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Ich bin dann mal weg

Der Hörnitzer Matthias Ender will bis nach Spanien pilgern – auch für ein krankes Mädchen.

© Thomas Eichler

Von Jan Lange

In ein paar Tagen geht es los. Erst mal pilgert Matthias Ender nur die Tour von Vacha in Thüringen bis nach Trier. Den Weg bis ins spanische Santiago de Compostela hebt sich der Hörnitzer für später auf. Die letzten 1 800 Kilometer bis zum Ziel des Jakobsweges will er 2020 absolvieren. Vier bis fünf Monate hat er dafür eingeplant. „Ich werde im April starten und meinen Jahresurlaub verwenden, vielleicht auch ein paar Überstunden abfeiern“, sagt er. Schon jetzt habe er mit seinem Arbeitgeber über die geplante Pilgertour gesprochen. Wenn man ein solches Vorhaben längerfristig anmelde, sei es auch möglich, mal einige Monate hintereinander frei zu bekommen, meint der Hörnitzer. Sein Chef unterstütze ihn bei der Pilgerreise.

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Schon jetzt sucht er Sponsoren für das Vorhaben, das Geld geht an einen guten Zweck. Seit 2016 ist er von Niesky aus schon 520 Kilometer gepilgert.
Schon jetzt sucht er Sponsoren für das Vorhaben, das Geld geht an einen guten Zweck. Seit 2016 ist er von Niesky aus schon 520 Kilometer gepilgert. © privat
Dabei hat er auch öfter im eigenen Zelt übernachtet.
Dabei hat er auch öfter im eigenen Zelt übernachtet. © privat

Ob er dies vielleicht auch finanziell tut, steht noch nicht fest. Matthias Ender sucht nämlich Sponsoren. Das Geld ist für einen guten Zweck gedacht. Über einen Bekannten, der Mitglied in einem Motorradclub ist, wurde der 35-Jährige auf das Schicksal der kleinen Nele Hoffmann aufmerksam. Das achtjährige Mädchen aus Heidenau bei Dresden kam zu früh zur Welt und kämpft noch heute mit den Folgen. Sie leidet an Muskeltonus-Störung sowie Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörung. Mit ihren acht Jahren kann sie noch nicht alleine sitzen, stehen oder laufen. Behandlungen wie die Delfintherapie sollen ihre weitere Entwicklung unterstützen. Aber die kosten Geld, die Delfintherapie zwischen 12 000 und 16 000 Euro. Da die Krankenkassen diese Kosten nicht übernehmen, wie Neles Eltern berichten, sind sie auf Spenden angewiesen, um eine weitere Therapie zu ermöglichen. Auch Matthias Ender will einen Beitrag dazu leisten. Er möchte nicht einfach nur spenden, sagt der Hörnitzer. Und so kam er auf den Gedanken, dass ihm Sponsoren für jeden gelaufenen Kilometer des Pilgerweges eine bestimmte Summe geben, die an Nele weitergereicht wird. Im sozialen Netzwerk Facebook hat er eine eigene Seite unter dem Titel „2 500 Kilometer für Nele“ eingerichtet. Die Streckenlänge bezieht sich auf die Entfernung von Heidenau bis Santiago de Compostela.

Sponsoren können, erklärt Matthias Ender, einzelne Strecken oder die gesamte Tour unterstützen. Er sei bei der Form der Hilfe für alles offen, habe keine Festlegungen. Was sie geben, können die Unterstützer selber entscheiden. Bislang hat der Hörnitzer noch keinen Sponsor gefunden, aber die Suche hat ja auch erst begonnen und bis zum Start der langen Pilgerreise sind noch drei Jahre Zeit. „Wer skeptisch ist, kann natürlich auch während der Tour nach Spanien noch spenden“, erklärt der Erzieher. Er möchte dann bei Facebook Tagebuch führen über seine Erlebnisse.

Dass er sich erst 2020 auf große Pilgerreise begeben will, ist auch einer beruflichen Zusatzqualifikation geschuldet. Ab Ende des Jahres will er sich zum Erlebnispädagogen weiterbilden lassen – neben der beruflichen Tätigkeit. Diese zusätzliche Qualifizierung endet 2019. Deshalb ist bis dahin eine längere Unterbrechung über mehrere Monate nicht möglich.

Begonnen hat er seine Pilgertour eigentlich schon voriges Jahr. Von Niesky aus lief er im Frühjahr bis nach Kamenz. Die Idee, zu pilgern, sei recht spontan entstanden. Innerhalb kurzer Zeit habe er sie dann umgesetzt. In der ersten Woche packte ihn das Pilger-Fieber und so kam im Herbst 2016 die zweite Etappe von Kamenz nach Merseburg hinzu. In diesem Frühjahr lief er dann bis nach Vacha. Rund 520 Kilometer ist er bisher bereits gepilgert, die Strecke von Vacha bis Trier ist noch mal gut 320 Kilometer lang. Ob er im August die gesamte Tour bis an die deutsch-luxemburgische Grenze laufen wird, lässt er offen. „Ich habe mir kein festes Ziel gesetzt. Wenn mich der Ehrgeiz packt, ist Trier möglich. Das muss aber nicht sein“, sagt er.

Der längste Tagesmarsch umfasste bisher 49 Kilometer, berichtet der junge Mann, der in seiner Freizeit viel Rad fährt und gerne schwimmen geht. Im Schnitt ist er aber zwischen 15 und 25 Kilometer täglich unterwegs. Die Länge der Etappen hänge auch von der Wetterlage ab.

Beim Pilgern schaltet Matthias Ender von der Arbeit ab. Als Erzieher in einer Jugend-WG erlebe er vieles. Eine Glaubenssache sei das Pilgern für ihn nicht. Vielmehr sei er ein Naturmensch. Und als solcher hat er kein Problem damit, auch mal im Zelt zu übernachten, wenn keine Pilgerherberge in der Nähe ist oder die Übernachtungshäuser keine Hunde aufnehmen. Denn Matthias Ender ist nicht allein unterwegs, sein Vierbeiner begleitet ihn auf der Pilgertour. Auf der ersten Strecke von Niesky nach Kamenz sei es einfacher gewesen, einen Schlafplatz für sich und seinen Hund in einer Pilgerherberge zu finden. Auf der Tour von Merseburg nach Vacha gab es schon mehr Schwierigkeiten, sagt der 35-Jährige.

Er weiß, dass es auch in Frankreich und Spanien nicht leicht sein wird, mit Hund in einer Herberge unterzukommen. Ganz aufs Zelt setzen, will er aber nicht. „Wenn man zwei Tage Dauerregen hinter sich hat, möchte man gern mal wieder ein festes Dach überm Kopf haben“, sagt Ender.