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Sorbisch? – Aber ja!

Der 20. Geburtstag des Witaj-Sprachzentrums wurde kürzlich in der Krabatmühle mit Projekttagen für Sorbisch lernende Schüler begangen.

Über 180 sorbisch lernende Kinder verbrachten in der Krabatmühle anlässlich des 20jährigen Bestehens des Witaj-Sprachzentrums zwei Projekttage, in denen spielerisch auf die Krabat-Sage und das Mühlenhandwerk eingegangen wurde.
Über 180 sorbisch lernende Kinder verbrachten in der Krabatmühle anlässlich des 20jährigen Bestehens des Witaj-Sprachzentrums zwei Projekttage, in denen spielerisch auf die Krabat-Sage und das Mühlenhandwerk eingegangen wurde. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Schwarzkollm. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums hätte es wohl kein lebendigeres Spiegelbild von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für die Mission des Witaj-Sprachzentrums (sorb. für Willkommen) geben können. Eine authentische Reflexion, die bereits erreichte Erfolge sowie bevorstehende Aufgaben symbolisierte und lebendig werden ließ. Denn eines wurde an den diesen beiden Projekttagen schnell offensichtlich: Die Jungen und Mädchen lernen gern Sorbisch.

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Die bereits erworbenen Sprachkenntnisse, die Bereitschaft, diese weiter zu intensivieren, und die Begeisterung für die Auslebung sorbischer Identität dürfte den Organisatoren und Machern des Witaj-Sprachzentrums Mut machen und Hoffnung geben, dass sich ihre mühevolle Arbeit auch weiterhin lohnt. Scheint sie doch wichtiger denn je zu werden.

Wenngleich es der Begriff „gelebte Philosophie“ wohl eher trifft. Was vor zwanzig Jahren mit 26 Arbeitsplätzen als eigenständig, gegründete Abteilung der Domowina – Bund Lausitzer Sorben begann, hat sich bis heute zu einer Einrichtung entwickelt, die mit etwa vierzig Mitarbeitern, alle Generationen dabei unterstützt, die obersorbische und niedersorbische Sprache zu erlernen und zu vertiefen. Das Witaj-Sprachzentrum hat seine beiden Standorte in Bautzen und Cottbus. Es wird durch die Stiftung für das sorbische Volk gefördert, die Bundesmittel des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg erhält.

Lorenz Jankowsky, Sozialarbeiter im Sprachzentrum, gehört zu jenen Menschen, die erst im Erwachsenenalter die Schulbank für den Sorbisch Unterricht gedrückt haben. Warum? „Mein Interesse daran wurde durch meine Ehefrau geweckt, die selbst sorbisch spricht. Es ist zudem wichtig die sorbische Sprache zu erhalten und weiter zu vermitteln, weil sie Teil unserer eigenen Geschichte und Identität ist und als Kultur dieselbe Wertigkeit wie andere hat“.

Auch wenn die Sprachkurse auf positive Resonanz stoßen, so wartet dennoch viel Arbeit auf die Enthusiasten, um die sorbische Kultur für die nächsten Generationen nachhaltig und vor allem lebendig erhalten und verbreiten zu können.

Dr. Beate Brezan Leiterin des Sprachzentrums meint: „Am besten ist es natürlich, so wie in jeder anderen Sprache auch, sorbisch von klein auf lernen zu können. Im Erwachsenenalter fällt es bekanntermaßen nicht mehr so leicht. Wir geben deshalb gern individuelle Hilfestellungen und freuen uns über jeden Schüler, egal welchen Alters. Es braucht zukünftig auch viele Menschen, die sehr gute Sorbisch-Kenntnisse haben, damit auch weiterhin Theaterstücke und Zeitungsartikel in sorbischer Sprache geschrieben werden können. Nicht zu vergessen die Sprachwissenschaftler und Übersetzer, auf die zukünftig viel Arbeit wartet.“

Ein weiteres wichtiges Grundanliegen des Sprachzentrums ist die Nutzung und Anwendung moderner Medien, um die sorbische Sprache zeitgemäß bekannt machen zu können. Mit diesem Anliegen ist die Übersetzungsapp „Sotra.app“ entwickelt worden. Und wie es der Zufall will, gab es direkt einen neuen Impuls – verbunden mit einer Idee, wie sich in der Zukunft regelmäßig Sorbisch-Unterricht in der Krabatmühle verwirklichen ließe. „Das wäre ein tolles Projekt, über das wir gemeinsam reden sollten. Ist doch die Krabatmühle ein Leuchtturm in der Lausitz, in der die sorbische Sprache präsenter werden sollte“, so Dr. Beate Brezan.

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