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Ein Bürgerzentrum für die Neustadt

Die Wohnungsgesellschaft Hoyerwerda ist jetzt für den Umbau des Ossi zuständig.

Von Mirko Kolodziej
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Hoyerswerdas Jugendklubhaus ist am 30. April 1964 eröffnet worden. Klappt es mit der Planung und anschließend anderthalb Jahren Bauzeit, so könnte zum 60. Geburtstag 2024 der Neustart als Neustadt-Forum erfolgen.
Hoyerswerdas Jugendklubhaus ist am 30. April 1964 eröffnet worden. Klappt es mit der Planung und anschließend anderthalb Jahren Bauzeit, so könnte zum 60. Geburtstag 2024 der Neustart als Neustadt-Forum erfolgen. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Von der Idee zu einem öffentlichen Vorhaben bis zu ihrer Umsetzung dauert es gewöhnlich einige Zeit. In der Regel muss man planen, die Finanzierung klären, Strukturen festlegen, Zustimmungen einholen und letztlich Baufirmen suchen. Das ist bei einem Ansinnen im Hoyerswerdaer WK I nicht anders. „Ossi – Neustadt-Forum – Kinder-, Jugend-, Familien-, Begegnungs- und Bildungszentrum“ war ein Konzept überschrieben, das Dietmar Wolf von der städtischen Bauverwaltung dem Technischen Ausschuss des Stadtrates vorstellte. Das ist nun beinahe zwei Jahre her.

Mittlerweile sind die meisten Punkte der Vorbereitung abgehakt. Die Finanzierung eines Großteils der Kosten über den Fonds des Bundes für die Noch-Kohle-Regionen ist nicht nur beantragt, sondern sogar bewilligt. Auch die Struktur ist inzwischen klar. Umbau und Erweiterung des Jugendklubhauses wird die städtische Wohnungsgesellschaft (WH) verantworten. Die Stadt hatte vor dem Jahreswechsel den Verkauf des Ossi-Grundstückes ausgeschrieben – samt Verpflichtung, das Neustadt-Forum-Konzept umzusetzen. Der Zuschlag für die WH war keine Überraschung.

Generalplaner gesucht

Inzwischen hat das städtische Unternehmen die erste Ausschreibung veröffentlicht. Gesucht wird – da großzügig vom Bund gefördert, europaweit – nach einem Generalplaner. „Umbau und Erweiterung des ehemaligen Jugendklubhauses Nikolai Ostrowski zum Neustadtforum mit Neubau Planetarium und Gestaltung Freianlagen“ ist die Veröffentlichung überschrieben. Das Büro, das letztlich zum Zuge kommen wird, kann auf vorliegende Grundlagenermittlung und Vorplanung – die ersten zwei von neun Planungsphasen – zurückgreifen. „Wir hoffen, im März die Planungsleistungen vergeben zu können“, sagt WH-Geschäftsführer Steffen Markgraf.

Binnen drei Monaten, so die Ausschreibung, wäre dann die Entwurfsplanung vorzulegen – Phase 3. Nach Genehmigungs- und Ausführungsplanung geht es an die Suche nach Baufirmen. Markgraf hofft, im Frühling des kommenden Jahres symbolisch den ersten Spatenstich setzen zu können. Wobei: An der Außenhülle des 1963/64 errichteten Gebäudes soll sich so viel nicht tun. „Die Bestandsbauten sind an die heutigen Bedingungen anzupassen und energetisch zu ertüchtigen“, lautet in diesem Zusammenhang der Auftrag. Die benachbarte Sportbaracke, beim Hoyerswerdaer FC in Langzeit-Pacht, ist nach anfänglichen Überlegungen zur Einbeziehung kein Projekt-Bestandteil mehr. Der Neubau des Planetariums in Anbetracht der ungewissen Zukunft des jetzigen Baus neben der geschlossenen Oberschule im WK VI hingegen wird nach wie vor verfolgt.

Weitere Details werden sich im Planungsprozess herauskristallisieren. Die Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA) als Betreiberin des Jugendklubhauses hat diesbezüglich zudem den Wunsch geäußert, dass Bürger und Bürgerinnen sowie Vereine Ideen und Wünsche für das künftige Stadtteilzentrum äußern. Am 22. Mai, voraussichtlich zwischen 14 und 17 Uhr, solle es dazu im Ossi eine lockere Runde zur Ideenfindung geben, so die RAA. Ziel sei, ein neues Betreiberkonzept zu erarbeiten.

Baukosten: 7,7 Millionen Euro

Denn, so sagt Steffen Markgraf, die RAA werde künftig der „Ankermieter“ der Immobilie, aber auch andere Partner sollten darin Raum für ihre Tätigkeit finden. „Wir denken, dass das ein Signal ist“, meint der WH-Chef bezüglich der Zukunft der Stadt.

Im WK I hat die Gesellschaft zuletzt schließlich jede Menge Geld in Sanierung sowie die Nachrüstung von Balkonen und Fahrstühlen gesteckt. Und sie hat auch für dieses Jahr weitere Investitionen im Viertel angekündigt. Zudem ist auch die Entfernung zwischen Ossi und Oberschule kaum der Rede wert. Letztere wird bekanntlich in den nächsten Monaten ihre neue Turnhalle bekommen. Nicht zuletzt spielt der WK I auch eine Hauptrolle bei den Überlegungen zum „Smart-City“-Konzept, um das es freilich in der letzten Zeit etwas stiller geworden zu sein scheint.

Auf 7,7 Millionen Euro beziffert die WH die Investitionskosten für das Neustadt-Forum. Laut den Regeln des Strukturstärkungsgesetzes übernimmt 90 Prozent davon der Bund. Wertschöpfung und eine nennenswerte Zahl an Arbeitsplätzen sind zwar kaum zu erwarten. Aber in §4 des Gesetzes steht ja auch etwas von öffentlicher Fürsorge, Städtebau und Stadtentwicklung. Und da hat sich die Stadt bezüglich des Ossi nicht weniger als Stadtteilarbeit vorgenommen, eine Art Quartiersmanagement. Die RAA spricht von einem Anker- und Anlaufort für alle Generationen – es klingt nach Bürgerzentrum für die Neustadt.