merken
PLUS Hoyerswerda

Brieftauben und ein schlappohriger Marshmallow

Beim Haustiertag an Hoyerswerdas Grundschule „Am Park“ gab’s Wissenswertes zu geflügelten und bepelzten Freunden.

Die Kaninchen und Tauben von Harald Jordan und Enkelsohn Niclas waren beim Haustiertag der Grundschule „Am Park“ von Streichelwilligen umringt.
Die Kaninchen und Tauben von Harald Jordan und Enkelsohn Niclas waren beim Haustiertag der Grundschule „Am Park“ von Streichelwilligen umringt. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Marshmallow ist schnell umringt. Das süße kleine Kaninchen hat es den Schülern sofort angetan: Schlappohren und kuscheliges weiches Fell – da fällt es schwer, Abstand zu halten. Was die Jungen und Mädchen deshalb zuerst lernen: Tiere sind keine Kuschelobjekte, und möchten nicht permanent von Menschen gestreichelt werden. „Bedrängt das Tier bitte nicht und verhaltet euch ruhig“, bittet Niclas Jordan. Der 19-Jährige absolviert in der Grundschule „Am Park“ ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und hatte die Idee, am Haustiertag sein Hobby näher vorzustellen.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

Es liegt in der Familie

Der Hoyerswerdaer ist seit mehreren Jahren Mitglied des Rassekaninchenzuchtvereins
S 28. Die Haltung und Zucht von Kleintieren liegt bei Jordans in der Familie. Der Großvater von Niclas betreibt diese Art von Freizeitbeschäftigung schon seit seiner frühesten Kindheit. „Ich habe als zehnjähriger Junge die Hälfte des Schuppens meiner Eltern belegt, um Tiere halten zu können. Neben der Taubenzucht beschäftige ich mich auch mit Kaninchen“, berichtet Harald Jordan. Der 79-Jährige ist der Bitte seines Enkelsohnes Niclas gern gefolgt, beim Haustiertag von seinen Erfahrungen als Kaninchen- und Taubenzüchter zu berichten.

Nachdem vormittags vier andere Tiere, darunter ein Hund, die Grundschule „Am Park“ besucht hatten, bilden Kaninchen und Tauben den krönenden Abschluss.

„Und was passiert mit den gurrenden Vögeln, die in einer Kiste vor der Turnhalle stehen?“ möchte Leon wissen. Doch auch hier gilt erst einmal für alle Jungen und Mädchen: Abstand halten und nicht so laut sein! Das haben die Schüler schnell verstanden. Interessiert schauen sie von weitem in die große Taubenkiste. Die Vögel sollen genug Zeit bekommen, um sich zu orientieren und im übertragenen Sinne anzukommen, wie es Harald Jordan näher erklärt. Wenn sich der Haustiertag dem Ende nähert, wird die Taubenkiste geöffnet und die Vögel fliegen wieder nach Hause.

Die Brieftauben von Harald Jordan sind freilich nicht darauf trainiert Post von A nach B zu befördern, wie es in früheren Zeiten der Fall war. Vielmehr sei das Grundanliegen, die Orientierung der Vögel so zu schulen, dass sie auch aus entferntesten Gegenden wieder nach Hause zurückfinden, erklärt der Hoyerswerdaer. Das Training funktioniert durch positive Bestärkung mittels klassischer Futterkonditionierung, wie es vielfach auch bei Hunden und anderen Tieren angewandt wird. Harald Jordan hat mit seinen Brieftauben schon erfolgreich an Meisterschaften und Wettbewerben im In- und Ausland teilgenommen. In den 60er-Jahren ging es mit seinen Vögeln bis nach Bukarest, um die Brieftauben von dort wieder nach Hause zu schicken. Wie dieser perfekt organisierte Orientierungssinn bei Vögeln konkret funktioniert, werde derzeit noch genauer erforscht, erklärt der 79-Jährige der auf eine Frage hin auch gleich das umstrittene Thema vom Einsatz so genannter Hochzeitstauben aufgriff. Es kursieren derzeit Meldungen, dass Hochzeitstauben oftmals nur zum effektvollen Aufsteigen bei einer Hochzeit gezüchtet, aber nicht darauf trainiert werden, wieder nach Hause zu finden. Die Vögel, so der vielfach verbreitete Hinweis in sozialen Medien, sterben nach ihrem schön anzusehenden Einsatz deshalb einen qualvollen Tod.

Vereinsschau im Bürgerhaus Nardt

„Es gibt überall «schwarze Schafe». Auch in dieser Branche. Eine gute Vorab-Information über den Züchter ist sehr hilfreich, um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen“, erklärt Harald Jordan, der sich nicht nur als Taubenzüchter, sondern auch als Kaninchenhalter mehr interessierten und verantwortungsvollen Nachwuchs in den Vereins-Reihen wünscht. Leon hat zumindest schon mal Interesse bekundet, sich beim Rassekaninchenzuchtverein S28 näher zu erkundigen. Denn Marshmallow und seine anderen Artgenossen haben es dem neunjährigen Jungen angetan.

Gelegenheit dazu bietet sich am 13. und 14. November bei der nächsten Vereinsschau, die im Bürgerhaus Nardt stattfinden soll. Wer nicht so lange warten möchte: Kontakt ist auch über Vereinsvorsitzenden Marcel Domaschke per Mail möglich unter
[email protected]

Mehr zum Thema Hoyerswerda