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„Ich bin enttäuscht und traurig“

Falk Wenzel, Geschäftsführer des evangelischen Schulzentrums in Pirna, über seinen Rauswurf, Respektlosigkeit und die Zukunft.

© Archivfoto: Kristin Richter

Herr Wenzel, nach einer Kündigung endet am 30. September Ihre Arbeit als Geschäftsführer des evangelischen Schulzentrums in Pirna. Gehen Sie im Groll von hier fort?

Nein, ich hege keinen Groll.

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Welche Gemütsregung trifft es dann, wenn Sie weggehen?

Ich bin sehr enttäuscht und traurig. Enttäuscht darüber, wie respektlos der evangelische Schulverein mit meiner Person umgeht. Und traurig, weil ich nun das große Projekt – den Neubau des evangelischen Schulzentrums an der Rottwerndorfer Straße – nicht zu Ende bringen kann.

Was war denn so respektlos am Verhalten des Vereins, der bislang Ihr Arbeitgeber war?

Der Verein kann ja umstrukturieren, wie er will. Das respektiere ich. Und wenn dabei meine Stelle wegfällt, dann ist das leider so. Aber nach vier Jahren Arbeit hätte ich mir eine ehrenhafte Entlassung gewünscht. Stattdessen bin ich einfach raus. Und zack, das war’s. Ich wurde weder verabschiedet, noch würdigte der Verein meine Arbeit. Das bedaure ich sehr.

Der Schulverein hatte Ihnen im Juni dieses Jahres recht überraschend gekündigt.

Ja, das kam völlig aus der Kalten. Das hat mich schwer getroffen. Es gab vorher keinen Hinweis, keinerlei Warnschuss. Ich bekam gleich die Kündigung.

Hat der Verein Ihnen gegenüber begründet, warum er Sie nicht mehr haben will?

Es war eine betriebsbedingte Kündigung. Der Verein wollte sich anders strukturieren. Ich bekam mitgeteilt, dass es meine Stelle dann nicht mehr gibt. Weiter wurde nichts angeführt. Wenn es noch andere Gründe gegeben hat, wurden sie nie diskutiert.

Können Sie die Gründe inzwischen nachvollziehen?

Nein, mir ist das Ganze nach wie vor rätsel- und schleierhaft. Daraus resultiert wahrscheinlich auch, dass ich bislang mit der Geschichte noch nicht abschließen konnte. Es fällt mir immer noch schwer, alles einzuordnen.

Sie haben sich gegen die Kündigung juristisch gewehrt. Wie ist es ausgegangen?

Ich habe vor dem Arbeitsgericht darauf geklagt, dass mich der Schulverein wieder einstellt. Das wäre für mich die logische Konsequenz gewesen, da es ja bislang keine Konflikte gab und ich das Bauprojekt gern beendet hätte. Letztendlich aber einigten wir uns auf einen Vergleich. Danach bekomme ich eine Abfindung, und mein Arbeitsvertrag endet am 30. September. Mein Arbeitsplatz in Pirna ist damit definitiv weg.

Hätte es im Fall einer Wiedereinstellung nach allem überhaupt noch eine Vertrauensbasis zwischen Ihnen und dem Verein gegeben?

Ich denke schon. Und mir ging es ja vor allem um das Projekt, das ich gern zu Ende bringen wollte. Ich war ja am meisten in die Angelegenheit involviert. Bis zur Kündigung habe ich mit dem Verein auch vertrauensvoll zusammengearbeitet, nichts war bis dahin eskaliert. Ich hätte auch den Versuch gewagt, die Beziehung wieder zu kitten. Aber offenbar genoss ich beim Vereinsvorstand kein Vertrauen mehr.

Der Verein will keinen neuen Geschäftsführer mehr einstellen, stattdessen will der Vorstand viele Aufgaben selbst übernehmen. Lässt sich auf diese Weise ein zehn Millionen Euro teures Bauprojekt überhaupt stemmen?

Der Verein ist diesbezüglich in einer recht komfortablen Situation. Vereinschef Klaus Kaden kennt sich in Bausachen gut aus, er hat auch Zeit, sich darum zu kümmern. Insgesamt scheint es aber fraglich, ob der Vorstand eine ganze Stelle ersetzen kann. Ich halte es für schwierig, meine bisherige Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Aber generell traue ich dem Verein schon zu, dass er das Bauprojekt stemmt.

Das Bauvorhaben hat sich immer wieder verzögert, der Verein musste sogar beantragen, dass die evangelische Grundschule länger als geplant im Ausweichquartier Nicolaistraße bleiben darf. Wird der Umbau der Roten Kasernen auf der Rottwerndorfer Straße rechtzeitig fertig?

Ich bin zwar seit Juni nicht mehr in aktuelle Details involviert, aber nach meinem bisherigen Kenntnisstand wird das neue Schulzentrum im nächsten Jahr pünktlich öffnen. Die richtigen Weichen waren gestellt. Bislang sieht es wohl gut aus, die Finanzen und der Zeitplan passten jedenfalls.

Sie haben vier Jahre lang als Geschäftsführer die Geschickte des evangelischen Schulzentrums geleitet. Was bleibt von Ihnen, wenn Sie gehen?

Dass wir alle gemeinsam – Verein, Lehrer, Eltern und ich – vieles bewirkt haben, um das Schulzentrum nach vorn zu bringen. Wir haben beispielsweise ein berufliches Gymnasium integriert, in diesem Jahr gab es dort die ersten Absolventen. Wir haben einen Hort gegründet mit 192 Plätzen, es ist einer der größten im Landkreis. Und wir haben uns an den Umbau der Roten Kasernen gewagt, viele haben das Vorhaben initiiert. Ich werde in Zukunft etwas wehmütig daran vorbeifahren und mir sagen: Hier kennst du fast jeden Stein.

War es für Sie eine glückliche Zeit in Pirna?

Ja, sehr, ich war hier glücklich. Für das evangelische Schulzentrum zu arbeiten, hat großen Spaß gemacht. Deswegen kann ich das abrupte Ende nicht nachvollziehen. Aber ich hoffe, dass ich hier vielen doch noch eine Weile in Erinnerung bleibe.

Warum braucht Pirna eine freie Schule wie das evangelische Schulzentrum?

Weil es eine Schule ist, die nach christlichen Gesichtspunkten geführt wird und den Kindern ein christliches Menschenbild vermittelt. Außerdem gibt es hier einen anderen Blick auf das Kind, so begleitet die Schule auch behutsam jene Kinder, die nicht unbedingt auf der Siegerseite des Lebens stehen. Generell bedarf es aller Schularten, weil Kinder nun mal sehr unterschiedlich sind. Aber das evangelische Schulzentrum bereichert Pirna ungemein und schließt eine Lücke, die es bisher gab.

Was werden Sie künftig beruflich machen?

Ganz konkret kann ich das noch nicht sagen, aber ich bleibe den freien Schulen erhalten. Verschiedene Menschen, denen ich vielleicht helfen kann, haben schon Interesse signalisiert, mit mir zu arbeiten. Auf alle Fälle geht es weiter, das ist abzusehen. So mischt sich in die Trauer um den Abschied auch ein wenig Vorfreude.

Das Gespräch führte Thomas Möckel.