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Bibliothek wäre fast in der Lausitzhalle

Ein alter Plan erzählt ein Stück Neustadt-Geschichte.

Plan der „Bibliothek – Möbelierungsgrundriss“, gezeichnet von (wenn der Autor die Signatur richtig deutet) „Breyst“ im Maßstab 1:50.
Plan der „Bibliothek – Möbelierungsgrundriss“, gezeichnet von (wenn der Autor die Signatur richtig deutet) „Breyst“ im Maßstab 1:50. © Repro: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Pläne von einst faszinieren – vor allem, wenn sie es nicht übers Papier hinaus geschafft haben. So ist es mit einem von der Zeit weiter gebräunten ORMIG- (Spiritus-Umkehr-Vervielfältigungsverfahren, benannt nach der es erfunden habenden Berliner Firma) Abzug im A-2-Format, datiert vom 9.3.-März-1981, entstanden im „VEB (Volkseigener Betrieb) Innenprojekt, Betriebsteil Cottbus“. 

Das Blatt ist ein Teil-Grundriss der Lausitzhalle, damals „Haus der Berg- und Energiearbeiter“; konkret die „Bibliothek – Möbelierungsplan“ – mit späteren blaustiftigen Ergänzungen, was wo sein sollte: „Kinder“, „Bilder“, „Katalog“, „Kassetten“, „Schallplatten“, „Zeitschr.“ ...Das HBE, wie das Kulturhaus am Lausitzer Platz (damals Platz des 7. Oktober) bald gekürzelt wurde, war 1981 längst kein fertiger Bau, sondern eine Langzeit-Baustelle.

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Der erste Entwurf kam 1971 und drohte in Gänze Plan und Modell zu bleiben. Die DDR baute Wohnungen, gerade in Hoyerswerda-Neustadt, Wohn-Platz des Gaskombinates Schwarze Pumpe. Da blieben keine Kontingente für ein Kulturhaus. Dann wagte Kombinatsdirektor Dr. Herbert Richter auf dem IX. Parteitag der SED 1976, kurz vor der Abstimmung der Beschlüsse bei deren letztmaliger Durchsicht in der Redaktionskommission einen Coup: „Genossen, hier fehlt doch was.“ – „Was denn?“ – „Na, der Satz «Zur kulturellen Betreuung ist in Hoyerswerda ein Haus der Berg- und Energiearbeiter zu errichten».“ Die Zeit drängte, die Abstimmung nahte. So hieß es nervös: „Dann schreib’ das halt noch schnell rein“.

Sieben Jahre Bauzeit

Die Delegierten winkten es durch. Der Grundstein wurde am 3. Januar 1977 gelegt – zum 101. Geburtstag von Wilhelm Pieck, erster Präsident der DDR. Doch es sollte über sieben Jahre dauern, ehe am 30. April 1984 das HBE eröffnete. Die Zeit bis dahin war von Sorgen geprägt: Immer wieder gab es „objektive Schwierigkeiten“ (fehlende und nicht genehmigte Bau-Kapazitäten) und Intrigen gegen das Haus bis hin zu Forderungen nach Verkleinerung; ja, Totalabriss des bereits stehenden Bühnenhauses.

Immerhin Umplanungen am laufenden Bau gab es. Denen fiel wohl auch die Bibliothek zum Opfer. Michael Renner, später als Nachfolger von Barbara Krause lange Jahre Chef des Hauses , weiß, dass die Bibliothek in der Funktions-Unterlage des Hauses, da, wo heute Sparkasse und Friseur sind, sein sollte. Im Kombinat Schwarze Pumpe gab es eine Werks-Bibliothek, das Literaturzentrum „Johannes R. Becher“ mit Außenstellen in den Wohnlagern. Dort wurden bereits Bücher gesammelt für die „Neue“ in Hoyerswerda, aber letztlich zerschlug sich alles. Hoyerswerdaer Bibliothek blieb, wo sie seit 1962 war: am Altstadt-Markt („Platz der Roten Armee“) im Obergeschoss des heutigen Zeemann-Hauses. Am 13. Juli 1998 zog sie dann doch in die Neustadt – in die Dietrich-Bonhoeffer-Straße 6/7; 400 Meter Luftlinie entfernt von dem Ort, wo sie laut den Plänen von 1981 hätte sein sollen.

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