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Ost-West-Partnerschaft wird Freundschaft

Schwarzkollm und Heinersreuth pflegen seit vielen Jahren beste Beziehungen – die bis ins Private reichen.

Jan Schmaler ist der Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzkollm.
Jan Schmaler ist der Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzkollm. © Foto: Ralf Grunert

Schwarzkollm/Heinersreuth. Die Feuerwehren in Schwarzkollm in der Lausitz und Heinersreuth in Oberfranken haben sie von Anfang an befeuert – die Partnerschaft zwischen beiden Orten. Die wurde zwar erst 1994 offiziell besiegelt, ist aber seither voller Leben. Zwei, die diese Ost-West-Partnerschaft bei der Feuerwehr wie im Privaten pflegen, sind Michael Dötsch, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Heinersreuth, und Jan Schmaler, der Schwarzkollmer Ortswehrleiter, wie von beiden im Interview zu erfahren ist.

Was haben Sie als die prägendsten Ereignisse in den Anfangsjahren in Erinnerung?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Jan Schmaler: Hier habe ich Schwierigkeiten, das Ganze Revue passieren zu lassen, denn ich bin erst seit 2007 Wehrleiter. In dieser Funktion habe ich mich entschieden, den etwas eingeschlafenen Kontakt zur Partnerfeuerwehr wieder aufleben zu lassen. Mein Vater hatte diese Partnerschaft ja seinerzeit aufgebaut. Ich wollte die Leute in Heinersreuth kennenlernen. Freundschaftlich, offen und gastfreundlich – das war mein erster Eindruck. Wir haben auch sofort versucht, die ersten Treffen zu organisieren. So waren wir gleich zu Beginn zu einer Fahrzeugeinweihung eingeladen worden. Dann gibt es in Heinersreuth einen Feuerwehrverein, der für die Bevölkerung Feste organisiert. Gerade zu festlichen Anlässen haben wir uns gegenseitig eingeladen. Die Heinersreuther kamen zu uns zu den Hoffesten, Dorffesten und Jubiläen. Wir sind zu eben solchen Anlässen nach Heinersreuth gefahren. Jeder wollte bei dieser Gelegenheit dem anderen seine Heimat zeigen, dass war etwas Besonderes zu Beginn. Diese offene gastfreundliche Art empfand ich als sehr beeindruckend.

Michael Dötsch: Die Unterschiede der politischen Systeme waren bis zur Wende eben doch so groß, dass die Begegnung mit dem jeweils „anderen Deutschland“ wohl auch mit Fragezeichen behaftet war. Ein wenig wie eine Fahrt ins Ungewisse war es natürlich damals schon. Man musste ja erst einmal schauen, wie die anderen so drauf sind. Aber bei beiden Kameraden war der Schalter schnell umgelegt, und wir sind uns schon sehr bald auf einer kameradschaftlichen, freundschaftlichen Ebene begegnet. Gerne erinnern wir uns an die Jubiläen der beiden Ortschaften und der Feuerwehren.

Was war grundlegend anders an der Arbeit der beiden Feuerwehren?

Michael Dötsch: Der Mentalitätsunterschied ist eine große Hürde gewesen, die es am Anfang zu überwinden galt. Auch die Strukturen waren doch in vielen Dingen anders als bei uns, aber sonst ist „Feuerwehr gleich Feuerwehr“.

Jan Schmaler: Die Strukturen bei der Feuerwehr waren völlig anders als bei uns. Dort gab es eine Unterteilung in Feuerwehrverein und Feuerwehr. Im Verein sind vor allem Einwohner organisiert, die für den Dienst bei der Feuerwehr keine Zeit haben, aber mit ihren Zuwendungen die Feuerwehr unterstützen. Bei uns gibt es nur die Feuerwehr und die gehört zur Stadt Hoyerswerda, die uns auch finanziert. In Heinersreuth kommen zu den Geldern der Stadt noch die der Vereinsmitglieder hinzu. Die Feuerwehr Heinersreuth verfügte damals über ein modernes Gerätehaus, während wir noch ein altes mit veralteter Technik hatten. Das hat sich über die Jahre ausgeglichen. Heute sind auch wir bestens ausgestattet, mit Technik und Gerätehaus.

Aus der partnerschaftlichen Beziehung bei der Feuerwehr sind auch private Beziehungen entstanden. Wie hat sich das bei Ihnen entwickelt?

Jan Schmaler: Im Zuge der Feuerwehr-Kontakte hatte ich von Beginn an immer mit Michael Dötsch zu tun. Der war damals noch der Vorsitzende des Feuerwehrvereins. Inzwischen ist er Kommandant der Feuerwehr. Daraus hat sich eine extrem enge Freundschaft entwickelt. Wir besuchen uns oft. Wir fahren gemeinsam in den Urlaub. Ich war bei seiner Hochzeit dabei. Wir feiern Geburtstage fast immer zusammen. Wir telefonieren eigentlich wöchentlich miteinander und sehen uns monatlich, oder spätestens aller zwei Monate. Wir unterhalten uns natürlich auch über die Feuerwehr. Er ist feuerwehrbegeistert, ich bin feuerwehrbegeistert. Er schildert mir Probleme, die es bei seiner Wehr gibt. Ich erzähle, wie es bei uns läuft. Das passt einfach zwischen uns. Hinzu kommt, er ist gern hier, und ich bin gern dort. Ich hatte von Beginn an nie das Gefühl, dass mich jemand als Ossi betrachtet. Es ist eher so, dass man sich ehrlich dafür interessiert, was es Neues gibt in Schwarzkollm.

Michael Dötsch: Ich habe viele Menschen im Lauf der Zeit kennengelernt. Freundschaften geschlossen, die ich nicht mehr missen möchte und die bis heute auch noch bestehen. Mit meinem Kollegen und Wehrleiter Jan Schmaler, auf der anderen Seite, ist es sicherlich eine ganz besondere und intensive Freundschaft, die weit über die Feuerwehr hinaus reicht.

Hat es mal gekracht im Miteinander in so langer Zeit?

Michael Dötsch: Ich kann mich an kein „Krachen“ im negativen Sinne erinnern, vielmehr haben wir es bei unseren Begegnungen immer „krachen“ lassen.

Jan Schmaler: Richtig gekracht hat es in all den Jahren nie, obwohl wir bei einigen Dingen andere Ansichten und auch andere Herangehensweisen haben. Der Michael ist ein sehr akribischer Mensch, zum Beispiel beim Vorbereiten von Veranstaltungen oder Feierlichkeiten, egal ob es im Privaten oder bei der Feuerwehr ist. Es muss alles so funktionieren, wie er es möchte. Da bin ich einer, der ihn gern mal bremst und sagt, er sollte das eine oder andere etwas lockerer sehen oder auch mal Aufgaben abgeben. Wir sind immer mal wieder anderer Meinung. Aber das wird dann ausdiskutiert. Und das ist ja auch normal im Leben.

Worauf führen Sie diese intensive Partnerschaft im Privaten wie bei der Feuerwehr zurück?

Jan Schmaler: Auf die Ehrlichkeit, auf das Vertrauen zueinander, wobei sich das auf beide Bereiche bezieht. Auf die persönliche Freundschaft, die sicherlich ein Resultat gegenseiteiger Sympathie ist, wie auch auf die Partnerschaft bei der Feuerwehr aufgrund des gemeinsamen Interesses. Alles greift ineinander. Wir hatten vor kurzem hier in Schwarzkollm die Vorstellung unseres neuen Einsatzfahrzeugs TLF 4000. Da war natürlich auch Michael dabei.

Michael Dötsch: Wir haben auf beiden Seiten kurz nach der Wiedervereinigung, „kleine Diplomatie“ betrieben. Als andere noch nicht an solche Partnerschaften gedacht haben, sind wir schon „rüber gemacht“. Heute kann ich mit Stolz sagen: Es war, ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte, auf die beide Seiten sehr stolz sind. Wir leben unsere Partnerschaft - real, intensiv und das Jahr für Jahr. Die Begeisterung der Anfangsjahre hält noch immer an, weil man „Freund“ geworden ist und Schwarzkollm wie eine zweite Heimat für uns ist.

Interviews: Gabriele Schnetter-Zahn (Nordbayerischer Kurier) & Ralf Grunert (Hoyerswerdaer Tageblatt)

Michael Dötsch ist der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Heinersreuth. Neben ihrem Faible für die Feuerwehr verbindet Dötsch und Schmaler auch eine persönliche Freundschaft. Heinersreuth und Schwarzkollm pflegen seit vielen Jahren eine Partnerschaft.
Michael Dötsch ist der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Heinersreuth. Neben ihrem Faible für die Feuerwehr verbindet Dötsch und Schmaler auch eine persönliche Freundschaft. Heinersreuth und Schwarzkollm pflegen seit vielen Jahren eine Partnerschaft. © Foto: Andreas Harbach

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