merken
PLUS Hoyerswerda

„Ich denke, das ist etwas Historisches“

Die Hoyerswerdaer Wähler haben Torsten Ruban-Zeh zum künftigen Oberbürgermeister gemacht.

Sekt statt Selters: Nachdem die Ergebnisse feststanden, konnte sich Torsten Ruban-Zeh am Sonntagabend durchaus ein Glas gönnen.
Sekt statt Selters: Nachdem die Ergebnisse feststanden, konnte sich Torsten Ruban-Zeh am Sonntagabend durchaus ein Glas gönnen. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Es war wohl ein schwerer Gang – so kurz nach 20 Uhr am Sonntagabend. Die Zweite der Hoyerswerdaer OB-Wahl, Dorit Baumeister, überquerte gemeinsam mit ihrem Mann Carsten die Schloßstraße – von ihrer Wahlparty im Bürgerzentrum zu jener des Siegers Torsten Ruban-Zeh im Hotel „Zur Mühle“. Gerade hatte sie noch in Mikrofone gesagt, das künftige Stadtoberhaupt werde sicher etwas in Bewegung bringen, Ruban-Zeh werde es aber mit der Seele der Stadt schwerhaben. 

Schließlich habe er, Hoyerswerdaer erst seit 2000, weder ihr Wachstum bis 1989 noch die sehr schwierigen 1990er miterlebt. Doch nun, die Reporter hatten eingepackt, wollte Baumeister Ruban-Zeh persönlich gratulieren. Auf dem nur wenige Schritte langen Weg rang die Architektin um passende Worte.

Familienkompass 2020
Familienkompass 2020
Familienkompass 2020

Welche Ergebnisse bringt der Familienkompass 2020 für die sächsischen Gemeinden und unsere Region hervor? Auf sächsische.de bekommen Sie alle Infos!

Eine gute Stunde vorher hatte es im Hotel-Restaurant, das vor ein paar Jahren nach Baumeisters Entwürfen umgestaltet worden ist, frenetischen Jubel gegeben. Zwei Bildschirme waren aufgebaut, auf denen die Balken der städtischen Ergebnis-Übertragung im Internet schon frühzeitig Torsten Ruban-Zehs Wahlsieg erkennen ließen.

Es waren Parteifreunde wie Sachsens SPD-Vorsitzender Martin Dulig, Stadtrats-Fraktionschef Uwe Blazejczyk oder der emsige Wahlkämpfer Erfried Manka im Raum, aber ebenso andere Unterstützer. Hotel-Eigner Veit Burmeister etwa hatte sich für Ruban-Zeh ins Zeug gelegt, auch Klinikums-Geschäftsführer Jörg Scharfenberg oder der Inhaber der Gynäkologischen Tagesklinik, Matthias Jochmann. Der erste Dank des künftigen Oberbürgermeisters galt jedoch seiner Frau Evgenia, die ihm noch am Sonnabend über eine recht ungewöhnliche Zeitungs-Anzeige eine öffentliche Liebes-Erklärung gemacht hatte: „Ich denke, sie ist diejenige, die in den letzten Wochen und Monaten am meisten leiden musste. Also: Nicht nur Danke, sondern Entschuldigung für all das, was so auf dem Weg hierher passiert ist!“ Der 57-Jährige fuhr, an alle Helferinnen und Helfer gewandt, fort, man habe gemeinsam etwas Historisches für Hoyerswerda geschafft.

Martin Dulig nannte den bisherigen Chef der örtlichen Arbeiterwohlfahrt einen idealtypischen Vertreter, der soziale Verantwortung und Geschäftsführertätigkeit zu zwei Seiten derselben Medaille mache, „wenn wir über Arbeit, Ausgleich und wirtschaftliche Entwicklung reden. Du verkörperst das.“ Gut zehn Jahre trägt Torsten Ruban-Zeh jetzt die Verantwortung für die örtliche Arbeiterwohlfahrt und er ließ im Wahlkampf nie Zweifel daran, dass er stolz auf deren Entwicklung ist: „In der Awo Lausitz habe ich 420 Arbeitsplätze stabilisiert und 300 neue Arbeitsplätze in Hoyerswerda und der Region geschaffen.“ Und: Ihm sei nicht bange um den Sozialverband mit angeschlossenem Unternehmen, wenn er nun ins Rathaus wechselt. Es stehe ein Nachfolger parat. Vermutlich gilt das auch für das Präsidenten-Amt beim Sportclub. Im Stadtrat ist zumindest nach den Ergebnissen der Wahl vom vorigen Jahr klar, wer nachrückt. Auf der SPD-Liste hat der langjährige Stadtrat Günther Jahnel auf der Liste der sogenannten Ersatzpersonen die meisten Stimmen.

In den nächsten Tagen dürfte wohl mit dem OB-Büro die Prozedur zur Übergabe der Amtsgeschäfte vereinbart werden. Was dort wartet, weiß ein Gast von Ruban-Zehs Wahlparty ziemlich genau. Thomas Delling war immerhin reichlich 19 Jahre der zweite Mann im Rathaus: „Das ist ein stressiger und immer umstrittener Posten. Er steht hundert Prozent in der Öffentlichkeit und muss damit leben, dass jede Entscheidung und alles, was er sagt, auf den Prüfstand gestellt wird.“ Dienstbeginn ist in ziemlich genau 40 Tagen.

Stimmen zum Wahlsieger vom Sonntag

Hoyerswerda. Neben Dorit Baumeister (siehe oben) haben auch die beiden anderen bis Sonntag verbliebenen Kandidaten Torsten Ruban-Zeh zum Wahlsieg gratuliert. Claudia Florian (CDU) hat ihm noch am Sonntagabend geschrieben. Sie sagt, der Wahlkampf sei vorbei, und man müsse nun sehen, wie man die Stadt gemeinsam weiter gestalten könne. Marco Gbureck (AfD) schrieb im Internet, er wünsche „ein Miteinander für unser Hoyerswerda“. Bürgermeister Mirko Pink (CDU) freut sich auf seinen neuen Chef. Er sagt, er kenne durch seine Tätigkeit im Rathaus Ruban-Zeh schon über Jahre von Verhandlungen und Gesprächen zu den Kindertagesstätten der Stadt, von denen die Awo einige betreibt. Es sei stets ein faires und fachlich gut vorbereitetes Miteinander gewesen. „Ich denke, es wird eine gute Zusammenarbeit werden“, sagt Pink. Glückwünsche kamen auch von Klaus Haupt, der 1994 für die FDP (damals noch ohne Ober-)bürgermeisterkandidat war: „Für mich ist so eine Wahl eine Personen- und keine Parteienwahl. Und die Person, die gewählt wurde, war aus meiner Sicht im Vergleich mit den anderen Kandidaten sehr überzeugend. Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle.“ Ins Hotel „Zur Mühle“ kam – wie sie sagt, als Bürgerin – auch Stadträtin Dr. Gitta Kaltschmidt (CDU). Sie habe Claudia Florian die Daumen gedrückt, finde aber auch Ruban-Zehs Sieg toll: „Er ist, was wir brauchen. Ich glaube, wir haben den richtigen Macher für die nächsten sieben Jahre.“ (MiK)

Das steht auf Ruban-Zehs Aufgabenzettel

Hoyerswerda. Die Stadt zu alter Stärke zurückführen und sicherstellen, dass so viele Menschen wie möglich eine Arbeit haben – so stand es an oberster Stelle im Wahlprogramm des künftigen Oberbürgermeisters. Torsten Ruban-Zeh hat unter anderem einen Unternehmerbeirat angekündigt.

Er will aber auch regelmäßige Bürgerdialoge anbieten und die Stadtverwaltung zu einem kundenorientierten Dienstleister machen. Unter der Rubrik Bürgernähe steht jedoch auch ein Ausbau des Bürgerhaushaltes, was wohl eine Erhöhung des Budgets bedeuten dürftet.

Das Stadtoberhaupt in spe hat sich aber auch eine Schließung des Radwegenetzes ins Lausitzer Seenland vorgenommen und verfolgt überdies nicht weniger als das Ziel eines barrierefreien Zugangs zu allen Bereichen des städtischen Lebens.

Im Wahlprogramm tauchten unter anderem zudem ein gemeinsamer Kulturkalender zur Koordinierung der Angebote aller Veranstalter in der Stadt oder der Ausbau des Jahnstadions zu einem Fußball- sowie des Sportforums zu einem Leichtathletik-Zentrum auf. Ein neuer Tag des Ehrenamtes soll alle Hoyerswerdaer würdigen, sie sich in ihrer Freizeit engagieren.

Das wohl ambitionierteste Ansinnen richtet sich auf einen Stopp der Schrumpfung. Stichworte sind modellhafte Wohnformen in der Neustadt und eine Rückkehrer-Initiative für Weggezogene. „Die Zeit des Rückbaus muss beendet werden“, heißt es im Wahlprogramm. (MiK)

Mehr zum Thema Hoyerswerda