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„Ich musste lernen, mich in Geduld zu üben“

In Moritzburg wurde 2018 mehr geplant als gebaut. Das wird sich dieses Jahr ändern. Die SZ sprach darüber mit Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos).

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Mitte August 2018 wurde in Moritzburg der neue Mehrgenerationen-Platz eingeweiht. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde und des Königskinder-Vereins und wurde auch mit Geldern des Dresdner Heidebogens finanziert.
Mitte August 2018 wurde in Moritzburg der neue Mehrgenerationen-Platz eingeweiht. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde und des Königskinder-Vereins und wurde auch mit Geldern des Dresdner Heidebogens finanziert. © Archiv: Arvid Müller

Moritzburg. Ich musste einige Zeit überlegen, was 2018 in Moritzburg geschafft wurde. Da ist der Mehrgenerationen-Platz, Planungen für große Vorhaben gingen weiter. Was wurde noch realisiert?

Einen ganz großen kommunalen Bauboom gab es im zu Ende gegangenen Jahr nicht. Das stimmt. Trotzdem wurde viel investiert. In ein neues Tanklöschfahrzeug, den Grundstückskauf in Reichenberg zur Entwicklung des Hortstandortes, in die Ausbindung der Drainagen und des Weihers im Boxdorfer Gewerbegebiet und den Kauf neuer IT-Technik in den Schulen.

Viel Zeit und Geld haben wir allerdings auch in Planungen gesteckt, die erst in den kommenden Jahren zur Umsetzung kommen sollen. Ich denke vor allem an den Bau unseres neuen Feuerwehrgerätehauses in Moritzburg, den Anbau für die Kurfürst-Moritz-Oberschule und den Neubau des Kinderhauses Kleeblatt in Boxdorf, die Horterweiterung in Reichenberg und die Grundschulerweiterung in Moritzburg. Aber auch an den Fußwegbau im Ortsteil Auer und in Reichenberg und die Grundsanierung der Dorfstraße in Steinbach. Abgeschlossen ist dagegen die Vorplanung zum dringend notwendigen Radwegbau zwischen Moritzburg und Reichenberg.

Nicht nur die Verwaltung plant, entwickelt und baut. Was ist aus Ihrer Sicht noch erwähnenswert, weil wichtig für die Großgemeinde?

Am Standort des Alten Gasthofes in Reichenberg ist ein sehr schönes Wohnungsbauprojekt fertiggestellt worden. In die Anlagen im sächsischen Landgestüt wurde weiter investiert, der Planungsauftrag für das Hellhaus ist erteilt, an der freien Freinet-Schule in Friedewald haben die Sanierungs- und Erweiterungsbauarbeiten begonnen, ebenso am Seniorenzentrum Haus Friedensort in Moritzburg. An den Anlagen des Landschaftsbaus in Steinbach sind die Vorbereitungen zum Neubau des Firmengebäudes in vollem Gange und für die neue Fachschule im Gelände des Ev.-Luth. Diakonenhauses sind die entscheidenden Anträge eingereicht. Und zahllose private Bauvorhaben haben mit dem Erstbezug neue Einwohner in unsere Gemeinde gebracht oder die Wohn- und Lebensbedingungen von schon länger hier Lebenden deutlich verbessert.

Hinter was hätten Sie 2018 noch gern einen Haken gemacht?

Gern hätte ich die neue Bushaltestelle an der Sparkasse in Boxdorf in Funktion gesehen. Aber Planungen und Abstimmungen an solch einem zentralen Ort, mit so vielen Partnern, gestalten sich manchmal etwas zeitaufwendiger. Und auch mit der weiteren Entwicklung unseres Gewerbegebietes in Boxdorf wäre ich gern weiter.

Ebenso beim Breitbandausbau bin ich nicht ganz zufrieden. Ich will mich nicht beschweren, die Ortsteile von Moritzburg sind nicht auf dem schlechtesten Ausbaustand, aber besser geht immer. Insbesondere hätte ich gern die wenigen verbliebenen „weißen Flecken“ in den Randbereichen an die bunte Internetwelt angeschlossen. Wenn ich eines in den fast sechs Jahren meiner Arbeit als Bürgermeister lernen musste, ist es, mich in Geduld zu üben. Die Prozesse von der Idee bis zur Realisierung können manchmal für einen ungeduldigen Menschen ewig dauern.

Jörg Hänisch, (parteilos) ist seit 2013 Bürgermeister der Gemeinde Moritzburg.
Jörg Hänisch, (parteilos) ist seit 2013 Bürgermeister der Gemeinde Moritzburg. © Arvid Müller

Mit der Kita, der Oberschule und der Haltestelle soll 2019 sehr viel Geld in Boxdorf investiert werden. Bleibt da noch etwas für die anderen Ortsteile?

Für mich gibt es keine Investition, keine Entwicklung in nur einem Ortsteil isoliert. Vor 20 Jahren ist unsere Großgemeinde Moritzburg aus sechs Ortsteilen entstanden, mit dem Ziel, die Gemeinsamkeiten zu stärken und die enormen Potenziale, die jeder einzelne Ortsteil hat, weiter zu entwickeln, um eine attraktive und lebenswerte Gemeinde vor den Toren der Landeshauptstadt zu bleiben. Und Investitionen in unsere Schulen, in die Kitas, in Spiel- und Sportplätze, in Rad- und Fußwege und in Haltestellen sind auf alle Fälle Bausteine für eine moderne und zukunftsorientierte Kommune.

Ein Blick in den Investitionsplan unserer Gemeinde zeigt dabei ein sehr ausgewogenes Bild. Sicherlich liegt manche Grundsatzentscheidung noch auf Eis, wie die Sanierung des Waldkindergartens in Friedewald oder der Plan für die Umsetzung der Studie zum Gesamtareal Rotes Haus am Dippelsdorfer Teich.

Wie geht es denn im neuen Jahr mit der Ortsentwicklungskonzeption weiter?

Im Jahr 2019 werden wir dieses große Projekt abschließen können. Die aus ganz vielen kleineren Einzelteilen bestehende Konzeption muss nun noch zusammengeführt und vom Gemeinderat beschlossen werden. Dazu wird es im ersten Quartal einiger Sondersitzungen bedürfen. Zunächst steht die Beratung und Beschlussfassung des Rad-, Wander- und Reitwegekonzeptes und des ÖPNV-Konzeptes an, dann folgen die Übergabe der Ideen aus unserer Zukunftswerkstatt mit den Kindern unserer Schulhorte und die Vorstellung des Gesamtentwurfes der Ortsentwicklungskonzeption.

Parallel dazu muss das Personalkonzept der Verwaltung abschließend im Gemeinderat diskutiert und als Ergebnis im Stellenplan beschlossen werden. Ich bin mir sicher, dass dieses Gesamtpaket an Ortsentwicklungsideen bis zu den Kommunalwahlen im Mai 2019 von den Gemeinderäten zum Abschluss gebracht wird.

Sie sprechen die Neuwahl des Gemeinderats und der Ortschaftsräte an. Welche Erwartungen haben Sie als Bürgermeister?

Ich wünsche mir ganz viele Kandidatinnen und Kandidaten für die sechs Ortschaftsräte und den Gemeinderat, die sich zur Wahl stellen, um dann nach erfolgreicher Wahl für die besten Entwicklungen unserer Gemeinde zu streiten, zu diskutieren und zu entscheiden. Und natürlich wünsche ich mir ganz, ganz viele Wählerinnen und Wähler, die mit ihrer Stimme genau die richtige Kandidatin oder den richtigen Kandidaten auswählen. Und ich wünsche mir ganz viele Unterstützer als Wahlhelferin und Wahlhelfer bei der Durchführung dieses Wahlmarathons.

Die Fragen stellte Sven Görner.