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„Es gab kein Aufstiegsverbot für Aktivist“

Aktivist-Schwarze-Pumpe-/ FSV-Hoyerswerda-Rekord-Trainer Peter Prell feiert am heutigen 18. Februar den 80. Geburtstag.

Dem Verein blieb Peter Prell verbunden, war nach der Wende auch Präsident, Manager, Sponsor und Mitte der 90er nochmal Trainer.
Dem Verein blieb Peter Prell verbunden, war nach der Wende auch Präsident, Manager, Sponsor und Mitte der 90er nochmal Trainer. © Foto: Pumpe-Buch

Von Ronny Klein

Hoyerswerda. Sein Name steht für etwas, das man auf einem Trainerstuhl auch heute zumeist vergebens sucht: Kontinuität. Die war sozusagen ein Markenzeichen von Peter Prell, der immerhin elfeinhalb Jahre am Stück die Fußballer von Aktivist Schwarze Pumpe trainierte.

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Prell stammt aus dem Saaletal, schnupperte bei damals erstklassigen Clubs sogar Oberliga-Luft (höchste Spielklasse der DDR). Er stürmte für Fortschritt Weißenfels, FC Rot-Weiß Erfurt und Stahl Riesa. Dort übernahm er zum Karriereende auch die Juniorenmannschaft – und führte sie sensationell auf den dritten Platz der landesweiten Nachwuchsstaffel. „Wir düpierten einige große Clubs, das sorgte natürlich für Aufregung“, erinnert sich Prell. Sein Ex-Studienkollege und Pumpe-Spieler Uwe Arnold spielte den Vermittler in die Lausitz. „Ich war zuvor erst einmal in Hoyerswerda gewesen. Da verloren wir 1970 mit Stahl als großer Favorit im Pokal. Die Vereinschefs luden meine Frau und mich ein, zeigten uns Stadion, Stadt, die wunderbare Umgebung mit dem Knappensee. Traumhaft, viel schöner als in der Stahlstadt Riesa.“

So wurde der 33-Jährige im Sommer 1974 Trainer einer DDR-Liga- (zweithöchste Spielklasse) Mannschaft. „Ich bekam eine Neubauwohnung in der Gneisenaustraße im WK IX, Erstbezug. Kindergarten, Kaufhalle und Stadion in Laufweite. Perfekt. Mein Auftrag war, die Mannschaft zu verjüngen und trotzdem nicht abzusteigen. Ich dachte: Wenn ich vier Jahre schaffe, wär’ das super.“ Die ersten Monate waren nicht einfach. „Da gab es ältere, etablierte Spieler, denen es nicht passte, wenn ich sie auf die Bank setzte“, sagt Prell. „Doch wenn es sein musste, habe ich mich eben von Leuten getrennt. Es fiel mir nicht schwer. Mein Leben war Fußball. Für mich zählte das Leistungsprinzip.“ Mehrfach schrammte die Elf knapp am Abstieg in die Bezirksliga vorbei, Ende der 70er aber war die Truppe stabilisiert, der Trend zeigte nach oben. Dreimal wurde Aktivist Vizemeister.

Nur der heimliche Traum von der Oberliga mit Schwarze Pumpe erfüllte sich nie. „Der Gedanke war natürlich immer da, auch wenn im damaligen Bezirk Cottbus nur Energie erstklassig sein sollte. Es gab kein offizielles Aufstiegsverbot. Stattdessen wurden uns, wenn es brenzlig wurde, einfach die besten Spieler weggeholt. Entweder wie Olaf Besser oder Jörg Jenter direkt zu Energie. Oder kurzerhand zur Armee eingezogen.“ Auch Top-Stürmer Dieter Paulo, den Prell einst in Spremberg entdeckt hatte, holte sich Energie-Trainer Fritz Bohla in die Bezirkshauptstadt. „Er wollte eigentlich gar nicht“, erinnert sich Prell. „Über das Kombinat (Schwarze Pumpe, der Hauptsponsor der BSG Aktivist, d. Red.) hatten wir ihm sogar einen Wartburg besorgt. Am Ende musste Paulo trotzdem kostenlos nach Cottbus delegiert werden. Und das Auto bekam er auch noch ...“

79 Spieler setzte Prell in all den Jahren in Pflichtspielen ein. Der Beste? „Eindeutig Rainer Lönnig. Obwohl er immer heimlich geraucht hat. Nach den ersten Einheiten hab ich ihn gefragt, warum er noch bei uns spielt und nicht im Europapokal. Aber er hat sich hier wohlgefühlt. Und als Spielgestalter gab es keinen besseren als Frank Papritz.“ Die Ära Prell endete im Januar 1986 schroff nach einer Art Spielerrevolte im Trainingslager. „Vier Wochen später war ich Trainer in Brieske. Das erste Spiel gewannen wir – in Hoyerswerda.“

Heute feiert Peter Prell 80. Über ein Jahrzehnt davon war er Pumpe-Trainer. „Bei einem Trainertreffen sagte mir der spätere Bundesliga-Coach Hans Meyer, dass wir beiden die dienstältesten DDR-Trainer waren. Er war sogar zwölf Jahre in Jena.“

Mehr Geschichte(n) in: „Das große Pumpe-Buch – Aktivist / FSV / FC Lausitz“ von Ronny Klein // 496 Seiten mit 1.300 Fotos und (Kurz-)Berichten von allen 3.125 Spielen des Vereins // 37,95 Euro // Per Click & Collect im SZ-Treffpunkt Hoyerswerda (Lausitz-Center, Lausitzer Platz 1 / Tel. 03571 48705370 -10-12/14-16 Uhr-).

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