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Wenn Afrika ganz nahe ist

Ralf Gerstmann engagiert sich für Familien in Gambia und sucht nun engagierte Mitglieder, um einen Verein gründen zu können.

Wenn Ralf Gerstmann über „sein“ Afrika spricht, schwingt Leidenschaft und Herzblut mit. Fotos als Erinnerungen von seinen Besuchen dürfen nicht fehlen.
Wenn Ralf Gerstmann über „sein“ Afrika spricht, schwingt Leidenschaft und Herzblut mit. Fotos als Erinnerungen von seinen Besuchen dürfen nicht fehlen. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Neunzehn Familienangehörige teilen sich sechs Zimmer in einem Flachbau. Geschlafen wird auf Matratzen, die auf dem Fußboden ausgelegt sind. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Das Wasser muss aus einem Brunnen geschöpft und nach Hause getragen werden. Dort wird es mit einem Tuch gefiltert und als Trinkwasser genutzt. Statt fließendem Wasser gibt es aber einen sehr guten Handyempfang.

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Das waren einige Eindrücke, die Ralf Gerstmann bei seinem ersten Besuch in Gambia erlebt hat. Kontroverse Zustände, die den Spagat zwischen mittelalterlich anmutenden Lebensumständen und modernem technischen Fortschritt erahnen lassen.

Unterstützung für mehrere Familien

Der Betriebsleiter des Zoorestaurants Sambesi hat vor sechs Jahren im Internet Kontakt zu einem Einheimischen namens Alpha aufgenommen. Der junge Westafrikaner lebt mit seiner Familie in Brikama, dem zweitgrößten Ort in Gambia. Es entwickelte sich eine Brieffreundschaft via Mail, gefolgt von einer herzlichen Einladung für den Hoyerswerdaer. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. „Ich habe mittlerweile eine richtige Affinität zu Afrika entwickelt. Die Geschichte dieses Landes ist mit Armut, Sklaverei und Rassismus sehr schicksalhaft. Ein Land, das schon immer am Rockzipfel der Welt hängt. Das haben die Menschen, von denen eine große Herzlichkeit ausgeht und die für kleine Dinge so dankbar sind, nicht verdient. Ich kann nicht wegschauen“, meint Ralf Gerstmann, der mehrere Familien in Brikama aktiv unterstützt. Für ihn eine Herzensangelegenheit.

So ermöglichte der Lausitzer den Bau einer Wasserleitung und finanzierte die Erweiterung des Flachbaus, in dem Alpha mit seiner Familie wohnt. Jetzt stehen der Großfamilie weitere Zimmer zur Verfügung. Das schafft neue Freiräume. In regelmäßigen Abständen verschickt Ralf Gerstmann auch Paketlieferungen mit lebenswichtigen Medikamenten, Lebensmitteln und anderen Dingen, die vor Ort dringend gebraucht werden. Ralf Gerstmann hat auch Spendenaktionen ins Leben gerufen. Jede Sach- und Geldspende komme zu 100 Prozent bei den Familien an, erklärt der Initiator.

Hilfe zur Selbsthilfe

Es gehe keineswegs darum, europäische Verhältnisse nach Afrika transportieren zu wollen. Vielmehr sei es sein gelebter Anspruch, grundlegende Bedürfnisse wie Hygiene, Versorgung mit Lebensmitteln und Spielzeug sowie Möglichkeiten von Bildungsarbeit schaffen zu können, um quasi Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können. Freilich weiß Ralf Gerstmann, dass diese Art von Unterstützung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. „Aber es ist ein Anfang. Diese Menschen brauchen Hilfe. Erst kürzlich haben Unwetter massive Schäden an Gebäuden angerichtet. Die Reparaturmaßnahmen dauern an und können nur notdürftig erfolgen. Auch dafür werden die Spenden verwendet“, erklärt der 59-Jährige, der seit einiger Zeit auch Vorträge über seine Reisen nach Afrika und die dortigen Lebensumstände hält, um die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Geplant sind demnächst auch Referate in Schulen und anderen Einrichtungen. Um eine höhere Resonanz erreichen und die Hilfsangebote gezielt koordinieren und umsetzen zu können schwebt dem Hoyerswerdaer die Gründung eines Vereins vor, in dem sich aktive Mitglieder für die Hilfe in Gambia gemeinsam engagieren. „Denn zusammen kann man viel mehr erreichen als allein“, ist sich Ralf Gerstmann sicher.

Ein ähnliches Ziel verfolgte der ehemalige Verein Projektarbeit Mosambik, der vor über 25 Jahren von der ehemaligen Hoyerswerdaerin Waltraud Spill gegründet wurde. Mithilfe der Mitglieder, Spender und Unterstützer konnten eine Schule im mosambikanischen Beira für 900 Schüler, ein Gesundheitszentrum und Schulpartnerschaften aufgebaut werden. Den Initiatoren war, wie Ralf Gerstmann auch, die Direkthilfe vor Ort mit am wichtigsten. Aufgrund mangelnder Mitglieder, Krankheit und altersbedingter Ausfälle konnte der Vereinsvorstand nicht mehr besetzt werden. Die Projektarbeit Mosambik löste sich deshalb 2016 auf.

Mit Ralf Gerstmann könnten sich demnächst neue Hilfsprojekte für Afrika entwickeln. Wer Interesse hat, den zukünftigen Verein zu unterstützen oder zu spenden, der kann sich gern bei Ralf Gerstmann melden.

Kontakt: Telefon 0177 5470860oder per Mail: [email protected]

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