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Eine Medaille nach 30 Jahren

Peter Paul Gregor wurde jetzt auf dem Postweg vom Freistaat geehrt. Er hat sich gefreut.

In seiner rechten Hand die Medaille vom Freistaat, in seiner Linken die Plastik der Bausoldaten von Prora – Pfarrer Peter Paul Gregor wurde für sein Engagement in der Wendezeit geehrt.
In seiner rechten Hand die Medaille vom Freistaat, in seiner Linken die Plastik der Bausoldaten von Prora – Pfarrer Peter Paul Gregor wurde für sein Engagement in der Wendezeit geehrt. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Pfarrer Peter Paul Gregor ist ein viel beschäftigter Mann. Da bleibt Post auch schon mal ein paar Tage liegen. Irgendwann hat er das Schreiben der Sächsischen Staatskanzlei dann doch geöffnet. Darin fand er ein vom Ministerpräsidenten unterzeichnetes Anschreiben und eine kleine schicke grüne Kiste, in der sich wiederum eine weiße Medaille befand – 8 Zentimeter Durchmesser aus Meissener Hartporzellan.

Die Medaille „Sachsen - Land der Friedlichen Revolution“ wurde im Auftrag des Freistaates in einer Auflage von 300 Exemplaren hergestellt anlässlich des 30. Jahrestags der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit. Vergeben wird sie offenbar an Menschen, die sich im Rahmen der Revolution und der Einheit „mit herausragendem Einsatz große Verdienste erworben“ haben. In der Region im Landkreis Bautzen seien es ungefähr zehn Personen, erklärt die Sächsische Staatskanzlei auf Nachfrage. Aus Peter Paul Gregor sprudeln die Erinnerungen nur so heraus. Er hat sich schon Anfang der 1980er-Jahre für die Bausoldaten in Prora eingesetzt. Aus dieser Zeit besitzt er noch eine Gasbeton-Plastik, auf der hinten neben den Jahreszahlen 1980/82 eingeritzt ist: „Wir waren die ersten.“ Sie war Gregor aus Dank überreicht worden.

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Später war Peter Paul Gregor Kaplan in Wittichenau. Im Wendejahr entwickelte sich aus der montäglichen Jugendvesper in der Kreuzkirche Andachten und daraus Demonstrationen. Gut 300 junge Menschen folgten den Worten des Geistlichen damals regelmäßig. All das wurde bespitzelt. Gregor weiß von elf Informellen Mitarbeitern der Staatssicherheit in seinem Umfeld und hatte seinerseits selbst Informanten bei der Volkspolizei.

Er kann davon erzählen, wie er im Wartburg auf der Autobahn fast von einem Shiguli von der Fahrbahn gedrängt worden wäre. Ein solches Fahrzeug fand man später in einer der Garagen der Staatssicherheit im Hoyerswerdaer Industriegelände. Er erzählt auch von einer ominösen Krankheit, die ihn wie den späteren sächsischen Innenminister im Sommer 1989 befallen hat, die aber beide überlebten. Und er kann sich auch an den Moment erinnern, als in Wittichenau im Herbst 1989 eine aufgebrachte Menschenmenge ins Rathaus eindringen wollte und er sich davor stellte. Der Sturm fand nicht statt. Und er gehörte zu den Mitbegründern der Amnesty-International-Sektion in der untergehenden DDR. Allerdings verließ er sie irgendwann auch wieder, da er einigen der Mitgliedern nicht über den Weg traute.

Für Peter Paul Gregor begann all das aber eben schon mit dem Engagement für die Bausoldaten und deren Angehörigen. Das ist jetzt vierzig Jahre her. Über die Medaille mit dem Schreiben des Ministerpräsidenten hat er sich wirklich gefreut. Und eigentlich müsste er doch all das Erlebte, diese ganzen Geschichten doch mal aufschreiben. Aber das wird wohl erst werden, wenn er erwachsen ist, scherzt er. Jetzt ist er Mitte Sechzig. Das Telefon klingelt alle paar Minuten. Ein Pfarrer wie Peter Paul Gregor ist ein gefragter und damit viel beschäftigter Mann. Corona ändert daran nichts.

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