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Wer Neues sucht, muss nicht weit gehen

Eine Altstadt-Straße entpuppt sich als „Geheimnisträgerin“.

Julius hat am Eingang zu einem Grundstück eine in den Torpfosten eingelassene alte Zeitungsbox entdeckt.
Julius hat am Eingang zu einem Grundstück eine in den Torpfosten eingelassene alte Zeitungsbox entdeckt. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Die Nachbarschaft birgt viele Überraschungen, und wer sie sucht, findet eine ganze Menge. Das haben die Kinder der Gerhart-Hauptmann-Straße und junge Feriengäste erlebt, die dort ihre Großeltern besuchen. Die in der Straße wohnende Erzieherin Ina Züchner hat für die Vier- und Elfjährigen eine Schnitzeljagd entwickelt, bei der Berufe der Nachbarn zu erraten sind sowie Besonderheiten an Häusern und in Gärten entdeckt werden. Aus den gefundenen Antworten ist am Schluss ein Lösungswort zusammenzusetzen – und dann folgt eine Schatzsuche, hören die Kinder.

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Doch nun geht es endlich los, zuerst in den Keller eines Mehrfamilienhauses. Die Teilnehmer finden dort eine besondere Tür aus Metall mit drei großen schweren Riegeln. „Wozu könnte sie gedient haben?“, fragt Ina Züchner und möchte noch erfahren, wann der Zweite Weltkrieg geendet hat. „1945“, wissen die Grundschüler und Julius schlussfolgert daraus, das könnte eine Bunkertür gewesen sein. „Hier war ein Luftschutzkeller“, erklärt Frank Kreßler. Er wohnt in dem Haus und hat Ina Züchner den Tipp gegeben. Dann erraten die Kinder nach zielführenden Hinweisen Berufe und Hobbys der Nachbarn. Eine Frau bemalt sorbische Ostereier und eine andere ist Zahnärztin, waren die Lösungen. „Das wusste ich nicht, obwohl ich gegenüber wohne“, bekennt der zehnjährige Julius. Einige Fragen beantworten die Kinder mithilfe der Cäsar-Verschlüsselungsscheibe, einem Geheimalphabet, das der römische Feldherr Julius Cäsar erfunden hat, erklärt Ina Züchner. Buchstabe für Buchstabe enträtseln Paul und die anderen Schnitzeljagd-Teilnehmer den Namen einer Pflanze, die sie in einem Garten sehen. „Hopfen“ heißt das Gewächs, und die Besitzerin des Grundstücks Katharina Matsch spricht noch von Vogelbeeren und Wildrosen, die sie wachsen lässt. „Das ist naturnah und hilft den Insekten“, erklärt die Rechtsanwältin. Im Haus der Züchners hat ein Messer- und Scherenschleifer gelebt, erfahren die Kinder, und an einer Wand prangt ein Zeichen der Maori aus Australien. „Das drückt den Zusammenhalt in der Familie aus“, erläutert die Hausherrin den Kindern und stellt ihnen die Aufgabe, das Zeichen mit Kreide auf die Straße zu malen. Die Nachbarin Annelie Kulik, die Erzieherin lernt, sorgt dabei für Ordnung und nimmt die Beschäftigungsidee der Schnitzeljagd gern auf. Diese führt weiter zu einem einstöckigen Gebäude, dessen Alter zu erraten ist. „50 oder 60 Jahre?“, fragt Paul. „Nein, über hundert Jahre ist es alt“, sagt Ina Züchner über das älteste Haus der Straße. Der Elfjährige berichtet daraufhin, dass seine Familie in Leipzig in einem Eigenheim wohnt. „Das Haus steht erst seit einem Jahr“, erzählt Paul. Auf dem Straßenschild der Hoyerswerdaer Wohnstraße steht natürlich der Name Gerhart Hauptmann, zu dem die Kinder erfahren, dass er ein Dichter war. Als Frank Kreßler am Schluss seinen Sohn wieder in Empfang nimmt, freut er sich: „Endlich ist wieder Leben in der Straße“.

Einmal im Monat

Die Schnitzeljagd war der Auftakt zu monatlichen Veranstaltungen, die die Nachbarn mit- und füreinander organisieren werden, erklärt Ina Züchner. Demnächst wollen sie Fotos anschauen, wie es in ihrer Straße früher ausgesehen hat. Ein Bastelnachmittag soll folgen und nächstes Jahr werden Ostereier bemalt. Finanziert wird die Aktion „Hafen Hauptmann-Straße“ vom Sächsischen Mitmachfonds.

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