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„Ich weiß, dass ich weiter vorn landen kann“

Lea Johanna Dastich aus Dresden will aus ihrem ersten EM-Auftritt die richtigen Lehren ziehen.

© dpa/Fabian Sommer

Alexander Hiller

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Das Gefühl ist ganz neu, von der ganzen Welt beobachtet und bewertet zu werden. Die Dresdnerin Lea Johanna Dastich hätte sich ihren ersten Auftritt bei einer internationalen Meisterschaft der Aktiven glanzvoller vorgestellt. Am Ende landete die 17-Jährige vom Dresdner Eislauf-Club (DEC) bei der Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Moskau auf Rang 16 – mit 146,82 Punkten. Zu wenig für eine Athletin, deren persönlicher Bestwert seit voriger Saison bei 173,78 Punkten liegt und deren eigene Ansprüche folglich höher sind.

„Ich bin nicht 100-prozentig zufrieden, weil ich im Training schon einige Male besser gelaufen bin als jetzt bei der EM“, sagt der Schützling von Trainerin Anett Pötzsch. Eine genaue Analyse ihrer Leistung steht noch aus. „Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, dabei sein zu können“, betont die Schülerin, deren bisher größter Erfolg Rang acht bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Vorjahr ist. So weit vorn im Talente-Championat hatte sich eine deutsche Läuferin zuvor vor acht Jahren eingereiht.

Doch eine Meisterschaft bei den Aktiven ist eine ganz andere Welt. Fernsehen, Interviews, frenetische Zuschauer – all das kannte Dastich bislang lediglich aus Erzählungen. Selbst Junioren-Weltmeisterschaften finden weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Alle haben gesagt, die erste EM sei noch einmal komplett etwas anderes“, sagt Dastich. Der Eindruck bestätigte sich. „Diese große Halle, viele Leute. Es ist einfach auch viel wichtiger“, erklärt die Dresdnerin, die sowohl im Kurzprogramm als auch in der Kür einmal stürzte und sich noch ein paar technische Unsauberkeiten leistete.

Die lassen sich mit dem in der Form erstmals erlebten Druck und der emotionalen Ausnahmesituation erklären. Einer 17-Jährigen dürfen da schon mal die Knie weich werden. Aber es geht auch anders. Das zeigt die erst 15-jährige neue Europameisterin Alina Zagatova. Die Junioren-Weltmeisterin des Vorjahres überzeugte in ihrer Heimat mit 238,24 Punkten und zauberte eine außergewöhnliche Kür aufs Eis.

Die erwartet in der Form von Lea Johanna Dastich noch niemand. Aber, dass sie ihre ersten Erfahrungen bei einem großen Championat nutzt. „Ich weiß jetzt, was da auf mich zukommt“, versichert sie. „Und ich weiß auch, dass ich mich weiter verbessern und damit auch weiter vorn landen kann“, erklärt die Sächsin, die im vergangenen Herbst ihrer Trainerin Anett Pötzsch hinterherzog und nun ihren Lebensmittelpunkt in Mannheim hat.

Für das Talent vom DEC ist die Saison mit dieser EM noch lange nicht gelaufen. Dastich tritt bei der Junioren-WM Anfang März in Sofia an. Dort will sie mindestens ihr Abschneiden aus dem Vorjahr verteidigen. „Über die Platzierung mache ich mir nicht so die Gedanken. Ich will mehr Punkte erlaufen als im letzten Jahr“, sagt sie.

Trotz ihrer nicht völlig geglückten EM-Premiere beendet sie eine jahrzehntelange Durststrecke – zumindest aus regionaler Sicht. Dastich war die erste Einzelstarterin eines Dresdner Vereins seit genau 30 Jahren, die bei einer EM oder WM ins Rennen ging. Zuletzt gelang das der ehemaligen Junioren-Weltmeisterin Simone Koch, die für den SC Einheit Dresden 1988 EM-Fünfte wurde. Die gebürtige Dresdnerin Evelyn Großmann (jetzt Klaudt) holte sich zwar 1990 sogar den EM-Titel und wurde ein Jahr später noch einmal Zweite, startete damals allerdings noch für Chemnitz.