merken
PLUS Hoyerswerda

Die rote Landmarke

Seit zehn Jahren befinden sich noch vier Fahrzeuge im Rutschungsgebiet bei Bergen. Eines sticht besonders hervor.

Der vor zehn Jahren umgekippte und bis heute nicht geborgene Lkw wächst langsam zu. So sah er im Juli 2020 aus.
Der vor zehn Jahren umgekippte und bis heute nicht geborgene Lkw wächst langsam zu. So sah er im Juli 2020 aus. © Foto: LMBV/Radke

Bergen. Nach fast fünfzig Jahren wurde in diesem Sommer das Wrack eines Busses aus der Wildnis entfernt. Der war dort 1961 als Schutz für Arbeiter aufgestellt und dann vergessen worden. Und wie das so ist, der Bus wurde dann durch eine Episode berühmt in Literatur und Film. Das sorgte wiederum für Probleme, weil Menschen diesen Bus aufsuchen wollten. 

Ok, der Bus befand sich in der Wildnis von Alaska. Das Buch basiert auf dem Tagebuch von Christopher McCandless, der 1992 wochenlang im Bus bis zu seinem Tod hauste. 2007 wurde die Geschichte verfilmt. Das Wrack, bekannt als „The Magic Bus“ zog etliche Menschen an, die keine Wildniserfahrung hatten. Es gab mehrere kostspielige Rettungsaktionen und zwei weitere Todesfälle. Jetzt wurde das Wrack per Hubschrauber ausgeflogen an einen unbekannten Ort.

Anzeige
Raus in die Natur!
Raus in die Natur!

Sie sind noch auf der Suche nach einem neuen Ausflugsziel in der Region? Wie wäre es denn mit Großenhain?

Der rote Lkw von Bergen in der kleinen Wildnis nördlich von Hoyerswerda ist noch nicht so berühmt. Er liegt jetzt seit zehn Jahren hier. Seine Geschichte ist nicht ganz so tragisch, aber anders dramatisch. Der Kipper war mit mehreren anderen Lkw am 12. Oktober 2010 mit Massentransporten im ehemaligen Tagebau Spreetal unterwegs, als sich gegen 14 Uhr die Erde in Bewegung setzte. Fünf Lkw versanken in den Massen, zwei praktisch komplett, zwei nur ein bisschen. Der fünfte, rot lackiert, kippte auf die rechte Seite. Sein Fahrer wurde wie seine Kollegen gerettet. Das ist das eigentliche Wunder der Rutschung damals, dass kein Mensch gesundheitlich zu Schaden kam. Und während die zwei versunkenen Fahrzeuge wohl für immer im Gelände liegenbleiben werden, wurden Ende 2011, Anfang 2012 zwei Fahrzeuge geborgen. Der rote Dreiachser liegt immer noch dort. Bäume wachsen nicht nur rundherum, sondern auch schon direkt am Fahrzeug. Und auch ein Anhänger zum Transport von Tieren wurde nicht geborgen. Zuletzt erhielt TAGEBLATT im Sommer eine Anfrage von einem Piloten, ob man mehr über dieses Fahrzeug wisse, weil man es aus der Luft erkennt. Aber nicht nur von dort. Auch vom Aussichtspunkt Bergen aus ist der Kipper mit bloßem Auge zu sehen, besser freilich mit Fernglas oder einem starken Teleobjektiv. Der Lkw ist zu einer Art Landmarke geworden. Zwar findet man auf den Satellitenbildern von Google Earth auch die Ladeflächen der beiden versunkenen Lkw und das helle Rechteck des im Wasser stehenden Anhängers, aber sie üben nicht diese Faszination aus, wenn man sich mit Besuchern des Aussichtspunkts unterhält.

Denn der Lkw ist zu sehen. An seinem Beispiel lässt sich gut die Wucht der Rutschung erläutern. Eckhard Scholz, Bereichsleiter Technik bei der LMBV, möchte diese Landmarke eigentlich nicht dauerhaft erhalten. Damit eilt es freilich nicht. Das Fuhrunternehmen, dem die Fahrzeuge gehörten, ist längst entschädigt, über die Gefahren ausgelaufener Betriebsstoffe in diesem Gebiet zu reden hat einen eher theoretischen Aspekt. Und angesichts der anstehenden Aufgaben und finanziellen Größenordnungen steht die Bergung des Lkw gewiss nicht oben auf der Tagesordnung der Bergbausanierer. Also bleibt er erst einmal, wo er ist. Wahrscheinlich wird er sich auch noch in zehn Jahren an der Stelle befinden, wo er 2010 umgekippt ist.

Mehr zum Thema Hoyerswerda