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Im Alter wird es plötzlich still

Einsamkeit unter Senioren: Tagespflege will auf dem Weg aus der Isolation helfen.

Von Melanie Schröder
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In der Neustadt sollen Senioren Zuflucht in einsamen Stunden finden – das setzt sich Rainer Klotz vom Sozialwerk Elim zum Ziel.
In der Neustadt sollen Senioren Zuflucht in einsamen Stunden finden – das setzt sich Rainer Klotz vom Sozialwerk Elim zum Ziel. © René Meinig

Über die Leere zu sprechen – das ist das Schwerste. Scham und Sprachlosigkeit empfinden viele Senioren, wenn es um Einsamkeit im Alter geht. Zum Beispiel Wilfriede Tschipke. „Es braucht Vertrauen, um über seine Einsamkeit zu sprechen. Ohne das kann man sich nicht öffnen“, sagt die 80-Jährige. Ihre Tischnachbarin Waltraud Schönborn nennt noch einen anderen Grund. „Unsere Generation der Kriegskinder hat nie gelernt, darüber zu sprechen, wie es einem wirklich geht. Der Krieg hat eine Sprachlosigkeit bei unseren Eltern bewirkt, die wir übernommen haben“, sagt die 77-Jährige über das Gefühl, Emotionen zu verschweigen.

Die Damen sitzen bei einem Spieletreff des christlichen Sozialwerks Elim zusammen. In Kreisen wie diesen wird Einsamkeit für sie erträglicher, sie löst sich in der Gemeinschaft auf. Auch deswegen haben sie und ihre Angehörigen entschieden, hier einen Platz im Betreuten Wohnen in Anspruch zu nehmen. Angebote wie Spielenachmittage, gemeinsame Spaziergänge oder Singstunden will der kirchliche Träger nun künftig auch an Senioren richten, die in ihren eigenen vier Wänden leben.

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In der Bischofswerder Straße hat das Sozialwerk jetzt eine Tagespflege eröffnet. Damit entsteht im Stadtteil Neustadt, laut Zahlen des Sozialamts, die vierte Einrichtung dieser Art. In ganz Dresden gibt es über 25 Tagespflege-Einrichtungen. Die Neustadt ist dabei statistisch gesehen das Viertel mit den wenigsten Senioren. Dennoch braucht es auch hier Angebote, sagt Rainer Klotz, Leiter der Tagespflege Elim. „Wir verstehen uns als Begegnungszentrum, das Einsamkeit bewältigt, indem es Menschen in Gesellschaft bringt.“ 

Gemeinschaft soll wachsen

Deshalb sind Unternehmungen mit Kita-Gruppen geplant, auch Senioren des Betreuten Wohnens sollen sich einbringen. „Wir hoffen, dass so eine Gemeinschaft zusammenwächst. Wir machen mit Fachpersonal auch Pflegeangebote, im Vordergrund soll aber das Miteinander stehen.“ Einsamkeit definiert Klotz als eines der größten Gegenwartsprobleme. „Dem wollen wir uns als kirchlicher Träger annehmen.“ Gerade weil das Alleinsein im Alter häufig zum unausweichlichen Begleiter wird.

Das beobachtet auch Ingrid Arnold. Sie leitet eine Seniorenberatungsstelle in Pieschen. „Einsamkeit im Alter entsteht, weil sich Lebenssituationen naturgegeben ändern“, sagt sie. Weil die Familie zerstreut lebt, Partner und Freunde eventuell schon verstorben sind. „Auch Nachbarschaftsnetzwerke in einem Haus funktionieren nicht mehr wie vielleicht früher einmal.“ Das könne in die Isolation führen. Bei Arnold schlägt das Thema Einsamkeit häufig auf. Problematisch sei, dass damit Ängste und Depressionen einhergehen. „Ich erlebe, dass Senioren Angst haben, Kontakte zu knüpfen, weil sie es verlernt haben.“

Die städtischen Seniorenberatungsstellen in der Neustadt stehen im Austausch mit Einrichtungen, die alte Menschen unterstützen wollen – auch mit der Elim-Tagespflege. 15 Plätze werden laut Leiter Klotz über die Krankenkassen finanziert. Ab Pflegegrad 2 könnten Senioren das Angebot bis zu sechs Tage im Monat kostenlos nutzen. Am 9. Februar ab 10 Uhr lädt das Haus zu einem Tag der offenen Tür.