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Mit Energie geht’s an die Energiewende

Ob sich ein Abfallprodukt der Abfallverbrennung in der Stadt Lauta veredeln lässt – auch das soll jetzt untersucht werden.

Nicht nur, aber schwerpunktmäßig wird es im noch zu erarbeitenden Quartierskonzept für Lauta um die Thermische Abfallbehandlungsanlage und deren Potenzial für die Wärmeversorgung von Teilen der Kernstadt und des Ortsteils Laubusch gehen.
Nicht nur, aber schwerpunktmäßig wird es im noch zu erarbeitenden Quartierskonzept für Lauta um die Thermische Abfallbehandlungsanlage und deren Potenzial für die Wärmeversorgung von Teilen der Kernstadt und des Ortsteils Laubusch gehen. © Foto: Gernot Menzel

Lauta. Die Thermische Abfallbehandlungsanlage (TA) Lauta verwandelt Abfall in Asche, Schlacke, Strom und Wärme. Letztere entweicht zum größten Teil ungenutzt in die Atmosphäre, gewissermaßen als Abfallprodukt der Abfallverbrennung. Lediglich ein Bruchteil der anfallenden Wärme geht ans benachbarte Unternehmen Rygol.

Wie die Abwärme der TA Lauta auch für die Stadt und den Ortsteil Laubusch genutzt werden kann, das wird jetzt in einer Studie mit der sperrigen Bezeichnung „Integriertes Quartierskonzept im Programm Energetische Stadtsanierung“ untersucht. „Dabei soll auch für die bestehenden Wärmenetze und die angeschlossenen Gebäude Entwicklungsperspektiven erarbeitet werden“, so die Zielstellung. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Stadtrat in dieser Woche bei zwei Gegenstimmen mit großer Mehrheit beschlossen.

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Senkung der Energiekosten

„Mit dem Quartierskonzept soll zum einen eine Umstellung auf eine ökologische Energieversorgung in der Stadt Lauta vorangetrieben werden. Zum anderen soll das Konzept helfen, die Energiekosten der Bürger, Unternehmen und der Stadtverwaltung zu senken“, heißt es in der Begründung zum Beschluss. Wie allein die Stadtverwaltung schon mit einfachen technischen Mitteln jährliche Einsparungen im hohen vierstelligen Euro-Bereich erzielen kann, das erläuterte der Lautaer Heizungstechnik-Spezialist Alexander Kosel. Ebenso wie Rainer Kühne, der Betriebsleiter der TA Lauta, war er als Gast zur Stadtratssitzung gekommen. Beide betonten die Notwendigkeit eines Quartierskonzeptes. Gerade in der aktuellen Situation, in der sich alle Welt mit der Energiewende beschäftigt und alle aufgerufen sind, die Energieträger der Zukunft zu bestimmen, so der TA-Chef.

Brachliegendes Potenzial

„Schon als die TA gebaut wurde, spielte die Wärmeauskopplung eine Rolle“, ließ Rainer Kühne wissen. Seinerzeit, das liegt 16 Jahre zurück, rechnete man mit Industrieansiedlungen im Industriegebiet Lauta. „Es war angedacht, diese mit Prozesswärme zu versorgen.“ Bis heute sei, mit Ausnahme von Rygol, nichts dergleichen zustande gekommen. Anstelle von Industrieansiedlungen wurde der größte Teil der Flächen mit Photovoltaik-Anlagen bebaut. In Deutschland gibt es derzeit etwa 100 Abfallverbrennungsanlagen, so der Hinweis von Rainer Kühne. „Der größte Teil davon ist in die Wärmeversorgung integriert.“ Die TA Lauta sei zudem in der Lage, etwa 50 Prozent der Wärme als zertifizierte „Grüne Energie“ bereitzustellen, betonte der Betriebsleiter. „Das passiert heute schon mit unserem produzierten Strom.“

Grenze noch nicht festgezurrt

Mit der momentan ungenutzten Wärmemenge, so hob Alexander Kosel hervor, könne die TA das gesamte im Konzept zu betrachtende Quartier versorgen. Dieses Quartier namens „Lauta – Lauta Laubusch“, das rund 13 Prozent der Fläche der Stadt umfasst, besteht aus Lauta-Süd mit den Bahngleisen als südliche Grenze, Lauta-Nord und Laubusch ohne Siedlung. „Die Quartiersgrenze ist noch nicht endgültig festgezurrt“, so der Bürgermeister, der eine Ausdehnung in Richtung Lauta-Süd für möglich hält. Das Konzept soll eine „ergebnisoffene Betrachtung“ werden, betonte er und versicherte, dass es auch eine transparente Öffentlichkeitsarbeit geben werde.

Für die Erstellung des Quartierskonzeptes hat die Stadtverwaltung knapp 60.000 Euro veranschlagt. Das Gros dieser Summe mit rund 38.000 Euro soll als Förderung aus dem Programm „Energetische Stadtsanierung!“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fließen. Der Förderantrag kann nun gestellt werden, nachdem der Stadtrat dem Vorhaben zugestimmt hat. 20 Prozent der Summe sollen über Dritte finanziert werden. „Zum größten Teil gibt es schon mündliche Zusagen“, erklärte der Bürgermeister, der betonte, dass der 15-prozentige Anteil der Stadt ausschließlich in Arbeitsleistungen der Verwaltung und Sachleistungen, wie dem Zur-Verfügung-Stellen von Räumlichkeiten für Veranstaltungen, beigesteuert wird. „Es fließt kein Geld.“

Etwa ein Jahr soll die Erarbeitung des Konzeptes dauern. Diese Frist beginn mit der Zuschlagserteilung. Ehe sich die Stadt um entsprechende Angebote bemüht, müssen aber die Fördermittel bewilligt und die Gesamtfinanzierung gesichert sein.

Nichts für die Schublade

Das Quartierskonzept wird nach seiner Fertigstellung nicht in einer Schublade verschwinden. „Wenn es vorliegt, muss es an die Umsetzung gehen.“ Es gebe dann vieles zu klären, unter anderem möglichst über Fördermittel auch die Finanzierung eines Realisierungs-Managers. Die Stadtverwaltung könne das jedenfalls nicht leisten.

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