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"Ich hab 'ne Menge unverschämtes Glück"

Ein Reisestipendium führt eine Radebeuler Archäologin zu Fundorten in Europa, Afrika und Vorderasien. In Jordanien gewährt sogar ein Prinz Audienz.

43.000 Kilometer hat Asja Müller in ihrem umgebauten Transporter zurückgelegt. Mit ihm hat sie Fundorte in ganz Europa angesteuert. In Afrika und Vorderasien war sie mit anderen Reisestipendiaten unterwegs.
43.000 Kilometer hat Asja Müller in ihrem umgebauten Transporter zurückgelegt. Mit ihm hat sie Fundorte in ganz Europa angesteuert. In Afrika und Vorderasien war sie mit anderen Reisestipendiaten unterwegs. © Archivfoto: Norbert Milauer

Von Ulrike Keller

Radebeul. Der Weg zu den Felsinschriften geht mitten durch ein jordanisches Wadi. Zwar ist der gemietete SUV extra einer mit Allradantrieb, und doch bleibt er in einer Sanddüne stecken. Eine von vielen abenteuerlichen Episoden, die Asja Müller in einem Reisejahr sondergleichen erlebt hat.

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Die junge Frau aus Radebeul-Naundorf ist Archäologin. Durch Bestleistungen im Studium und bei der Doktorarbeit ergatterte sie eines der begehrten Reisestipendien vom Deutschen Archäologischen Institut, das beim Auswärtigen Amt angesiedelt ist.

„Das Stipendium ist für den Lebenslauf von großem Vorteil“, sagt die 31-Jährige. Es ermöglicht ihr, von Oktober 2017 bis September 2018 Ausgrabungsstätten in Europa, Afrika und Vorderasien zu besuchen. Die Reise unterteilt sie in drei Abschnitte. Bis Weihnachten stehen Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko und Italien auf dem Plan. Bis Ende April sind Ägypten, Sudan, Jordanien, Israel und Zypern an der Reihe. Etappe drei führt sie wieder nach Italien, von dort in die Balkanländer sowie nach Griechenland und in die Türkei, um da im Sommer Grabungen zu besuchen.

Die fahrbaren Strecken, sprich Etappen eins und drei, legt sie mit ihrem Fahrzeug zurück: Einem gebrauchten Mercedes-Benz Vito, den eine Coswiger Werkstatt zu einem mobilen Büro mit Schlaflager umgebaut hat. Gesichert ist er durch mehrfache Wegfahrsperren. Ihre größte Angst: Dass der Transporter – wie bei manchem Vorgänger – aufgebrochen und geklaut wird.

Die gefährlichste Etappe ist die mittlere. Dafür tut sie sich mit anderen Stipendiaten zusammen, die ansonsten ihren eigenen Routen folgen. Gemeinsam reisen sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, nutzen Mietwagen oder nehmen, etwa im Sudan, sogar einheimische Fahrer und Fremdenführer in Anspruch.

In Ägypten haben sie die Gelegenheit, viele Pyramiden von innen zu sehen. Nur von außen studieren können sie die berühmte Knickpyramide in Dahschur nahe Kairo. „Ein frühes Pyramidenexperiment“, erklärt Asja Müller. „Man vermutet, dass die Ägypter steiler bauen wollten, aber den Winkel beim Bau korrigieren mussten.“

Auf der Suche nach flachen Steinen

Zum Glück sind sie auch in der Gruppe unterwegs, als im jordanischen Naturschutzgebiet Wadi Rum der SUV in der Sanddüne stecken bleibt. Weil die Archäologen-Clique schon in Ägypten ihr Grabungstalent einige Male beim Auto anwenden musste, hält sich die Aufregung in Grenzen. „Wir haben flache Steine gesucht und unter die Reifen gelegt.“

Die Gruppe nutzte öffentliche Verkehrsmittel und mietete Fahrzeuge. Im jordanischen Naturschutzgebiet Wadi Rum blieb auf dem Weg zu Felsinschriften der Miet-SUV im Dünensand stecken. 
Die Gruppe nutzte öffentliche Verkehrsmittel und mietete Fahrzeuge. Im jordanischen Naturschutzgebiet Wadi Rum blieb auf dem Weg zu Felsinschriften der Miet-SUV im Dünensand stecken.  © privat

Jordanien ist für Asja Müller eine große Überraschung. Sie erlebt ein grünes, sicheres Land mit einer ausgezeichneten Infrastruktur. Zum Erstaunen aller gewährt dann auch noch Prinz Hassan ibn Talal Audienz. Eine Mitreisende hatte ihn bei einem früheren Forschungsaufenthalt kennengelernt und nun mutig ein Gespräch angefragt. „Als Stipendiaten des Deutschen Archäologischen Instituts sind wir ja Repräsentanten Deutschlands und sollen Kontakte knüpfen“, erläutert Asja Müller.

Das königliche Regierungsmitglied empfängt sie auf seinem Anwesen. „Wir haben eine Stunde über das Kulturmanagement Jordaniens gesprochen, also über den Ausbau des Landes und den Schutz der Kulturgüter“, erzählt die Radebeulerin. Dafür sei er auch in der Regierung zuständig.

Und noch eine Überraschung hält das Reisejahr bereit: Asja Müller erfährt unterwegs aus ihren Mails, dass eine Traumstelle an der Freien Universität Berlin ausgeschrieben ist. Ein Assistenz-Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter, den man braucht, um später selbst einmal auf eine Professorenstelle berufen zu werden. Sie fliegt zum Bewerbungsgespräch und wird kurz darauf mit der Zusage belohnt. „Ich hab ’ne Menge unverschämtes Glück“, sagt sie lachend. „Normal ist das nicht.“

Da nimmt sie es auch gelassen, dass auf der letzten Reiseetappe eine ungeplante Investition anfällt: Ihr Tablet verabschiedet sich, ein neues muss her. Es ist ihr wichtigstes Hilfsmittel, um Kartenmaterial zu speichern und sich im Gelände zu orientieren. Schließlich gibt es noch nicht überall Internet und Läden, um Pläne auszudrucken.

Ihre gesamte Technik trägt sie stets im Rucksack mit sich herum. Als Diebstahl-Prophylaxe. Auch mit ihrem rollenden Domizil geht sie kein Risiko ein. Um es auf einem Campingplatz sicher abgestellt zu wissen, nimmt sie – wie im griechischen Sparta – auch schon mal 30 Kilometer Fußmarsch zur Grabungsstätte auf sich.

Am Ende der Reise hat der Vito 43 000 Kilometer zurückgelegt und bis auf eine Delle von einem spanischen Poller keinerlei Schaden genommen. In Berlin braucht Asja Müller nun eigentlich kein Auto. Aber trennen kann sie sich von diesem treuen Begleiter nicht. Er bekommt Ausfahrt, wenn sie ihre Eltern in Radebeul besucht.

 In Ägypten studierte die Gruppe unter anderem Pyramiden wie die berühmte Knickpyramide in Dahschur.
 In Ägypten studierte die Gruppe unter anderem Pyramiden wie die berühmte Knickpyramide in Dahschur. © privat