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Verzögerungen und Aufgaben für die Ewigkeit

Der staatliche Bergbausanierer LMBV passt einmal mehr Zeithorizonte an, das betrifft auch die sächsischen Seen.

Von Uwe Schulz
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Blick von der Landmarke Rostiger Nagel auf den Sornoer Kanal, durch den Wasser aus dem Geierswalder See in den Sedlitzer See geleitet wird. Der ist bei der derzeitigen Sanierung und dem Flutungsgeschehen das zentrale Herzstück im Lausitzer Seenland.
Blick von der Landmarke Rostiger Nagel auf den Sornoer Kanal, durch den Wasser aus dem Geierswalder See in den Sedlitzer See geleitet wird. Der ist bei der derzeitigen Sanierung und dem Flutungsgeschehen das zentrale Herzstück im Lausitzer Seenland. © Foto: Uwe Schulz

Senftenberg. Die bundeseigene Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) war in dem Vierteljahrhundert ihres Bestehens schon oft der Buhmann. Der wohl größte Landschaftsgestalter Europas hat nach den großen schnellen Anfangserfolgen der Bergbausanierung längst die Mühen der Ebene erreicht. Man war anfangs davon ausgegangen, dass die GmbH mit ihrer Bund-Länder-Finanzierung Anfang des 21. Jahrhunderts mit ihren Aufgaben fertig sein würde.

Jetzt wird ausgesprochen, was einige wussten und mancher ahnte – die Bergbausanierung zieht sich viel länger als geplant. In einigen Bereichen spricht man mittlerweile von Ewigkeitsaufgaben, und der technische LMBV-Geschäftsführer Bernd Sablotny sieht sich in Wahrnehmung seiner Verantwortung oft als Verkünder nichtabweisbarer schlechter Nachrichten.

Seenfreigabe in den 2030er-Jahren

Eine zusammenfassende Zuspitzung erfolgte vor einigen Tagen in Senftenberg, wo Bernd Sablotny sagte, dass es für die sächsischen Bergbaufolgegewässer Neuwieser See, Blunoer Südsee, Bergener See und den Sabrodter See keine Nutzung vor den 2030er Jahren geben werde. Eine weitere Untersetzung des Themas der zu erwartenden See-Zustände wird auf der Regionalkonferenz des Lausitzer Seenlandes am Dienstag erwartet. Und der Gemeinderat Spreetal hat am Dienstag besprochen, Bernd Sablotny zu einer der nächsten Ratssitzungen einladen zu wollen. Dort ist man richtig sauer, eben weil es mit dem Spreetaler See nicht weitergeht.

Die Verlängerung des Zeitraums der Seenfreigabe östlich des Partwitzer Sees ist simpel wie nachvollziehbar. In der Kette der miteinander verbundenen Bergbaufolgegewässer war der Senftenberger See als „fertiger See“ schon zu Startzeiten der LMBV vorhanden. Der Geierswalder See und der Partwitzer See folgten. Sie sind gesichert, geflutet und touristisch nutzbar. Der Großräschener See ist ebenfalls weitestgehend fertiggestellt, wie LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber erläutert. Dem See fehlt es aber seit drei Jahren an ausreichendem Wasserdargebot für die Flutung bis zum Endwasserstand. Das Bindeglied zu den bereits touristisch nutzbaren drei genannten Seen ist indes der Sedlitzer See. Auch hier ist schon viel bei der Sanierung getan, konnte der Wasserspiegel ordentlich angehoben werden. Doch wann nach Abschluss der Sanierungsarbeiten der Endwasserstand erreicht sein wird und die Nutzungsfreigabe erfolgen kann, dafür mag aus den Erfahrungen der letzten Jahre niemand eine belastbare Prognose abgeben. Denn bisher ist noch jede Prognose zum Erreichen des Endwasserstandes kassiert worden. Auf der LMBV-Homepage sind für die noch nicht komplett gefluteten sächsischen Seen der Seenkette aktuelle Füllstände zwischen 80 Prozent (Neuwieser See) und 96 Prozent (Spreetaler See) vermerkt. In der Rubrik Flutungsende steht bei allen das Jahr 2023. Doch das ist Makulatur. Und an sich ist dieser Verschiebebahnhof nichts Neues. Noch 2012 war in Broschüren der LMBV ein Flutungsende im Jahr 2016 angegeben. Ebenso für den Sedlitzer See.

Wie viel Wasser steht zur Verfügung?

Schaut man auf die Seite mit den Seen der brandenburgischen Lausitz hat der Sedlitzer See einen Flutungsstand von 73 Prozent erreicht. Es fehlen ihm noch rund 57 Millionen Kubikmeter Wasser. In diesem Jahr konnten 11,6 Mio Kubikmeter eingeleitet werden. Der Großräschener See erhielt 8,1 Mio Kubikmeter und ist derzeit nur zu 93 Prozent gefüllt. Selbst wenn man Wasserverlust durch Verdunstung ausblendet, bräuchte es über 9 Mio. Kubikmeter, um ihn auf die 100-Prozent-Marke zu bringen. Und auch wenn das Jahr 2021 kein schlechtes Flutungsjahr war, so waren es aber die Jahre 2018-2020. Wie es wirklich weitergeht, weiß niemand. Auf jeden Fall denkt man bei der LMBV schon darüber nach, die Verlängerung der Betriebsdauer des Oberen Landgrabens zu beantragen. Die war auf 20 Jahre ausgelegt und würde eigentlich in fünf Jahren enden. Das bei ausreichendem Angebot aus Neiße und Spree abgeleitete Wasser wird aber auch danach noch im Lausitzer Seenland benötigt.

Mittelfrisitge Planung bis 2050

Die Gründe für die Verzögerung liegen aber nicht allein beim Wasserdargebot. Vor allem nach dem Regenjahr 2010 und den in der Folge eingetretenen Rutschungen sowie Grundbrüchen kam es zu einer Neubewertung der Tagebauinnenkippen. Was zunächst zu riesigen Sperrbereichen führte, aber letztlich auch zu Wisssenszugewinn. „Sachverständige und Wissenschaftler kamen in den vergangenen Jahren zu der Erkenntnis, dass in die Herstellung der geotechnischen Sicherheit erheblich mehr Leistung gesteckt werden muss, um eine gefahrenfreie Nutzung zu gewähren“, sagt Uwe Steinhuber. Dafür müssen Bund und Länder die Gelder in den jeweiligen Verwaltungsabkommen zur Verfügung stellen. Es wird Prioritäten geben. Es wird auch später noch neue Erkenntnisse geben und es haben sich die Zeiträume der Genehmigungs- und Zulassungsverfahren vor allem im Wasserrecht deutlich verlängert. Das entspricht nicht nur nach Erfahrung der LMBV dem Trend auch außerhalb der Braunkohlesanierung und verstärkt sich dahingehend, dass sich mit dem erreichten Fortschritt in der Sanierung die Berührungspunkte zur Öffentlichkeit erhöhen.

Die Bergbausanierer verweisen darauf, das aktuell noch 119 Planfeststellungs- und Planänderungsverfahren zu führen sind. Darin enthalten sind allein 108 wasserrechtliche Verfahren und elf Verfahren im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des durch den Bergbau zerschnittenen Straßennetzes und zur Errichtung von Deponien.

Seitens der LMBV hat man eine Projektplanung bis zum Jahr 2050 erarbeitet. Darin zeigt sich, dass einige Grundleistungen auch noch über die Mitte des Jahrhunderts hinaus reichen werden und schon jetzt als Ewigkeitslasten bezeichnet werden. Das umfasst laut LMBV insbesondere Gewässergütesteuerung, Monitoringleistungen, Pumpleistungen sowie Aufwendungen für den Betrieb technischer Anlagen. Verwahrung und Sicherung von unterirdischen Hohlräumen, die vor allem im Bereich von Tiefbaugruben bekannt sind, fallen ebenfalls in diese Rubrik.

Eisenfreie Spree erst 2100

Ein erwogenes Langzeitprojekt ist der Bau einer Dichtwand entlang des Speichers Lohsa II. Und wenn man bei der LMBV an die Spree und den Eintrag von Eisenoxid in den Fluss denkt, dann ist auch hier eine 17 Kilometer lange Dichtwand im Gespräch. „Mit einer dauerhaften Reduzierung des Eisenaustrags und damit auch der Entsorgungskosten für Eisenhydroxidschlämme ist aufgrund der langfristigen Abbauprozesse erst in einem Zeitraum ab circa 2100 zu rechnen.“