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Wie es einem Bausoldaten der DDR erging

Es war eine gottlob nur kurze Dienstzeit, die Winfried Florian anno 1989 in Waren (Müritz) abzuleisten hatte.

Winfried Florian mit den Schulterklappen seiner Bausoldaten-Uniform der DDR-NVA und Schriftstücken aus der damaligen Zeit.
Winfried Florian mit den Schulterklappen seiner Bausoldaten-Uniform der DDR-NVA und Schriftstücken aus der damaligen Zeit. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. An seinen Dienst bei der Nationalen Volksarmee der DDR hat jeder Wehrpflichtige so seine Erinnerungen. Einer erzählt von anstrengenden Märschen, der andere vom langweiligen Wacheschieben und alle von viel zu kurzen Urlauben. Der praktizierende Katholik Winfried Florian aus Hoyerswerda gehörte am 2. November 1989 zu den letzten Bausoldaten, die für 18 Monate zur Armee mussten. 

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Wie er sich erinnert, war es damals schon nicht mehr schwer, den Dienst an der Waffe aus Glaubens- und Gewissensgründen zu verweigern. Seinem schriftlichen Antrag habe das Wehrkreiskommando jedenfalls entsprochen. Die Familie hatte ihn damals im Pkw nach Walddrehna bei Cottbus gebracht, wo er die vierwöchige Grundausbildung abzuleisten hatte. „Da es in der DDR aber schon rumorte, wussten die Vorgesetzten nicht mehr wirklich, was sie mit uns anfangen sollten“, erzählt Winfried Florian. Einige Marsch-Übungen und einmal über die Sturmbahn, um eine Zeit protokollieren zu können – das war’s.

Ein Brief an Egon Krenz

Weil der Staatsratsvorsitzende Egon Krenz am 3. November von einem neu zu schaffenden Zivildienst gesprochen hatte, den Wehrpflichtige ohne Waffe ableisten können, schrieb ihm Claudia Florian aus Hoyerswerda einen Brief. Sie berichtete von ihrem Ehemann Winfried Florian und bat die Regierung, allen am 2. November eingezogenen Bausoldaten den Wechsel in den Zivildienst zu erlauben. Eine Antwort darauf hat sie nie erhalten. Ein Zivildienst-Gesetz wurde aber 1990 erlassen.

Am 9. November fiel dann die Berliner Mauer, was die Bausoldaten in Walddrehna aus der Fernsehnachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ erfuhren. Ihren Dienst hat dieser Fakt, der die Welt veränderte, zunächst aber nicht beeinflusst, erzählt Winfried Florian. Ende November wechselte er mit den anderen Soldaten seiner Baueinheit nach Waren an der Müritz, wo sie in einem Betonwerk im Schichtbetrieb Eisenbahnschwellen gießen mussten. Die Männer lebten auf dem Betriebsgelände in Baracken. Ausgang und Urlaub hatten sie, wie alle anderen Soldaten auch, bei ihren Vorgesetzten zu beantragen. Anfang Dezember war Winfried Florian tatsächlich auf Urlaub in Hoyerswerda, und da es gerüchteweise hieß, der Dienst der Bausoldaten werde beendet, fuhr er vorausschauend mit seinem Trabant nach Waren an der Müritz zurück. Wenige Tage später wurde seine Baueinheit tatsächlich aufgelöst.

Er kam also bequem mit dem Auto wieder nach Hoyerswerda, klopfte an die Wohnungstür – und stand wie aus heiterem Himmel seiner total überraschten Ehefrau Claudia gegenüber. Die einzige Auflage, die Winfried Florian in Waren an der Müritz bekommen hatte, lautete, sich im damaligen Bezirkskrankenhaus Hoyerswerda zwecks Fortsetzung des Armeedienstes zu melden. „Die Verantwortlichen dort mussten erst einmal Arbeitsaufgaben für gleich drei Rückkehrer aus dieser Einheit finden“, erinnert sich Winfried Florian. Er arbeitete dann mit den Elektrikern des Krankenhauses in seinem erlernten Beruf und stellte Ende Mai 1990 beim Wehrkreiskommando den Antrag auf den Wechsel in den neu geschaffenen Zivildienst. Drei Tage später erfuhr er dort während einer Vorladung: „Wir ziehen Sie ein, wenn wir Sie brauchen.“ Das ist glücklicherweise nicht geschehen – und so konnte das Ehepaar Florian seinen großen Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen. Im Sommer 1990 eröffneten sie ihr eigenes Elektrowaren-Geschäft in der Altstadt.

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