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Kleine Schritte am Scheibe-See

Für das Kühnichter Ufer sind erste Hochbau-Arbeiten in Vorbereitung, die Strandgestaltung steht aber weiter aus.

Die Stadt Hoyerswerda hofft darauf, dass auch dieses Jahr ab Mai wieder mit Blick auf Windräder sowie zwei Kraftwerke geplanscht werden kann.
Die Stadt Hoyerswerda hofft darauf, dass auch dieses Jahr ab Mai wieder mit Blick auf Windräder sowie zwei Kraftwerke geplanscht werden kann. © Foto: Tourismusverband Lausitzer Seenland / Quenze

Hoyerswerda. Während bei den allermeisten Hoyerswerdaern dieser Tage vermutlich eher heißer Tee, warme Wollsachen und Scheiben-Frostschutz fürs Wischwasser im Pkw eine zentrale Rolle spielen, denkt man im Rathaus schon wieder an Strandtücher, Badeanzüge, Sonnencreme und ähnliche Utensilien. „Zunächst läuft derzeit wiederholt das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren zur Zwischennutzung «Baden»“, steht in der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage von Freie-Wähler-Stadtrat Lutz Tantau.

Er hatte sich in der Januar-Ratssitzung nach dem Stand der Entwicklungen am Kühnichter Ufer des Scheibe-Sees erkundigt. In den Mittelpunkt stellte Tantau dabei Fragen zu Strandgestaltung, Wassersport und Bebauung.

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Erlaubnis für zwei Jahre?

Nach wie vor ist der Scheibe-See rein technisch ein Bergbaugewässer unter staatlicher Bergaufsicht. 2017 gab es die erste behördliche Erlaubnis, trotzdem im See zu planschen und zu schwimmen – damals von August bis Oktober. 2018 wurde die Genehmigung gleich für drei Sommer jeweils von Mai bis Oktober erteilt, lief also im vorigen Jahr ab. Nun hat die Stadtverwaltung versucht, eine unbefristete Genehmigung zu erhalten und sich dabei eine Absage eingehandelt. Es gebe aber positive Signale bezüglich einer Zustimmung für 2021 und 2022. „Die Saison soll am 1. Mai beginnen“, heißt es aus dem Oberbürgermeister-Büro.

In Sachen Strandgestaltung gibt es zwar Pläne für eine Verlängerung des jetzigen Strandabschnittes, für den Bau von Liege-Terrassen auf der abgeflachten und stufenförmig gestalteten Böschung sowie für eine breite Uferpromenade im Bereich des Rundweges. Allerdings hängt all das vom Abschluss des vom Bergbausanierer LMBV geführten Planfeststellungsverfahrens „Gewässerausbau Scheibe-See“ bezüglich der Wassergüte und des Baus eines permanenten Ablaufes auf der Burger Seite ab. Wann das Land Sachsen das Vorhaben abschließend geprüft und für gut befunden haben wird, steht in den Sternen. Im Ergebnis ist auch nicht realistisch zu sagen, wann aus der bisher eher wild-romantischen Badestelle ein Strand à la Bärwalder See werden wird. Neben der Böschungsgestaltung, so die Stadt, hängen davon auch die Freigabe des Scheibe-Sees für den Wassersport, der vorgesehene Bau einer Mole sowie die Errichtung von Gebäuden unmittelbar am Strand ab. Davon betroffen ist auch der am südlichen Ende des Strandabschnittes vorgesehene Aussichtsturm mit 28 Metern Höhe, die sogenannte Landmarke. „Ohne die abschließende Bewertung des Gewässers mit der Feststellung, dass dieses für die Nutzung fertiggestellt ist und ganzjährig genutzt werden kann, sind nur beschränkte Zwischennutzungen mit auszuweisenden Teilwasserflächen möglich“, so das Antwortschreiben an Tantau. Die Stadt, heißt es weiter, habe da leider nur geringe Einflussmöglichkeiten. Auf die Dringlichkeit bei der Bearbeitung habe man jedoch bereits hingewiesen.

Etwas still geworden war es zwischenzeitlich um die 2019 öffentlich gewordene Idee, am See ein Hotel „gehobener Kategorie mit 100 Zimmern und 50 Ferienwohnungen“ zu bauen. Wie versichert wird, ist sie keineswegs vom Tisch: „Neben der Strandentwicklung ist die Stadt weiter bestrebt, nördlich vom Strand ein Hotel etablieren zu können. Die Gespräche mit dem bereits vorgestellten Investor sind aktuell.“ Gemeint sind die Hamburger RIMC Deutschland Hotels und Resort GmbH sowie die Baufirma HHiG mit Sitz in Hemdingen in Schleswig-Holstein.

In den nächsten Monaten, scheint‘s, wird es erst einmal mit kleinen Schritten weitergehen, von denen zuletzt die Vollendung des Radweges zum See an der Straße Hoyerswerda – Riegel sowie das Verlegen von Trinkwasser-, Abwasser-, Strom- und Gasleitungen vermerkt worden waren. Der Abschluss der Medien-Grunderschließung ermöglicht nun im Wesentlichen zwei Dinge. Das eine ist die Errichtung einer öffentlichen Toiletten-Anlage. Nach Auskunft aus dem Rathaus will die LMBV die Bauarbeiten bis Juni ausschreiben. Die Stadt selbst hat bereits eine anderweitige Ausschreibung hinter sich: Wo Strom, Wasser und Gas anliegen, wäre es ja theoretisch möglich, kalte Getränke, Kaffee sowie Bockwurst mit Kartoffelsalat und Eis am Stiel an durstige und hungrige Badegäste, Fahrradfahrer oder Inline-Skater zu verkaufen. Also gibt es nun seit ein paar Tagen für eine Fläche ganz in der Nähe der Wendeschleife am Ende der Straße „Zum Scheibe-See“, wo bisher auch die Leitungen enden, einen Pacht-Interessenten für „eine erste gastronomische Versorgung“.

Anderes Tempo angestrebt

Weitere eher kurzfristige Bauvorhaben sind der Parkplatz für 122 Pkw an besagter Wendeschleife, für den im vorigen Jahr schon zahlreiche Bäume gefällt worden waren, sowie ein Kinder-Spielplatz mit Volleyballfeld. „Diese Maßnahmen sind innerhalb des geltenden Bebauungsplanes möglich, berühren weder das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren noch das Bergrecht und wurden daher vorgezogen“, so die Erläuterung der Stadt.

Abschließend werden im Schreiben an Lutz Tantau an seine Geduld appelliert und der Fortgang der Dinge als „schleppend“ charakterisiert: „Wir alle haben ein anderes Tempo angestrebt.“ Deutlich machen das zwei halboffizielle Jahrestage, die 2021 anstehen. Dass der letzte Zug mit Kohle den Tagebau Scheibe verließ, wird am Jahresende genau ein Vierteljahrhundert her sein. Seinen Zielwasserstand von 111 Metern Normalhöhennull erreicht hatte der nunmehrige Scheibe-See mit dem Ende der Flutung im Dezember 2011 – also in Bälde vor einem Jahrzehnt.

Weitere Arbeiten stehen zunächst am Ende der Straße „Zum Scheibe-See“ an (hier rechts). Geplant sind ein Parkplatz, ein Spielplatz samt einem Volleyballfeld sowie eine Toiletten-Anlage.
Weitere Arbeiten stehen zunächst am Ende der Straße „Zum Scheibe-See“ an (hier rechts). Geplant sind ein Parkplatz, ein Spielplatz samt einem Volleyballfeld sowie eine Toiletten-Anlage. © Foto: LMBV / Radke

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