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Den Frieden in sich selbst suchen und finden

Ermutigung für mehr Solidarität und für mehr Miteinander: Die jetzige 40. Ökumenische Friedensdekade steht unter Motiv „Umkehr zum Frieden“.

Pfarrer Jörg Michel zeigt im Martin-Luther-King-Haus Hoyerswerda das Plakat zur diesjährigen 40. Ökumenischen Friedensdekade. Foto: Andreas Kirschke
Pfarrer Jörg Michel zeigt im Martin-Luther-King-Haus Hoyerswerda das Plakat zur diesjährigen 40. Ökumenischen Friedensdekade. Foto: Andreas Kirschke © Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. Eine Taube wendet ihren Kopf zurück. Der Ölzweig im Schnabel bedeutet „Land in Sicht“. „Der Blick zurück, wie hier bei der Taube, heißt nicht, gedankenlos das Heil in der Rückkehr zu alten Verhältnissen zu suchen. Umkehr zum Frieden bedeutet, die Augen wieder nach vorne zu richten, auf das Land, das Gott uns schenkt“, schrieb Florian Geith in der „Friedenszeitung“ zum Leitmotiv der bundesweiten 40. Ökumenischen Friedensdekade. Vom 8. bis 18. November findet sie mit dem Thema „Umkehr zum Frieden“ auch in Hoyerswerda statt.

Jeden Abend Andacht und Gebet

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„Trotz Corona wollen wir sie ermöglichen. Es gelten übliche Hygiene-Auflagen“, verweist Jörg Michael, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Hoyerswerda-Neustadt, auf die Termine im Martin-Luther-King-Haus. Eröffnungsgottesdienst war am Sonntag. Dr. Thomas Koppehl, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz, hielt die Predigt. Die Gemeinde vor Ort gestaltete den Rahmen. Am 15. November, am Volkstrauertag, ist Bittgottesdienst für den Frieden. Pfarrer Jörg Michel will dabei über Umkehr und Rückkehr zum Leben predigen. Vom 8. bis 18. November ist zugleich jeden Abend Andacht mit Friedensgebet im Martin-Luther-King-Haus. Die Verantwortung dafür tragen der Pfarrer sowie weitere Gemeindeglieder. „Die Themen sollen Impulse für den Alltag geben. Sie möchten zum Nachdenken anregen“, sagt der Pfarrer und unterstreicht: „Die Friedensdekade ist wie ein roter Faden mit der Geschichte unserer Gemeinde verbunden.“

Diese Gemeinde entstand 1966 mitten in der Hoyerswerdaer Neustadt, eigentlich einer Art Mittelpunkt der Nicht-Religiosität. Damals, so der Pfarrer, wollte Kirche hier nah bei den Menschen sein. Sie stellte sich den Herausforderungen, Erwartungen und Hoffnungen. 1968 erhielt das Gemeindezentrum den Namen „Martin Luther King“. Dessen Wirken steht für Gewaltlosigkeit, für Frieden-Stiften, für friedlichen Protest, Toleranz und Weltoffenheit. In den 1980er-Jahren, so Jörg Michel, engagierte sich die Kirchengemeinde stark für die Bildungsarbeit und für die Offene Jugendarbeit in der Stadt. „Sie sah ihren Auftrag darin, selbstlos, uneigennützig und sozialdiakonisch zu wirken. Das ist ein Wesenszug unserer Gemeinde“, sagt der Pfarrer.

Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen des Jahres 1991 in Hoyerswerda engagierte sich die Gemeinde erneut. Sie war Mitgründerin der „Initiative Zivilcourage“, begleitete die Entwicklung des Evangelischen (heute: Christlichen) Gymnasiums Johanneum, sie öffnete sich für das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ und die damit verbundene Flüchtlingsarbeit, sie bringt sich bis heute gestaltend ein in die Interkulturelle Woche im Landkreis Bautzen. „All dies sind auch Schritte zum Frieden“, verdeutlicht Jörg Michel. „Es sind kleine Schritte. Schritte im Alltag, Schritte für mehr Solidarität und für mehr Miteinander – auch in Hoyerswerda.“ Die bundesweite 40. Ökumenische Friedensdekade 2020 knüpft daran an. Sie will ermutigen und aufrütteln. „Das ist unsere Möglichkeit, authentisch einzuladen – in aller Bescheidenheit, mit all unseren Begrenzungen“, sagt der Pfarrer und unterstreicht: „Die Friedensdekade ist offen für alle Interessierten.“

Hochaktuell bleibt das Anliegen der Friedensdekade. Jörg Michel, seit 1993 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Hoyerswerda-Neustadt, seit 2010 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Spreewitz und seit Oktober 2020 auch Vertretungs-Pfarrer in Schleife, kennt immer wieder Beispiele im Alltag. „Sei es beim Einsatz für das Gemeinwesen, wo sich immer weniger Menschen engagieren, oder sei es in der Arbeit der Vereine, wo es oft an Nachwuchs mangelt. Eine Lösung gelingt nur, wenn jeder Einzelne mehr den Frieden IN sich selbst sucht – und findet.“

Erinnern an die 1980er-Jahre

Die Friedensdekade war und ist ihm stets persönliches Anliegen. Das begann in den 1980er-Jahren, in einer Zeit der politischen Spannungen und des Wettrüstens. „Das Friedenszeugnis zu bekennen, war Christen schon damals sehr wichtig“, erinnert sich der Pfarrer. „In der Zeit meiner Ausbildung zum Elektriker Anfang der 1980er-Jahre trug ich auf dem Anorak das Symbol «Schwerter zu Pflugscharen». In Zittau wurde ich eines Tages auf dem Bahnhof festgesetzt, später im Polizeirevier stundenlang verhört. Schließlich ließ mich die Polizei gehen.“ Bei anderen Christen, so der Pfarrer, ging es weit drastischer zu. Manchem Jugendlichen zerschnitt die Polizei spontan die Kleidung mit dem unangenehmen Symbol. Andere verloren ihren Studienplatz. Der gewünschte Bildungsweg blieb ihnen verwehrt. Oder sie konnten in der DDR nicht ihren ersehnten Beruf erlernen. Dieses Jahr, zur 40. Ökumenischen Friedensdekade, wird sich Pfarrer Jörg Michel wieder daran erinnern.

P.S.: Seit der Friedensdekade 1999 ist im Martin-Luther-King-Haus eine Friedensbibliothek. Sie will zu einem differenzierten Geschichtsbild beitragen. In der für jeden nutzbaren Bibliothek gibt es Literatur zum Ersten und Zweiten Weltkrieg, zur Ideologie der NS-Zeit, historische Literatur zur DDR und zur BRD sowie Literatur für gewaltfreies Handeln.

Buchtipp: „Friedensliederbuch“ mit 100 internationalen und christlichen Friedensliedern. Bestellung:[email protected]

40. Ökumenische Friedensdekade im Jahre 2020

... vom 8. bis 18. November:

Die Friedensdekade zielt auf die Themen Ökumene, Frieden, soziale Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Sie vertieft das christliche Friedenszeugnis. Sie will zur Willensbildung in Kirchgemeinden und in der Öffentlichkeit beitragen. Daher sind auch Nicht-Christen eingeladen. 

Biblischer Bezug zum diesjährigen Motto ist Römer 12, 9-21 „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Mit dem diesjährigen Leitmotiv „Umkehr zum Frieden“ will der Trägerkreis der Ökumenischen Friedensdekade Mut geben zur Umkehr und machbare Alternativen für einen gerechten Frieden aufzeigen.

Veranstaltungen im Martin-Luther-King-Haus Hoyerswerda an der Bonhoefferstraße zur Friedensdekade 2020:
Täglich Friedensgebete vom 8. bis 18. November jeweils 19 Uhr am Altar. Themen sind – Sonntag, 8. November: „Schalom“ – Montag, 9. November: „Versöhnung“ – Dienstag, 10. Nov.: „Umsturz“ – Mittwoch, 11. Nov.: „Ohnmacht“ – Donnerstag, 12. Nov.: „Lebenswende“ – Freitag, 13. November: „Feindbilder“ – Sonnabend, 14. Nov.: „Saulus 2020“ – Sonntag, 15. Nov.: „Kraft“ – Montag, 16. Nov.: „Barmherzigkeit“ – Dienstag, 17. Nov.: „Zufriedenheit“ – Mittwoch, 18. November (Buß- und Bettag): „Fülle“

Hauptgottesdienste: – 8. November um 9.30 Uhr: Gottesdienst zur Eröffnung der Ökumenischen Friedensdekade 2020; mit Superintendent Dr. Thomas Koppehl.
 15. November (Volkstrauertag) um 9.30 Uhr: Bittgottesdienst für den Frieden

Idee, Überblick und Geschichte der Friedensdekade werden erläutert unter www.friedensdekade.de 

Weitere Quelle: Kirchgemeinde HY-Neustadt

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