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Mysteriöse Medaillen mit MMM-Motiv

Dachbodenfund: Haben die Hoyerswerda-Prägungen eine Parallele zum Blücher-Orden?

Dachbodenfund in einer Zwanziger-Rolle; ohne Jahreszahl, Prägeort und Materialangabe.
Dachbodenfund in einer Zwanziger-Rolle; ohne Jahreszahl, Prägeort und Materialangabe. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Ein wenig erinnert das Motiv ihrer Vorderseite an die DDR-Jungaktivisten-Medaille und die 20-Mark-Münze zum 30. Jahrestag der DDR 1979: ein Jüngling und ein Mädchen, optimistisch-zukunftszugewandten Blickes. Flankiert werden sie vom Symbol der Staatsjugend FDJ (Freie Deutsche Jugend), der aufgehenden Sonne, und dem raketenähnlich stilisierten Stern der „Messe-der-Meister-von-morgen“-Bewegung (MMM), in der junge Menschen aufgerufen waren, innovative Lösungen zur Rationalisierung und technologischen Revolutionierung von Arbeitsprozessen auszutüfteln. 

So erscheint es logisch, dass solche Medaillen „Für gute Leistungen“ (Vorderseiten-Inschrift) in der MMM-Bewegung hätten vergeben werden können – doch genau da setzt Ungewissheit ein. Denn die Rückseite zeigt zweifelsfrei das Haus der Berg- und Energiearbeiter (HBE; heute Lausitzhalle), unterschrieben „Hoyerswerda“.

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Ein Hinweis auf die MMM des Gaskombinates Schwarze Pumpe (GSP), dessen Kind das HBE war? „Nein“, ist sich Ernst-August Sternberger sicher, der im GSP Messeverantwortlicher war. Zum einen fanden die Pumpe-Messen in der dortigen Betriebsberufsschule statt, zum anderen gab es Messe-Medaillen nicht auf unterer Ebene, sondern nur bei der Zentralen „Messe der Meister von morgen“ in Leipzig.

Womöglich nie verausgabte Proben

Das schließt auch aus, dass die Medaillen für Hoyerswerdas MMM geprägt worden waren. Waren es also Auszeichnungen für junge Erbauer des 1984 eingeweihten HBE? Oder „Probeprägungen“ wie Blücherorden und -medaille der Nationalen Volksarmee; vorgesehen für Offiziere und Mannschaften, die bei einer kriegerischen Auseinandersetzung beider Deutschlands als erste den Rhein erreichen würden?

Vermutlich stammen unsere MMM-Medaillen aus dem VEB (Volkseigenen Betrieb) Walzwerk Hettstedt, erkennbar an der hochglänzend-glatten Oberfläche des Randes mit Prägespuren. Hettstedt hat noch viele andere Medaillen geprägt, auch für Hoyerswerda/Schwarze Pumpe – etwa, in Kenntnis und Besitz des Autors, eine Serie zur BSG Aktivist Schwarze Pumpe (heute SC Hoyerswerda), zum Gaskombinat Schwarze Pumpe (BBS -Betriebsberufsschule „Ernst Thälmann“ und Gaswerk) und nicht zuletzt die Medaille der Arbeiterfestspiele 1990, die im Bezirk Cottbus und vor allem in Hoyerswerda hätten stattfinden sollen, dann aber in der Wende ausfielen.

In Hettstedt wurden auch nicht verausgabte DDR-Sondermünzen eingeschmolzen und bisweilen von Arbeitern „gerettet“ – um sie illegal als Zahlungsmittel zu nutzen. Aber überzählige Hoyerswerda-MMM-Medaillen, ohne Münzwert und Kaufkraft, dürften bis auf wenige abgezweigte Stücke nicht dem Schmelztiegel entronnen sein.

Wer Erhellenderes weiß, möge es uns gern mitteilen.

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