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Was tun, wenn es nicht mehr weitergeht?

Die Caritas bietet kostenlose Hilfe für Paare, Familien mit erwachsenen Kindern und Alleinstehende.

Probleme mit dem Partner? Manche Beziehung lässt sich retten, wenn man Hilfe von außen annimmt.
Probleme mit dem Partner? Manche Beziehung lässt sich retten, wenn man Hilfe von außen annimmt. © Bildquelle: pixabay

Hoyerswerda. Wer zu Christine Schnorr kommt, der erzählt ihr nicht, wie schön die Liebe, die Beziehung, das Leben ist. Wer zu ihr kommt, der hat Probleme, mit sich, mit den Kindern, den Eltern, mit dem Partner. Und es soll nicht so weitergehen wie bisher. Es soll sich etwas ändern. Damit es besser, am besten wieder schön wird.

Diese Person hat da schon den schwersten Schritt getan: Sie stellt sich dem Problem und sie sucht Hilfe. Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung bei der Caritas gibt es jetzt seit April 2018. Caritas ist der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche. Die Ehe-Familien- und Lebensberatung in Hoyerswerda wird aus Eigenmitteln des Caritasverbandes der Diözese Görlitz e. V. und einem Zuschuss des Kommunalen Sozialverbands Sachsen finanziert.

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Doch das Angebot ist völlig unabhängig von einer Konfession. „Hier wird niemand missioniert“, sagt Christine Schnorr. Es geht um die Menschen. Man muss eben nur wissen, dass es das gibt, dass es Christine Schnorr gibt. Die 44-jährige Cottbuserin hat Jura und Theologie studiert, eine vierjährige Ausbildung zur Familienberaterin absolviert, pendelt privat zwischen Dresden und Cottbus. Hoyerswerda kennt sie gut. Und sie kann helfen.

Sie spürt mittlerweile, dass durch die Lockdowns im Frühjahr und jetzt Spannungen und Belastungen zum einen in den Beziehungen zunehmen, andererseits gerade auch Alleinstehende stark betroffen sind. Wer die Beratungsstelle nach Terminabsprache aufsucht, der weiß, dass er sich in einem geschützten Raum befindet. Beim ersten Treffen geht es ums Warmwerden, Sichkennenlernen, um das Herausfinden des Anliegens. Christine Schnorr hat mit Paaren zu tun, die unzufrieden mit ihrer Beziehung sind. Es gibt Beziehungen, in denen es Gewalt gibt. Manchmal teilt nur einer aus, manchmal auch beide. Es gibt Alkoholprobleme, Streit, Vorwürfe, unterschiedliche Erwartungshaltungen an eine Beziehung, ans Leben. Das können Paare Mitte 20 aber auch Mitte 70 sein. Die meisten sind aber so zwischen 30 und 60 Jahre.

„Wenn das Problem erst verfestigt ist, ist es schwieriger“, weiß die Beraterin. Doch dankenswerterweise kommen die meisten ratsuchenden Paare zu ihr schon in oder nach der ersten echten Krise. „Ich entscheide aber nicht, wer Recht hat oder gewinnt“, betont Christine Schnorr. In der Paarberatung ist sie vom Prinzip her parteiisch pro Beziehung, weil sie überzeugt ist, dass Menschen zu schnell gleich wieder auseinander rennen. „Aber die Paare müssen das auch wollen. Wenn das Auseinandergehen von vornherein die einzige Option ist, dann ist das so.“ Schätzungsweise 80 Prozent der Ratsuchenden wollen ihre Beziehung retten.

Christine Schnorr setzt klare Prämissen. Wer unter Alkohol oder anderen Drogen beleidigend bzw. gewalttätig wird, der muss für eine Suchtberatung, vielleicht sogar für Entziehungskur bzw. Therapie bereit sein. Wer gewalttätig ist, der muss sich als Täter dem Problem stellen. Und während der Gespräche bei ihr wird sie Verletzungen, Unterstellungen und Vorhaltungen unterbinden.

Es geht in der Beratungsstelle um Information und Aufklärung, Entlastung, das gemeinsame Finden von Ressourcen und um das Wecken der Selbsthilfekräfte. Es geht um Hilfe zum Verständnis der ursächlichen Zusammenhänge von Problemen und Konflikten, das Vorbeugen von krankmachenden Beziehungskonflikten und Krisen. Eine Beziehungs-, Streit- und Kommunikationskultur in Ehe und Familie soll gefördert werden. Wenn eine Beziehung gerettet werden soll, müssen sich Dinge ändern, Muster, Personen. Wer nur den Partner ändern will und nicht sich selbst, der kommt nicht zum Ziel. Daher stellt von Christine Schnorr im Laufe der Gespräche eben solche Fragen wie: „Was wollen Sie ändern? Was denken Sie, können Sie dazu beitragen?

Die Caritas bietet auch Familienberatung an. Nein keine Erziehungsberatung beispielsweise für Familien, in denen gerade der Umgang mit den schwer pubertierenden Teenies an die Grenze der Belastbarkeit führt. Es ist vielmehr eine Beratung für Familien, in denen die Kinder selbst Erwachsene sind. Es geht um Eltern, die mit ihren Kindern gebrochen haben, Kinder, die ihre Eltern nicht mehr sehen wollen. Vielleicht ist es auch noch nicht so schlimm, aber das Verhältnis zueinander ist eben nicht in Ordnung. Was geschehen ist, liegt meist Jahre oder nun schon Jahrzehnte zurück. Auch hier geht es darum, eine Gesprächskultur zu entwickeln, die eben nicht in die stereotypen Vorhaltungen abgleitet.

Das sieht bei der Lebensberatung anders aus. Christine Schnorr umschreibt sie als psychologische Beratung, aber unterhalb einer Therapie angesiedelt. Sie kann auch keine Alltagsbegleitung anbieten. Oftmals kommen Frauen zu ihr. Im geschützten Raum wird es schnell emotional, werden Gefühle gezeigt. Burnout spielt eine Rolle, Unzufriedenheit in der Beziehung, aber der Partner sieht das nicht so oder will keine Beratung. Christine Schnorr hat die Erfahrung gemacht, dass Ratsuchende oftmals depressiv sind, teils dagegen Medikamente nehmen. In der Lebensberatung geht es dann ums Auffangen, Reden. Alltagsstabilisierung. Was bringt der betroffenen Person Kraft und Freude, wie hat sie früher Krisen bewältigt? Letztlich ist es Hilfe zur Selbsthilfe.

Zwischen ihren Beratungen macht Christine Schnorr Pausen. Das ist wichtig für sie selbst. Und dann ist sie auch wieder stark für das nächste Gespräch.

Beratungsangebote

Ehe-, Familien-, Lebensberatung: Ansprechpartnerin ist Frau Schnorr (Dipl. Ehe-Familien-Lebensberaterin, Systemische Familientherapeutin)
Mobil: 0151/ 46735572
Tel.: 03571/ 979256
[email protected]

Desweiteren bietet die Caritas in Hoyerswerda an: Schuldnerberatung und Insolvenzberatung, Allgemeine soziale Beratung, Ambulante Hilfen zur Erziehung, Ambulantes betreutes Wohnen und den ambulanten Hospizdienst.
Demenzgruppe, psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle.

Domizil: Hoyerswerda, Ludwig-v.-Beethoven-Straße 26

Christine Schnorr ist Dipl. Ehe-Familien-Lebensberaterin, Systemische Familientherapeutin.
Christine Schnorr ist Dipl. Ehe-Familien-Lebensberaterin, Systemische Familientherapeutin. © Foto: Uwe Schulz

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