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PLUS Hoyerswerda

Eine Revolution des Bauwesens

Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten an einem in Hoyerswerda angesiedelten Zentrum für Bauen und Wohnen.

Unter anderem neuartige Technologien stehen im Zusammenhang mit den Überlegungen zu einer grundlegenden Umwälzung des Bauwesens. So können Baustoffe inzwischen auch einfach miteinander verleimt werden.
Unter anderem neuartige Technologien stehen im Zusammenhang mit den Überlegungen zu einer grundlegenden Umwälzung des Bauwesens. So können Baustoffe inzwischen auch einfach miteinander verleimt werden. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Als Ende Januar 2019 die „Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ – kurz Kohlekommission – ihren Abschlussbericht vorlegte, stand dort unter „Mittel- bis Langfristprojekte“ als Punkt Nummer 9 „Hoyerswerda – Zentrum für Bauen, Wohnen und Daseinsvorsorge“. Damals wussten nur Eingeweihte, was damit gemeint war. Es hatte vorher eine vom Land Sachsen finanzierte Studie zum Aufbau neuer Wertschöpfungsketten gegeben, in die das Lausitzer Technologiezentrum einbezogen war. „In diesem Zusammenhang kamen wir auf den Bau“, erinnert sich Lautech-Chefin Kathrin Schlesinger.

Mittlerweile arbeiten – im Wesentlichen noch hinter den Kulissen – jede Menge Leute aus Wissenschaft und Wirtschaft daran, dass das komplexe Vorhaben Konturen gewinnt. Involviert sind sechs Forschungseinrichtungen sowie 25 klein- und mittelständische Unternehmen. „Das kann ein ganz tolles und wichtiges Projekt für die Stadt werden – echter Strukturwandel“, ist Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) überzeugt, nachdem er sich jüngst Details hat erklären lassen.

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Einer der Vordenker ist Professer Dr. Hubertus Domschke vom Institut für Umwelttechnik und Recycling der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus – Senftenberg, ein Experte für Operations Research (Unternehmensplanung) und Mitglied im Lautech-Beirat. Er sagt voraus, nach dem Kohleausstieg und dem Hinwirken auf die Dekarbonisierung des Verkehrs werde sich die Umwelt-Politik als nächstem Schwerpunkt der Bauwirtschaft widmen. Denn unter anderem das Brennen des Zementklinkers für den Beton sowie der diesel- und benzinbetriebene Baumaschinen-Fuhrpark sind inzwischen in Sachen Kohlenstoffdioxid- sowie Feinstaubausstoß in den Fokus gerückt.

Die Überlegungen sind also einerseits der Erforschung neuer Baustoffe und deren Verarbeitung sowie andererseits dem Energie-Ressourcen sparenden „Bauen 4.0“ mit innovativen Montagekonzepten gewidmet. Der klassische Baufacharbeiter, ist Professor Domschke überzeugt, werde mehr und mehr von Maschinenbauern, Informatikern und Mechatronikern abgelöst werden: „Und das sind echte Industriearbeitsplätze, die den heutigen Arbeitsplätzen im Bergbau sehr nahekommen.“

Kooperation im „BauRaumWerk“

Lautech-Chefin Kathrin Schlesinger sagt, ohne das Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft würde das ganze Vorhaben nicht funktionieren. Die Ideengeber haben ihrem Verbund von Mitstreitern den Namen „BauRaumWerk“ gegeben. Mit von der Partie ist zum Beispiel die Bernsdorfer Aluform System GmbH & Co. KG. Sie hat gerade ein völlig neues Trägersystem zur Befestigung von Fassadenverkleidungen zum Patent angemeldet. „Das wird die Grundlage für unsere intelligente Fassade“, sagt Hubertus Domschke. Denn ein Gedanke dreht sich um eine effizientere Wärme- und Stromerzeugung über Technik an den Außenhüllen von Gebäuden. Zur Illustration einer anderen Idee zeigt der Professor verschiedene Bauteile, die nicht verschraubt oder zementiert, sondern mit einem Spezialkleber verleimt sind.

Die Vorstellungen und Konzepte, die im Zusammenhang mit dem Zentrum für Bauen und Wohnen eine Rolle spielen, reichen von der Verarbeitung pflanzlicher Komponenten für Baustoffe über effektiven Transport zur Baustelle bis hin zu seriellen Sanierungslösungen und zum Modulbau, die den Energie-Aufwand beim Bauen reduzieren sollen. „Hier arbeiten gestandene Entwickler zusammen mit klein- und mittelständischen Unternehmen“, sagt Hubertus Domschke. Das Nahziel ist, all die theoretisch angedachten Innovationen im Industriegelände auszuprobieren. Aus der einstigen Eimuth-Teppichhalle neben dem Lautech-Gebäude würde dann das Technikum des Zentrums für Bauen und Wohnen.

Zunächst allerdings muss der Antrag für eine Förderung über den Fonds für die Noch-Kohle-Regionen eingereicht werden. An den letzten Feinheiten wird gerade gefeilt. Und dann ist die Hoffnung, so schnell wie möglich grünes Licht sowie das beantragte Geld zu erhalten.

Eine gerade zum Patent angemeldete Idee stammt aus Bernsdorf: Die dortige Aluform System GmbH hat mit ihrem Fast-Mounting-Unterkonstruktionssystem eine kreative Lösung zur Fassadenverkleidung entwickelt.
Eine gerade zum Patent angemeldete Idee stammt aus Bernsdorf: Die dortige Aluform System GmbH hat mit ihrem Fast-Mounting-Unterkonstruktionssystem eine kreative Lösung zur Fassadenverkleidung entwickelt. © Foto: Aluform GmbH

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