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Das Werk ist vollbracht

Die Bergbaugeschichte von Heye III ist aufgeschrieben. Doch das Heye-III-Treffen in diesem Jahr fällt aus.

Karl-Heinz Weigel mit den Chronikbänden 1 und 2, der dritte ist im Druck.
Karl-Heinz Weigel mit den Chronikbänden 1 und 2, der dritte ist im Druck. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Nach 15-jähriger Fleißarbeit liegen alle drei Bände der Bergbauchronik von Heye III/Heide vor. Band 1 und Band 2 sind bereits gedruckt, Band 3 steht nach der Korrekturlesung vor der Drucklegung. Entstanden ist damit ein Werk von unschätzbarem Wert zur Heimatgeschichte, die einzig und allein mit der Entwicklung des Braunkohlebergbaus einherging. Ohne Braunkohlegewinnung- und Braunkohleveredlung hätte es Heye III/Heide nie gegeben. 

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Band 3 ist unwiderruflich der letzte

Chronist Karl-Heinz Weigel (75) ist zufrieden: „Mit Band 3 ist Schluss. Wenn noch weiteres Material einfließt, wird es auf jeden Fall gesammelt. Zurückblickend kann ich sagen, dass sich die Arbeit vor allem für die Nachwelt gelohnt hat. Mit der Geschichtsaufarbeitung habe ich begonnen, als ich Rentner wurde. Da habe ich mich gefragt: «Was machst du nun?» Ich wollte nicht untätig sein“. Die Rentnertätigkeit lag vor der Haustür. Der bergbauliche Abriss und der Rückbau der Brikettfabrik ab 1992 eröffneten einen großen Fundus an historischem Material, vor allem Bilder und Erinnerungshefte der LMBV (Bergbaufolge- und Sanierungs-Unternehmen „Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH“) gab es auf einmal. Doch Karl-Heinz Weigel konnte sich nicht vorstellen, dass das alles gewesen sein kann. Und er wurde fündig. Einwohner von Heide und Wiednitz, ehemalige Bergleute von Heye III und viele andere Freunde unterstützten sein Vorhaben – auch die LMBV.

Im Laufe der Jahre sammelte er über 4.000 Bilder, Fotos und technische Darstellungen zu Tagebau und Brikettfabrik und zur Entwicklung des Ortes. „Wo einst das Leben blühte, ist jetzt das letzte Sterben angesagt. Von Heide blieb kaum etwas übrig.“ Als Erinnerung blieb neben der dreibändigen Chronik auch die restaurierte Erinnerungsstätte. Die Chronik umfasst insgesamt 890 Seiten (Band 1 360, Band 2 260 und Band 3 270 Seiten, alle im Format DIN A 4). In den dritten Band flossen zusätzlich Erinnerungen aus Wiednitz ein und die mit dem Kohleabbau verbundene Gewinnung von Glassanden und Ton.

Das Gesamtwerk würdigt auch Dr. Uwe Steinhuber, der Pressesprecher der LMBV: „Mit großem Interesse habe ich als bergbaugeschichtlich Interessierter die Anstrengungen von Karl-Heinz Weigel verfolgt. Die LMBV hat im Rahmen ihrer ideellen Möglichkeiten seine Bemühungen unterstützt. Damit künftige Generationen die anhaltenden Strukturwandelprozesse nachvollziehen und verstehen können, sind Chronisten wie Karl-Heinz Weigel ganz wesentlich, denn Zukunft braucht Herkunft. Gefreut hat mich deshalb auch persönlich das optisch gut vorzeigbare und ansprechende Ergebnis des Neugestaltens der ehemaligen «Straße der Besten» in Heide zur Erinnerung an die Brikettfabrik.“

Hoffen auf 2021

Einher mit der Erarbeitung der Chronik gingen die jährlichen Heye-III-Treffen seit 1986. In diesem Jahr hätte am morgigen Samstag das 35. stattfinden sollen, im „Grünen Wald“ in Bernsdorf. Von den Gründern der Idee des Treffens sind noch vier aktiv. Karl-Heinz Weigel hatte eine ganz besondere Einladung entworfen, doch die kam nicht mehr in den Versand. „Ich hebe sie auf, vielleicht können wir sie für das 35. Heye-III-Treffen im kommenden Jahr verwenden“, sagt der Chronist. So richtig will er daran aber nicht glauben. Im Moment schon gleich gar nicht. „Die Zukunft ist ungewiss, wie überall.“ Immerhin hatte er erneut mit 60 Teilnehmern gerechnet. Doch der Altersdurchschnitt der Ehemaligen liegt mittlerweile bei rund 80 Jahren. Fest zugesagt hatte der 99-jährige Engelbert Frach. Er war Meister in der Brikettfabrik und gilt als der älteste noch lebende Zeitzeuge von Heye III/Heide und dem BKW (also dem Braunkohlenwerk) überhaupt. Ansonsten waren es die Kinder und Angehörigen, die die Tradition des Treffens fortführten. Wer es zukünftig organisiert, ist ebenso offen wie die Entwicklung der Zeit.

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