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Sigrid Bolduans Kunst nicht vergessen

Die älteste Tochter Kersten Flohe möchte gern wieder einmal Werke ihrer Mutter ausstellen.

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Kersten Flohe mit einem Gemälde von ihrer Mutter Sigrid Bolduan. Abgebildet darauf ist sie selbst als Kind.
Kersten Flohe mit einem Gemälde von ihrer Mutter Sigrid Bolduan. Abgebildet darauf ist sie selbst als Kind. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Im Februar 2015 ist die Lausitzer Volkskünstlerin Sigrid Bolduan verstorben. Ihr umfangreiches Erbe, dazu gehören unter anderem Ölgemälde, Seidenmalereien, Grafiken sowie sorbische Ostereier, liegt jetzt etwas vergessen im Dornröschenschlaf. Das möchte die älteste Tochter Kersten Flohe ändern und wieder einmal Werke ihrer Mutter ausstellen.

Die Krankenschwester Sigrid Bolduan kam mit ihrer Familie Ende der 1960er-Jahre aus Bad Saarow in die Lausitz, weil ihr Ehemann als Hals-Nasen-Ohrenarzt am Kreiskrankenhaus Spremberg Arbeit gefunden hatte. Ein Gehöft in Klein Loitz mit Schafen, Gänsen, Katzen und anderen Haustieren war das Zuhause ihrer Jugend, erzählt Kersten Flohe.

Erkundung mit Stift und Pinsel

Ihre Mutter habe die neue Heimat gleich nach ihrer Ankunft mit Stift und Pinsel erkundet. Die Tiere auf dem Hof und der unberührte Wald vor der Haustür boten Motive an. Kersten und ihre Geschwister haben manchmal Modell gesessen.

Weil Sigrid Bolduan in der Prignitz als Bauerntochter aufgewachsen ist, hat sie ihre Schafe selbst geschoren, die Wolle verarbeitet sowie versponnen, mit Naturfarben gefärbt und dann Socken, Mützen oder Schals gestrickt. Anfang der 1970er-Jahre absolvierte Sigrid Bolduan ein Abendstudium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

Expertin im Ostereierverzieren

Die authentische, naturliebende Frau entdeckte auch das Kunsthandwerk der Sorben sowie die verschiedenen Trachten des Volkes für sich und wirkte in der Domowina im Förderkreis für sorbische Volkskunst mit. Bis zu ihrem Tode verzierte die Volkskünstlerin unzählige Ostereier in der Wachsbossier-, Wachs- sowie Kratztechnik. Anfangs benutzte sie Hühner- und Gänseeier, später auch Eier von der Straußenfarm in Torno, sagt Kersten Flohe.

Ihre Mutter durfte öfter im Heidemuseum Spremberg und im Wendischen Haus in Cottbus ausstellen und hat auf ihrem Hof in Klein Loitz Kunstworkshops durchgeführt. Ingrid Urbantke ist mit ihrem Kinder-Mal- und Zeichenzirkel Laubusch auch dabei gewesen. Sigrid Bolduan kleidete sich entweder in die Spremberger Tracht oder in eine Spreewald-Tracht und bemalte vor allem nach dem Ende der DDR jedes Jahr Ostereier auf Märkten in Spremberg, Neuwiese, in der Lausitzhalle, in Schleife, im Spreewald und auch in Berlin. Immer wollte sie Menschen an die Schönheit und Vielfalt künstlerischen Schaffens und an die sorbische Volkskunst heranführen.

Bei ihren Töchtern Kersten und Solveig ist ihr das besonders gut gelungen, denn beide haben erfolgreich ein Kunststudium absolviert. Kersten Flohe konnte ihre Söhne Jakob und Ludwig zu einem solchen Studium animieren und hat als Kunsterzieherin am Christlichen Gymnasium Johanneum auch viele andere Schüler erreicht. Solveig Bolduan verwaltet mit ihrem Bruder die Künstlerstube in Döbern, wo fast alle Gemälde, Grafiken und sonstige von Sigrid Bolduan geschaffene Kunstgegenstände aufbewahrt werden.

Die Geschwister betreiben die Internetseite www.sigridbolduan.de und sind per E-Mail an [email protected] für jeden Interessenten erreichbar.