehen wollen. Also hat sich Doris Kasper entschlossen, es allen zu zeigen, die es sehen wollen. Wer sich anschauen möchte, wie es in so einem Mobilheim/Tiny-House aussieht, der kann dies an diesem Sonntag tun. Doris Kasper bietet am 11. Juli von 10 bis 16 Uhr die Möglichkeit der Besichtigung.

Mobilheime sind dank eigener Räder grundsätzlich transporttauglich.
Mobilheime sind dank eigener Räder grundsätzlich transporttauglich. © Foto: Doris Kasper
Das Platzieren auf dem Grundstück in Bröthen selbst war Maßarbeit.
Das Platzieren auf dem Grundstück in Bröthen selbst war Maßarbeit. © Foto: Doris Kasper
So sah das Haus am Tag nach der Ankunft aus, platziert direkt neben dem Kirschbaum. Eine Veranda soll ums Haus führen.
So sah das Haus am Tag nach der Ankunft aus, platziert direkt neben dem Kirschbaum. Eine Veranda soll ums Haus führen. © Foto: Uwe Schulz

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