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Ein Naherholungs-Paradies am Scheibe-See

Die Stadt Hoyerswerda will den Bebauungsplan für das Kühnichter Ufer ändern lassen.

Oberhalb des Strandes, wo jetzt noch Bäume stehen, sollen Liege-Terrassen für die Badegäste geschaffen werden.
Oberhalb des Strandes, wo jetzt noch Bäume stehen, sollen Liege-Terrassen für die Badegäste geschaffen werden. © Foto: LMBV / Peter Radke

Hoyerswerda. Nicht nur wird es 2021 schon ein Vierteljahrhundert her sein, dass der Kohleabbau im Tagebau Scheibe endete. Es ist inzwischen auch schon ein reichliches Jahrzehnt vergangen, seit der nunmehrige Scheibe-See seinen Endwasserstand von 111,1 Metern Normalhöhennull erreicht hat.

Die vor 18 Jahren begonnene Flurneuordnung ist auf der Zielgeraden: Der Flurbereinigungsplan ist fertig und wird ab kommender Woche im Kamenzer Amt für Bodenordnung und Vermessung des Landratsamtes Bautzen öffentlich ausgelegt. Der Bergbausanierer LMBV ist zumindest schon im Planungsverfahren zum Bau eines permanenten Auslaufs in Burg für die Wasserabgabe in die Kleine Spree.

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Die Stadt Hoyerswerda indessen hat jetzt die Papiere zu jener Änderung ihrer Vorhaben veröffentlicht, die den Bereich des Kühnichter See-Ufers betreffen – auf rund 600 Metern Länge. Der erste Bebauungsplan für den Abschnitt trat immerhin auch schon 2009 in Kraft. Die Anpassung dieses B-Plans wird mit neuen Anforderungen sowie Rahmenbedingungen begründet: „Zusätzlich zu den bisherigen Planungen sollen Ferienhäuser, Gastronomie, untergeordnet auch Aufstellmöglichkeiten für Caravans und eine Landmarke im Bereich ermöglicht werden. Weiterhin sind die Planungen für die Gestaltung des Uferbereiches konkretisiert worden.“

Der Stadt schweben für Badegäste sogenannte Liege-Terrassen vor. Dazu soll die Böschung abgeflacht und stufenförmig gestaltet werden. In diesem Zusammenhang ist auch daran gedacht, den Strandzugang so anzulegen, dass Menschen mit Kinderwagen oder Rollstuhl keine Schwierigkeiten bekommen. Der vorhandene See-Rundweg soll sich per Verbreiterung in eine Promenade verwandeln. Dazu kommen den derzeitigen Vorstellungen zufolge eine Mole, ein Steg, ein weiterer Parkplatz für knapp 130 Kfz, Räumlichkeiten für einen Wasserrettungsdienst sowie der vom Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen vorgesehene 28-Meter-Aussichtsturm.

Private Partner erforderlich

Vor Ort geht es bisher in kleinen Schritten voran. Seit 2017 gilt in der warmen Jahreszeit die Gestattung eines provisorischen Badebetriebs mit regelmäßiger Strandreinigung. Am Ende der 2015 angelegten Straße zum Scheibe-See ist Raum für einen ersten größeren Parkplatz geschaffen worden. Derzeit entsteht dort auch eine Sanitäranlage. Und dieser Tage ist mit der Vollendung des letzten Abschnittes der Bauarbeiten entlang der Straße nach Riegel der zweite Geh- und Radweg aus Richtung Stadt zum See fertiggestellt. Dem Rathaus schwebte zuletzt vor, mittels Gestaltungselementen zusätzlich zum See-Rundweg noch einen Rundweg für An- und Abreise zu Fuß oder mit dem Fahrrad anzulegen: Die Tour zum See über den etwas längeren Abschnitt des Froschradweges durch den Wald, zurück die kürzere Strecke entlang der Staatsstraße – oder umgedreht.

Die Stadtverwaltung will freilich mehr, wofür sie jedoch private Partner benötigen wird. Die Rede ist in der B-Plan-Änderung zum Beispiel von Flächen, die „wassertouristischen Dienstleistungen“ zur Verfügung stehen sollen. Damit ist nicht nur Strand-Gastronomie gemeint, sondern zum Beispiel auch ein Verleih von Tretbooten und / oder Surfbrettern. Es ist schwer vorstellbar, dass die öffentliche Hand sich selbst um so etwas kümmert. Zu klären wäre auch, wer die erwähnte Vermietung von Boots-Liegeplätzen übernehmen soll. Die Rede ist allerdings von einer Aufgabe, die wiederum durchaus nach öffentlicher Erfüllung klingt, nämlich einer Hafenaufsicht. „Aufgrund der hohen Böschung ist die Anordnung des Gebäudes mit den dargelegten Nutzungsanforderungen in direkter Nähe zum Ufer und im Bereich der Terrassen erforderlich“, wird im B-Plan-Entwurf vermerkt. Auch „mehrere Fahrradparkplätze“ sind eingeplant, dazu Fahrrad-Abstell-Anlagen mit abschließbaren Boxen.

Tier- und Pflanzenwelt untersucht

Das Ziel des Ganzen: „eine vielfältige touristische Nutzungsmischung“. Voraussetzung ist unter anderem, dass Tier- und Pflanzenwelt, die sich im ehemaligen Tagebau-Vorfeld entwickelt haben, nicht allzu sehr gestört werden oder Ausweichmöglichkeiten bekommen. Man hat 2018 und 2019 umfängliche Untersuchungen der Natur absolviert, unter anderem 46 Vogel-, zehn Libellen- und fünf Reptilienarten festgestellt. Sogar die Auswirkungen auf Flora und Fauna an Hammer- und Besdankteich auf der anderen Seite der Staatsstraße, die seit Jahren trockengefallen sind, aber im Zusammenhang mit dem Knappenroder Spannteich ihrer Wiederbelebung harren, sind untersucht worden. Das Fazit der Naturschutz-Fachleute: Wenn hier und da kleinerer Ersatz geschaffen wird, sollte aus ihrer Sicht nichts gegen die in Rede stehenden Veränderungen sprechen.

Den B-Plan-Entwurf findet man unter anderem im Netz:hoyerswerda.de > Aktuelles > Bekanntmachungen

An der südwestlichen See-Spitze soll auf Initiative des kommunalen Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen eine „Landmarke“ errichtet werden. Der Aussichtsturm ist mit einer Höhe von 28 Metern geplant.
An der südwestlichen See-Spitze soll auf Initiative des kommunalen Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen eine „Landmarke“ errichtet werden. Der Aussichtsturm ist mit einer Höhe von 28 Metern geplant. © Grafik: ZVLSS

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