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Wo vielleicht ein böser Ritter herumgeistert

Das Dubringer Moor zeigt sich mit landschaftlicher Vielfalt.

Zwar gibt es auf den zugelassenen Wanderwegen im Dubringer Moor anders als hier immer mal Schatten durch große Bäume. Aber bei einer Tour über rund 14 Kilometer bei 28 Grad Celsius ist das Mitführen von Wasser doch angeraten.
Zwar gibt es auf den zugelassenen Wanderwegen im Dubringer Moor anders als hier immer mal Schatten durch große Bäume. Aber bei einer Tour über rund 14 Kilometer bei 28 Grad Celsius ist das Mitführen von Wasser doch angeraten. © Foto: Gernot Menzel

Es ist recht still an so einem Sommernachmittag im Dubringer Moor. Harald Skopi versichert jedoch: Es ist voller Leben. Der 42-Jährige erzählt von Kranichen, Blindschleichen, Libellen und Hirschen. Man müsse nur zur richtigen Zeit unterwegs sein. Skopi, Wettkampfleiter beim Knappenman-Triathlon und zu Hause in Nardt, kennt das Moor recht gut. Er ist in Wittichenau aufgewachsen und strolchte schon früh hier herum – natürlich nur auf den zugelassenen Wegen. Nicht erst, seit 1998 kurz hintereinander zwei ältere Männer im Moor verschwanden, ist die potenzielle Gefahr allgemein bekannt.

Harald Skopi war in seiner Kindheit Rettungsschwimmer, später Kraftsportler. Vor gut einem Jahrzehnt begann er mit dem Dauerlauf. Seither trainiert er immer wieder mal auch im Moor. „Es ist absolut naturbelassen“, schwärmt er. Und ein bisschen mystisch sei es obendrein.

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Schon, als kurz nach dem Start am Waldbad Wittichenau die alte Schowtschickmühle erreicht ist, wird es sehr historisch. Sie hat Jahrhunderte auf dem Buckel, die Grundmauern stammen aus der Zeit um 1500. Nur bis 1950 war sie in regulärer Nutzung. Und wenn sich nicht Anfang der 1990er der heutige Besitzer und Bewohner Martin Madysa ihrer angenommen hätte, wäre sie wohl mittlerweile völlig dem Verfall preisgegeben.

Nur ein paar Meter weiter im Wald macht Skopi Halt. Hier steht auf einem Hügelchen ein verwitterter Granitstein. Aufschrift: „M *“. Der Läufer sagt, so etwas verblüffe ihn und rege zu Spekulationen darüber an, was an dieser Stelle wohl so besonders ist. Etwas handfester ist da der Hinweis des Moor-Kundigen, den Weg von der Schowtschickmühle westwärts besser nicht nach zu viel Regen unter die Laufschuhe zu nehmen. Matsch mag nicht so gefährlich sein wie echter Sumpf. Recht unangenehm ist er jedoch allemal.

Nächste Attraktion auf der Runde ist das versunkene Schloss. Die Sage berichtet von einem bösen Raubritter, der mit seiner Wohnstatt regelrecht versumpft sei und bis heute herumgeistere. Nachdem 1985 ein paar Scherben aus der frühen Eisenzeit gefunden worden sind, wird die schanzenartige Erhöhung allerdings eher als Standort einer Fluchtburg unserer Vorfahren von vor gut 2.700 Jahren gedeutet.

Harald Skopi erzählt, dass einst auch eine Salzhandels-Route durchs Moor beziehungsweise an seinem Rand entlang geführt habe. Später rasselte schweres Militärgerät über eine Panzerstraße durchs Naturschutzgebiet. Den Status hatte ein rund 100 Hektar großes Areal zwar schon seit dem Jahr 1972. Gleichzeitig war aber vorgesehen, das Gebiet dem Braunkohlebergbau zu opfern. „Das Dubringer Moor im Jahre 2020 Tagebau?“ lautete im Sommer 1989 der Titel der Hoyerswerdaer „Grubenkante“, eines vom oppositionellen Arbeitskreis für Umwelt und Frieden herausgegebenen Informationsblattes.

Was damit verschwunden wäre, macht der weitere Laufweg deutlich: erst ein Stück Nadelwald, der eher nach Mittelgebirge aussieht als nach Lausitz, dann abgestorbene Birken vereinzelt im Sumpfland. Es wirkt ein bisschen wie im russischen Märchenwald, als würde sich in jedem Augenblick die Hexe Baba Jaga zeigen. Und schließlich ist da das Heidemoor mit seinen Einzel-Bäumen und seinen von Seerosen bewachsenen Tümpeln. Man kann über einen Holzsteg ein paar Meter hineingehen. „Hier gibt es immer sehr viel zu sehen“, erklärt Harald Skopi.

Bald ist Dubring erreicht, wo einmal die Pasternackmühle stand, die vor gut hundert Jahren abgerissen wurde. Ein Mühlstein ist noch da. Unweit davon kann man sich in einem Gasthof stärken. Er heißt natürlich schlicht „Dubringer Moor“. Auf dem letzten Teil der 14-Km-Strecke zurück zum Waldbad zeigt sich schließlich doch noch, wie viel Leben es hier gibt. Eine Schutzschicht Autan könnte helfen, nur mit wenigen Stichen ins Ziel zu kommen.

Mit diesem Teil endet unsere Serie.

Ins Heidemoor führt ein vom Naturschutz angelegter Holzsteg.
Ins Heidemoor führt ein vom Naturschutz angelegter Holzsteg. © Foto: Gernot Menzel
Die Gaststätte in Dubring heißt wie das nach dem Dorf benannte Moor.
Die Gaststätte in Dubring heißt wie das nach dem Dorf benannte Moor. © Foto: Mirko Kolodziej
© Grafik: Franka Schuhmann

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