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Inferno in der Tiefgarage

Ein Feuer in der Friedrichstadt hat über ein Dutzend Fahrzeuge beschädigt. Hausbewohner vermuten Brandstiftung.

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© Roland Halkasch

Von Tobias Hoeflich

Am Morgen danach stehen Anwohner fassungslos vor der Einfahrt zur Tiefgarage. Rußgestank zieht nach draußen, vorbei an schwarz gefärbten Betonwänden. Zwei Bewohner des Komplexes zwischen Behring-, Gambrinus- und Cottaer Straße diskutieren über das Geschehene.

Nur noch Schrott: Drei Fahrzeuge in der Tiefgarage brannten laut Feuerwehr völlig aus, mehr als ein Dutzend weitere wurden beschädigt.
Nur noch Schrott: Drei Fahrzeuge in der Tiefgarage brannten laut Feuerwehr völlig aus, mehr als ein Dutzend weitere wurden beschädigt. © Roland Halkasch

„Was ist mit deinem Auto?“

„Weiß nicht, ich steh ja genau in der Mitte und darf nicht rein.“

„Ich hab unten meinen Roller und den Rasenmäher stehen. Da ist zum Glück alles in Ordnung.“

„Ich werd wohl erst mal mit dem Zug zur Arbeit fahren müssen.“

Auch Lisa Föhlisch steht vor der Einfahrt. Sie hat ihr Auto in der Tiefgarage geparkt, in der es in der Nacht zum Montag gebrannt hat. Die Radebeulerin hat übers Wochenende einen Freund besucht, der in dem Karree wohnt. Wie es um ihren Audi steht, kann sie nicht sagen. „Die Kripo hat uns vorhin kurz mit reingenommen. Aber ich hab ihn nur von Weitem gesehen.“ Scheinbar hat der Wagen nur etwas Ruß abbekommen. „Ich hoffe, dass das in der Werkstatt schnell behoben werden kann.“

Noch hat die Hausverwaltung aber die Tiefgarage abgesperrt. Kein Auto kommt hier raus oder rein. Mindestens 15 Fahrzeuge hat das Feuer am Sonntagabend beschädigt, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Drei Autos sind komplett ausgebrannt. Auch am Gebäude hat das Feuer Spuren hinterlassen. Am Dienstag werden Beamte des Landeskriminalamts die Tiefgarage untersuchen, so Laske. „Im Moment können wir weder einen technischen Defekt noch Brandstiftung ausschließen.“

Die Flammen loderten so heftig, dass die Feuerwehr von drei Seiten aus löschen musste. Daran waren 50 Einsatzkräfte beteiligt, sagt Hauptbrandmeister Rainer Jonas. Die Brandschutztüren in der Tiefgarage verhinderten, dass sich die Flammen in dem Wohnkomplex ausbreiten konnten. „Trotz der starken Hitze und der Rauchentwicklung bestand keine Gefahr für die Anwohner.“

Die sind nun besorgt – auch wenn die Ursache noch unklar ist. „Ein komisches Gefühl bleibt“, sagt Gisela Dallmann, die im obersten Geschoss in der Gambrinusstraße wohnt. Der Einsatz riss die Seniorin in der Nacht aus dem Schlaf. Als sie im Hof eine große schwarze Rauchwolke aufsteigen sah, schnappte sie ihren Hund und eilte aus dem Haus. Es sei nicht das erste Mal, dass Polizisten zu dem Wohnkomplex ausrücken: „In der Tiefgarage wurden kürzlich die Feuerlöscher geklaut. Mit denen wurden dann Autos auf der Straße besprüht.“

Nicht der erste Vorfall

Auch andere Anwohner fühlen sich inzwischen unsicher – wie der Freund von Lisa Föhlisch: „Hier treiben sich einfach zu viele komische Gestalten rum. Es gibt hier viel asoziales Pack.“ Mehrfach habe es in dem Keller Einbrüche gegeben. Zuletzt hat die Polizei auch vermehrt mit brennenden Autos zu tun, wie Sprecher Laske bestätigt. Der Vorfall an der Behringstraße markiert dabei den vorläufigen Höhepunkt.

Erst vor gut einem Monat gingen in einer Tiefgarage an der Kesselsdorfer Straße mehrere Fahrzeuge in Flammen auf – Verdacht auf Brandstiftung. Knapp zwei Wochen später brannten am Neustädter Markt zwei Autos komplett aus – Verdacht auf Brandstiftung. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Fällen gibt, ist laut Laske unklar. „Die Ermittler der anderen Brände werden das mit Sicherheit prüfen.“