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Investoren mögen den Görlitzer See

Ob die Namensdebatte aber wirklich jetzt sein muss, daran scheiden sich die Geister.

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© LMBV/Peter Radke

Von Daniela Pfeiffer

Berzdorfer oder Görlitzer See? Jetzt oder in ein paar Jahren? Während in der Stadt hin- und herdebattiert wird, haben sich die Investoren am See bislang zurückgehalten. Wir haben einige gefragt, wie sie ihre Chancen denn einschätzen – an einem Berzdorfer oder eben einem Görlitzer See viel Geld in die Hand zu nehmen.

Dort, wo am ehesten zu vermuten wäre, dass das Herz für den Namen Berzdorfer See schlägt, gibt’s eine ganz klare Meinung: Stefan Gläsel ist Geschäftsführer der Ferienpark Berzdorfer See GmbH an der Blauen Lagune und Interessensvertreter der drei anderen Investoren am südlichen und westlichen Seeufer: der Campingpark Berzdorfer See GmbH, der Stöcker Hotel GmbH und der Euroimmun AG. Gläsel sagt: „Eine Umbenennung zum Görlitzer See macht absolut Sinn, aus Marketinggründen und somit wirtschaftlicher Sicht. Sie ist für eine weitreichendere touristische Entwicklung ein wichtiger Bestandteil.“ Allerdings distanziere er sich von der gegenwärtigen Herangehensweise und nennt sie „unprofessionell, politisch motiviert und verfrüht“ Es mangele an Feinfühligkeit gegenüber dem Andenken an das untergegangene Dorf und seine Opfer. Die Diskussion sollte sofort beendet und vielleicht in vier Jahren neu aufgriffen werden, wenn es zeigbare Ergebnisse und Entwicklungen gibt. Eine jetzige Umbenennung findet Gläsel kontraproduktiv, denn wenn bereits jetzt Menschen aus der neuen Zielgruppe an den See kämen und nichts vorfänden – was für eine Werbung wäre das?

Stattdessen schlägt er für später eine wirksame Debatte, unter Einbeziehung der Öffentlichkeit vor. „Mehr kostenfreie, weitreichende Werbung kann man nicht bekommen, egal wie der See dann am Ende heißen wird.“

Für Hafen-Investor Arne Myckert, Geschäftsführer von KommWohnen, kann der See nur als Görlitzer ein Erfolg werden. So lange der See nur den Anwohnern der Region als Naherholungsziel diene, wie das derzeit an der Blauen Lagune der Fall sei, ist der Name des Sees sicher nicht von Bedeutung. Sobald es in die überregionale Vermarktung geht, aber durchaus. Ein potentieller Kunde in Köln, der sich für einen Wellness- oder Campingurlaub interessiert und in einem Katalog blättert, brauche bei der Vielzahl der Angebote einen besonderen Grund, eine bestimmte Seite nicht einfach zu überblättern. Vermutlich werde auch über mehrere Jahre der Name Berzdorfer See keinen solchen Bekanntheitsgrad erreichen, dass deswegen eine Katalogseite offen bleibt.

Ähnlich argumentieren die Stadträte Wolfgang Kück und Dieter Gleisberg, die sich für die Große Koalition im Stadtrat versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten. In Hagenwerder gelang das erwartungsgemäß nicht. Zu tief verwurzelt sind viele Menschen hier mit dem Namen Berzdorf, so mancher frühere Grubenarbeiter unter ihnen. Dies sei der Knackpunkt der Debatte, findet „Insel der Sinne“-Investor Henry Hedrich, der auf der Halbinsel ein Wellnesshotel plant. Es wundert ihn nicht, dass sich die Bergleute auf den Schlips getreten fühlen und ihr Erbe missbraucht sehen. Man muss deshalb verantwortungsvoll sein, vielleicht sogar Orte des früheren Ortes symbolisch wieder errichten, die Schule oder die Kirche. Trotzdem sieht auch Hedrich nur unter dem Görlitzer Namen eine Möglichkeit, dauerhaft – auch im Winter – Gäste an den See zu bekommen. „Neugier der potenziellen Touristen braucht ein stimmiges und einprägsames Marketing mit überregionaler Strahlkraft. Der Name Görlitzer See wäre sämtlichen Marketingmedien selbst erklärender, schlagkräftiger und einprägsamer – ähnlich wie die Namen Starnberger See, Genfer See, Schweriner See, Senftenberger See, Cottbuser Ostsee.“

Arne Myckert sieht die Bezeichnung Görlitzer See nicht als zwingend für eine touristische Entwicklung. Aber die Auslastung gerade der touristischen Pionierangebote dürfte erheblich von dem Bekanntheitsgrad der Bezeichnung des Sees abhängen, glaubt er. Die Auslastung dieser ersten Projekte wird entscheidend für die Bereitschaft weiter Investoren sein, sich am See zu engagieren.

Ob es zutrifft, dass Kreditinstitute ihre Entscheidung, Investoren am See zu fördern, vom Namen abhängig machen, ist fraglich. Zumindest die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, die Investoren am See schon Kredite bewilligt hat, möchte sich nicht an der Namensdiskussion beteiligen. Sprecherin Vivien Gneuß sagt: „Basis unserer Kreditentscheidungen ist unsere Einschätzung der Erfolgsaussichten des Vorhabens. Der Name des Sees spielt dabei für uns keine Rolle.