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Huckepack in die Werkstatt

Auch außerhalb des umzäunten Geländes der Energiefabrik gibt es Spannendes zu entdecken.

Dieser Huckepackwagen ist noch heute im Außengelände der Energiefabrik Knappenrode zu sehen. Das letzte Mal im Einsatz war er vor gut 30 Jahren.
Dieser Huckepackwagen ist noch heute im Außengelände der Energiefabrik Knappenrode zu sehen. Das letzte Mal im Einsatz war er vor gut 30 Jahren. © Foto: Uwe Schulz

Knappenrode. Die Zufahrt zur Energiefabrik Knappenrode ist super ausgebaut und asphaltiert, das Museumsaußengelände gepflegt. Und doch gibt es hier noch mehr Dinge außerhalb des umzäunten Geländes zu entdecken. Wer vom Wendekreis der Werminghoffstraße ein Stück nach Süden Richtung Koblenz läuft, erblickt linker Hand in einiger Entfernung einen alten Eisenbahnwagen. Je nachdem, wie man bekleidet ist oder wie der Bereich gemäht ist, kann man sich durch den Wildwuchs seinen Weg dorthin bahnen.

Auch als Laie sieht man: Der Wagen rollt auf Normalspur und hat auf der Ladefläche Schienen im Schmalspurformat liegen. Doch die Normalspurgleise sind gekappt – wozu hat der Wagen also gedient?

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Frank Arnold, der bei der Energiefabrik für die Technik zuständig ist, hat den Wagen vor 1990 noch in Betrieb gesehen. Der Huckepackwagen und die Reste der Umspurrampe am ehemaligen Südtor gehörten zum Bahnbetrieb dazu. Denn einerseits fuhren hier im Areal eben Normalspur-Schienenfahrzeuge auf 1.435 mm Regelspur und andererseits die Grubenbahn in Richtung Zeißholz und später weiter bis nach Laubusch auf Schmalspur von 900 mm. In Knappenrode erfolgte die Reparatur der Grubenbahntechnik. Um die Lokomotiven in die Werkstatt zu bekommen, mussten sie huckepack auf Normalspur auf den letzten paar hundert Metern dorthin transportiert werden. Und das geschah hier an der Umspurrampe.

Sachzusammenhang mit der Fabrik

Die E-Loks wurden mit der Kuppelstange befestigt, dann ging es mit den Schmalspurloks auf dem Normalspurwagen in die Werkstatt bzw. zur Wartung. Wenn alles erledigt war, nahm die Fuhre den entgegengesetzten Weg. Das alles wird den Fahrgästen der Draisinen-Rundfahrten auch erklärt, deren Rundkurs an der Rampe vorbeiführt – wenn denn irgendwann wieder welche angeboten werden. Rampe und Wagen gelten als Technisches Denkmal und sind im Sachzusammenhang mit der Energiefabrik zu sehen. Wie Museumsleiterin Kirstin Zinke erläutert, gehören diese Zeugnisse wie der Kühlturm oder die Barbarakapelle, obwohl sie sich nicht auf dem jetzt umzäunten Museumsgelände befinden, doch dazu und werden im Rahmen des Möglichen erhalten.

Eine Beschilderung mit Erläuterungen zur Umspurrampe und dem Huckepackwagen gibt es vor Ort zwar nicht. Aber es gibt in Sachsen noch bei einigen Schmalspurwagen solche Huckepackwagen in Aktion zu sehen, wenngleich dort Normalspurwagen auf Schmalspurgleisen transportiert werden. Der Wagen in Knappenrode wird so stehen bleiben, wo er ist. Irgendwann wird sich aber auch die Frage nach dem Erhalt stellen, wenngleich an dem Huckepackwagen konstruktionsbedingt so viel nicht kaputtgehen kann.

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