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„Wir haben viel zu bewegen!“

Torsten Ruban-Zeh hat seinen ersten Arbeitstag als Hoyerswerdas Oberbürgermeister hinter sich - und viel vor.

Torsten Ruban-Zeh am Montagabend nach seiner Vereidigung zum Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Hoyerswerda.
Torsten Ruban-Zeh am Montagabend nach seiner Vereidigung zum Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Hoyerswerda. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Der erste Arbeitstag als Oberbürgermeister der großen Kreisstadt Hoyerswerda ist der erste Tag des Teil-Lockdowns. Für Torsten Ruban-Zeh (SPD) startete er dennoch wie gehabt. Früh Kaffee kochen und Frühstück, die Brotbüchsen bestücken für die Kinder. Den Jüngsten in die Kita bringen. Und dann nicht wie in den letzten Jahren zur Awo abbiegen, sondern den Weg in die Altstadt nehmen. 

So gegen 7.45 Uhr war er im Büro. Bei den Mitarbeitern im OB-Bereich „Guten Morgen“ sagen, 9 Uhr Absprache mit Führungskräften der Verwaltung zur weiteren Verfahrensweise mit dem Teil-Lockdown. Torsten Ruban-Zeh will bei einigen Festlegungen und Formulierungen, die die Stadtverwaltung betreffen, nachbessern. Tenor soll sein: Auch wenn es nur mit Auflagen geht: Prinzipiell kann aber jeder ins Rathaus kommen, um sein Anliegen zu klären. An beiden Rathäusern soll es konkrete Aushänge mit Kontakttelefonnummern geben. Und da es auch schon die ersten Verwaltungsmitarbeiter mit Corona-Infektion gibt, standen also auch interne Abläufe auf der Tagesordnung. Etwas später erstes Meeting mit Bürgermeister Mirko Pink. 11 Uhr Presse-Gespräch. Später Treffen mit dem Personalrat und dem Marketingverein.

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Matrjoschkas sind mit umgezogen

Es gab vor dem eigentlichen Dienstbeginn Vorabtermine mit dem scheidenden Oberbürgermeister, mit einigen Mitarbeitern. Am Samstag war schon Licht im Dienstzimmer zu sehen. Torsten Ruban-Zeh brachte ein paar persönliche Sachen vorbei. Und so stehen in der Vitrine die gleichen Matrjoschkas, wie sie schon im Chefzimmer der Arbeiterwohlfahrt standen. An den Wänden ist noch ein bisschen Platz. Ansonsten ist die Einrichtung so geblieben, wie sie war. Ruban-Zeh hat aber die jahrelang geschlossenen Vorhänge zur Senftenberger Straße hin aufgezogen. Er vermisst ein bisschen seinen Stehtisch. Die Ausstattung soll jetzt aber keine Rolle spielen. Vielleicht später mal. Da gibt es ganz andere Baustellen, zum Beispiel beim Thema Digitalisierung.

Sein Ziel für die erste Woche ist: Erst mal ankommen. Aber was heißt das schon. Donnerstag geht es auf jeden Fall nach Dresden. Antrittsbesuch beim Ministerpräsidenten und beim Wirtschaftsminister. Der Strukturwandel und die schnellere Verkehrsanbindung Richtung Dresden sind Kernthemen. Ruban-Zeh hat im Wahlkampf signalisiert, dass da auch von der Kommune Hoyerswerda mehr kommen muss. Planungsprozesse anschieben, nicht locker lassen, gemeinsam mit den Nachbarn agieren. Insofern will Hoyerswerdas neuer Rathaus-Chef jetzt auch nicht durch die Rathäuser der Nachbarn tingeln, sondern sich, wie schon geschehen, gleich auf Arbeitsebene treffen – in der kleinen Lausitzrunde beispielsweise. Torsten Ruban-Zeh stimmt nur zu gern ein in den Kanon der vom Strukturwandel kernbetroffenen Gebiete. Bei Landrat Michael Harig rennt er offene Türen ein. Der Kreischef war nach der Verabschiedung von Stefan Skora am Freitag an diesem Montag zur Vereidigung von Torsten Ruban-Zeh gleich wieder in der Stadt.

Er weiß, dass die Erwartungshaltung groß ist – in der Bevölkerung und in der Verwaltung selbst. Torsten Ruban-Zeh will dem gerecht werden. Öffentliche Termine in der Stadtgesellschaft fallen mit Ausnahmen der Gremiensitzungen in den kommenden Wochen zwar weg. Wenn man ihn als Bürger treffen will, dann kann man das im Alten Rathaus tun: „Meine Tür steht prinzipiell offen.“ Nur wenn sie zu ist, bin ich eben schon im Gespräch. Dann muss man halt warten. Und spätestens für das kommende Jahr plant er Bürgerdialoge, zudem eine aktive Öffentlichkeitsarbeit.

In der Verwaltung selbst will er in den ersten Wochen keine großen Veränderungen einführen. Erst mal schauen, sich orientieren. Freilich werde es Veränderungen im Stabsbereich geben. „Aber das ist hier nicht das Weiße Haus in Washington, wo ein Präsident mit seinem Stab aus und der neue mit seinem ganzen Personal einzieht“, lacht er. Politisch habe er bei der Wahl keine Bündnisse eingehen müssen, könne also frei agieren. Freilich sei er es seit 1997 gewöhnt, ein modernes Management um sich zu haben. Also werde er auch im Stab etwas verändern. Der im Wahlkampf thematisierte Dienstwagen ist tatsächlich nicht das Ding von Torsten Ruban-Zeh. Der Leasingvertrag der Mercedes-Limousine laufe bis Juni. So lange werde der Wagen auch bleiben und genutzt werden. Die private Nutzung des Dienstwagens rechne sich für ihn aber nicht. Also will Torsten Ruban-Zeh später ein privates Auto auch für den Dienst nutzen. Und was die Person des Fahrers anbelangt, müsse man jetzt sehen und Gespräche führen.

Zum ersten Mal Amtskette

Um 17 Uhr wurde es am ersten Arbeitstag schließlich feierlich. Beim Sonderstadtrat in der Aula des Foucault-Gymnasiums wurde Ruban-Zehs Nachfolger Günther Jahnel als Stadtrat verpflichtet und Ruban-Zeh selbst als neuer Oberbürgermeister vereidigt. Ralf Haenel von der Linkspartei, aktuell Hoyerswerdas dienstältester Stadtrat, übernahm die Aufgabe und hielt auch mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: „Nach meiner Ansicht sind Sie für das Amt geeignet!“ Anschließend wurde Torsten Ruban-Zeh erstmals die goldene Amtskette angelegt. Und der neue Oberbürgermeister hielt seine Antrittsrede.

Wie Stefan Skora am Freitag hob auch Torsten Ruban-Zeh auf die Bedeutung seiner Eltern ab, die sich beide im Pflegeheim befinden. Und er dankte seiner Frau, seiner Familie. Die gemeinsam zu verbringende Zeit, sie wird nicht mehr werden. Für ihn beginne nun nicht nur die Zeit des Führens in der neuen Aufgabe, sondern vor allem das Lernen, betonte er.

Bestehendes nicht vernachlässigen

In Richtung anwesender Amtskollegen und des Landrats signalisierte er, dass Hoyerswerda ein fester Motor auf Augenhöhe wird. Den Stadträten gegenüber betonte der neue Chef des Stadtrates, an Sachthemen interessiert zu sein. Das Ziel sei eine offene und ehrliche Zusammenarbeit. Mit der Verwaltung wolle er in den nächsten Monaten sechs Kernfragen thematisieren, unter anderem „Was wollen wir gemeinsam erreichen?“ und „Was ist bis Ende 2021 zu schaffen?“. In den nächsten Tagen und Wochen steht schon mal die Erarbeitung des neuen Doppelhaushaltes für die Jahre 2021/22 an, der spätestens im Frühjahr den Stadtrat passieren soll.

Natürlich sollen die städtischen Wirtschaftsbetriebe weiter gestärkt werden, ist das Klinikum zu fördern. Und bei aller Arbeit an neuen Wirtschaftsansiedlungen dürfe man die bestehende Wirtschaft, den Mittelstand nicht vernachlässigen. Torsten Ruban-Zeh hob auch auf den Sport und die Kultur sowie die Bildung in der Stadt ab. All das sei nur gemeinsam zu stemmen: „Wir haben viel zu bewegen!“

Das Dienstzimmer des Hoyerswerdaer Oberbürgermeisters im Ende der 1990er-Jahre sanierten Rathaus sieht jetzt den dritten OB. Torsten Ruban Zeh, hier am Montag im Gespräch mit TAGEBLATT-Redaktionsleiter Uwe Schulz, will, dass es auch für normale Besucher o
Das Dienstzimmer des Hoyerswerdaer Oberbürgermeisters im Ende der 1990er-Jahre sanierten Rathaus sieht jetzt den dritten OB. Torsten Ruban Zeh, hier am Montag im Gespräch mit TAGEBLATT-Redaktionsleiter Uwe Schulz, will, dass es auch für normale Besucher o © Foto: Gernot Menzel

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