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Die nette Polizistin war eine Betrügerin

Um ein Haar wäre eine Seniorin aus Hoyerswerdas WK I jetzt auf den sogenannten Enkeltrick hereingefallen.

© Symbolfoto: SZ Archiv

Hoyerswerda. Vorige Woche klingelte bei einer 85-Jährigen im Hoyerswerdaer WK I nachmittags das Telefon. „Eine männliche Stimme weinte herzerweichend «Oma, ich hatte einen Verkehrsunfall.» Dann meldete sich eine weibliche Stimme, sagte, sie sei Polizistin und würde jetzt mal übernehmen“, schildert die Seniorin. Sie war erschrocken, weil einer ihrer Enkel sich gerade erst ein Motorrad gekauft hatte.

Nur einen Tag vorher hatte in der Sächsischen Zeitung ein Artikel mit der Überschrift „Enkeltrick ohne Ende“ gestanden. Unterzeile: „Trotz viel Aufklärungsarbeit fallen immer wieder ältere Menschen auf die Masche rein.“ Allein für den Donnerstag der vergangenen Woche wurden bei der Polizei für die Kreise Bautzen und Görlitz zehn entsprechende Betrugsversuche angezeigt. Und am Montag büßte eine 78-jährige Bernsdorferin 35.000 Euro ein. Auch sie hatte einen Anruf von jemandem bekommen, der sich als Polizist vorstellte und behauptete, ihr Sohn habe eine Frau und ein Kind angefahren. Sie könne ihn mittels der Geldzahlung vor dem Gefängnis bewahren. In der Tat, kam ein „Bote“ und holte die angebliche Kaution ab.

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85.000 Euro verlangt

Von der Frau aus dem WK I wurden ihrer Schilderung zufolge gleich mal eben 85.000 Euro verlangt. Ihr Enkel, so die Behauptung, habe eine Frau totgefahren. „Es hätte ja sein können“, sagt die Hoyerswerdaerin. Sie fragte die Anruferin, warum sie sich nicht an die Mutter des vermeintlichen Unfallverursachers wende, also an ihre Tochter. Die Antwort: Diese sei gerade mit der Staatsanwaltschaft beschäftigt. Es folgte die Aufforderung, niemanden sonst zu informieren: Der Enkel wolle das so.

Die 85-Jährige erklärte, sie könne keine 85.000 Euro aufbringen. Die angebliche Polizistin erwiderte, sie würde kurz mit der Staatsanwaltschaft Rücksprache halten, legte den Hörer beiseite und meldete sich kurz darauf wieder: Ausnahmsweise seien auch 50.000 Euro in Ordnung. Man werde ein Taxi schicken, damit die Seniorin zu Bank fahren könne. Und sie möge nicht auflegen. Während der ganzen Zeit war die Frau am Telefon gehalten worden. Während sie nach unten ging, um auf das Auto zu warten, kamen ihr schließlich doch Zweifel. Von einer Nachbarin aus rief sie ihre Tochter an, die selbstverständlich aus allen Wolken fiel und wiederum ihren Sohn kontaktierte – der in Norddeutschland lebt. Der Mann hatte natürlich keinen Unfall gebaut. Die Polizei bestätigt: „dass das Polizeirevier Hoyerswerda in dem beschriebenen Fall eine Anzeige aufgenommen hat.“

Professionelles Vorgehen

Sie schildert auch einen Anruf, mit dem vorige Woche auf dieselbe Weise eine 84-jährige Bernsdorferin um 92.000 Euro geprellt werden sollte: „Eine Angehörige bemerkte das Telefonat, die Seniorin schöpfte Verdacht und beendet das Gespräch.“ Die Polizeidirektion Görlitz wiederholt: Man solle unter keinen Umständen auf telefonisch vorgebrachte Geldforderungen eingehen. Es wird zudem die Warnung ausgesprochen, dass Täterinnen und Täter mitunter äußerst professionell vorgingen und versuchten, ihre Opfer emotional einzuwickeln. Die Frau aus dem WK I bestätigt das. Die angebliche Polizistin habe ihr sogar geraten, gegen die Aufregung ein Glas Wasser zu trinken: „Sie war sehr nett.“

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