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Internationale Arbeit im Missionshof

Junge Leute aus Brasilien und Russland absolvieren in Lieske ein Freiwlliges Soziales Jahr. Und lernen etwas fürs Leben.

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© René Plaul

Von Manuela Paul

Lieske. Mit Holz hatten Dimitrii und Tiago bisher nicht viel am Hut. Jetzt bestimmt es den Alltag der 21-Jährigen. Die beiden arbeiten im Missionshof Lieske. Dimitrii in der Zimmerei, Tiago im Sägewerk – zwei Bereiche der Behindertenwerkstatt. Die jungen Männer kommen aus dem Ausland – Dimitrii aus Russland, Tiago aus Brasilien und beide arbeiten freiwillig. Ohne Entlohnung. Sie bekommen nur ein Taschengeld. Trotzdem sind sie rundum zufrieden. Genauso wie die 24-jährige Aleksandra, die ebenfalls freiwillig tätig ist. Sie unterstützt Behinderte bei der Bewältigung ihres Alltags. Die junge Russin ist meist in einer der Wohngruppen zu finden. Arbeit gibt es immer. Sie liest vor, macht Gesellschaftsspiele mit, dreht mit Bewohnern, die das wollen, auch gern ein paar Runden durch den Ort, hilft bei der Zubereitung der Mahlzeiten und anderen Beschäftigungen.

Dimitrii, Tiago und Aleksandra sind sogenannte FSJler. Sie leisten im Missionshof ein sogenanntes Freiwilliges Soziales Jahr. Das ist eigentlich nichts Besonderes. Denn schon seit DDR-Zeiten gehörten Freiwillige zum Missionshof-Team. „Damals hieß es noch diakonisches Jahr“, erinnert sich Missionshof-Mitarbeiterin Karin Zschorlich. Ungewöhnlich ist, dass es drei ausländische Jugendliche sind, die in Lieske ihren Dienst verrichten. Die beiden jungen Russen kamen über die Kirchgemeinde in der russischen Partnerstadt Orenburg nach Lieske, der Brasilianer über private Kontakte. Der Freiwilligendienst bedeutete für die jungen Leute, nicht nur eine völlig neue Tätigkeit kennenlernen, sondern auch eine neue Sprache. Zumindest für Dimitrii und Aleksandra. Für sie war das eine enorme Herausforderung. Beide konnten vor neun Monaten kaum Deutsch. Anders als Tiago. Der Brasilianer spricht perfekt Deutsch. Kein Wunder. Seine Eltern sind Deutsche, die nach Brasilien auswanderten.

Viele neue Erfahrungen

Inzwischen können sich die beiden russischen FSJler ganz gut verständigen. Deutschunterricht macht‘s möglich. Zweimal in der Woche gehe sie zu einer Lehrerin in Oßling, verrät Aleksandra. Außerdem gebe es da noch eine Art gute Fee: Frau Hentsch. Die ehemalige Missionshof-Mitarbeiterin und ihr Mann, der viele Jahre in Lieske Chef war, würden ihr jederzeit helfen, „wenn ich mal etwas nicht verstanden hab“. Denn Frau Hentsch spreche Russisch. Sie fährt die 24-Jährige auch mal zur Post oder Sparkasse, und die beiden Pensionäre unternehmen auch Ausflüge mit der jungen Frau. Auch die Mitarbeiter des Missionshofes seien alle sehr freundlich. Heimweh nach Mama, Papa, Oma und großer Schwester hatte die 24-Jährige anfangs dennoch. „Es ist das erste Mal, dass ich so lange nicht zu Hause war“, erklärt sie. Auch Dimitrii hatte anfangs Sehnsucht nach zu Hause. „Ich erst gar nicht“, sagt Tiago, der bei seinem Großonkel wohnt. Als er das erste Mal Schnee sah, „hab ich mich gefreut wie ein kleines Kind“, erinnert er sich. Doch jetzt ist Sehnsucht da. „Heimat ist halt Heimat.“ Spaß macht die Arbeit allen dreien. „Wir haben eine Menge gelernt.“ Tiago unter anderem das Bedienen einer großen Säge. Das haben ihm übrigens zwei der behinderten Sägewerks-Mitarbeiter beigebracht. „Und andere Dinge.“ Das FSJ sei eine gute Sache, bei der man sich ausprobieren könne. „Ich hab zum ersten Mal mit behinderten Menschen gearbeitet, für sie Verantwortung gehabt. Ich dachte, ich würde das nicht schaffen. Aber ich hab es geschafft“, sagt der Brasilianer.