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Ja der Holzäppelbaum lebt weiter

In Tharandt findet eine Fachtagung zum Wildapfel statt. Anke Proft und Simone Heinz berichten, wie es ihm geht.

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© Egbert Kamprath

Frau Heinz, Frau Proft, Sie haben von 2007 bis 2011 den Wildapfel im Osterzgebirge erforscht. Er ist jetzt Baum des Jahres und das Symbol des Osterzgebirges. Nun findet in Tharandt eine deutschlandweite Fachtagung dazu statt. Was erwartet die Teilnehmer?

Proft: Dort bekommt ein breiter Kreis von Interessierten Informationen zum Thema. Es ist kein Treffen von Wildapfelspezialisten, sondern auch für Forstleute, Naturinteressierte und die Allgemeinheit gedacht.

Es ist eine bundesweite Tagung, die jedes Jahr dem Baum des Jahres gewidmet ist. Die Besucher erwarten viele interessante Vorträge, die den heutigen Stand des Wissens zum Wildapfel zusammenfassen.

Auf welchen Vortrag sind Sie besonders gespannt?

Heinz: Der Vortrag von Prof. Christa Habrich aus Gießen zur arzneilichen Verwendung des Wildapfels beleuchtet einen neuen Aspekt. Wir kennen den Wildapfeltee bei Erkältungen und wissen, dass er einen hohen Vitamin-C-Anteil hat. Aber was darüber hinaus geht, da bin ich auch auf den Vortrag gespannt.

Es ist ja auch Ihrem Projekt zu verdanken, dass der Wildapfel als Baum des Jahres ausgewählt wurde. Können Sie Ihr Projekt kurz zusammenfassen?

Proft: Dazu gehören mehrere Teile. Wir haben über die Grüne Liga Osterzgebirge das Wildapfelprojekt mit der wissenschaftlichen Begleitung des Julius-Kühn Institutes Pillnitz bearbeitet. Die Arbeit läuft aber weiter. So haben wir eine Firma gegründet, die „holzäppelnatur GbR“, mit der wir Holzapfelprodukte herstellen und vermarkten.

Heinz: Zu Beginn des Projekts haben wir Wildapfelbäume gesucht, ihre Merkmale aufgenommen und die Standorte mit GPS genau erfasst. Dabei haben wir festgestellt, dass es hier nur noch alte Wildapfelbäume gibt. Die natürliche Verjüngung hat offenbar in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr funktioniert.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Heinz: In unserem Projekt ist darauf ein Teil in den Vordergrund gerückt, der anfangs gar nicht so große Bedeutung hatte. Zusammen mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst haben wir zwei Erhaltungsplantagen angelegt bei Oberfrauendorf und Klingenberg. Die dienen nur dazu, dass dort Wildapfelbäume wachsen und einmal Samen produzieren, damit die Art erhalten bleibt.

Wie geht es diesen Jungbäumen?

Proft: Sie stehen inzwischen brusthoch, in Klingenberg etwas höher als in Oberfrauendorf. Dort ist der Boden anders. Wir hoffen nun, dass sie in wenigen Jahren Früchte tragen.

Gibt es jetzt junge Holzäppelbäume nur noch in diesen Plantagen?

Heinz: Nein. Wir haben auch in der Natur an geeigneten Standorten neue gepflanzt. Insgesamt 256 junge Bäume waren das in den letzten Jahren. Die wachsen in den ersten Jahren meist sehr langsam. Wir haben anfangs gezweifelt, ob sie überhaupt gedeihen. Inzwischen gehen sie aber schön in die Höhe.

Proft: Wir werden auch am Donnerstag einen neuen Baum am Geisingberg pflanzen. Dort ist eine Station der Exkursion, die wir im Zuge der Fachtagung durch das Osterzgebirge machen.

Wie steht der Wildapfel heute da im Vergleich zu Beginn Ihres Projekts?

Heinz: Er ist wieder deutlich ins Bewusstsein der Menschen gerückt auch hier im Holzäppelgebirge. Dass er Baum des Jahres 2013 geworden ist, zeigt das deutlich. Aber auch die Eigentümer der Flächen kennen jetzt ihre Bäume, wissen um ihre Besonderheiten. Und bis auf ganz wenige Ausnahmen sind wir bei ihnen auf Interesse und Aufgeschlossenheit gestoßen.

Proft: Wir haben sicher den einen oder anderen Baum vor der Säge gerettet. Nicht weil jemand absichtlich etwas gegen einen solchen Baum machen wollte, sondern einfach, weil er gar nicht wusste, welche Besonderheit dort wächst. Jetzt sind manche Eigentümer sogar stolz auf ihren Baum. Ja, der Holzapfel lebt weiter im Osterzgebirge.

Können Sie Beispiele nennen für gelungene Rettungsaktionen?

Proft: Bei Johnsbach steht einer, der im Laufe der Jahre immer mehr zugeschüttet worden ist. Da haben wir mit dem Vorsitzenden der Agrargenossenschaft gesprochen und der hat veranlasst, dass der Baum freigeräumt wird. Der macht sich seitdem wieder sehr gut.

Heinz: Beim Bau der Straße von Glashütte nach Dittersdorf hat uns Maik Biber, Bauleiter bei Kleber-Heisserer, angerufen. Er hat von dem Wildapfelprojekt gehört und an der Straßenböschung stand ein Baum, den er nicht richtig einschätzen konnte. Wir haben uns den angesehen und festgestellt, dass es ein Wildapfelbaum ist. Die Bauleute haben es dann geschafft, ihn zu erhalten.

Dabei geht es um die Sicherung vorhandener Bäume. Gibt es denn neue Produkte vom Wildapfel?

Heinz: Neuheiten sind fast alle Produkte, die in den letzten Jahren rund um den Apfel entstanden sind. Nur der Tee ist eine bekannte Methode, den Apfel zu nutzen. Die anderen Produkte sind im Laufe des Projekts entstanden, ein Holzapfelbrand, Holzapfeleis oder Gelee. Das ist auch wichtig, um den Apfel bekannt und ihn durch die Nutzung interessant zu machen. Man kann die Produkte auch alle am Rande der Tagung probieren und kosten.

Nun ist der Holzapfelbaum ein Symbol für das Osterzgebirge, gibt es noch andere vergleichbare Früchte und Pflanzen?

Proft: Durchaus. Ich arbeite jetzt an einem Nachfolgeprojekt, das etwas weiter gefasst ist. Dabei geht es um fünf Wildobstsorten: Wildapfel, Wildbirne, Alpenjohannisbeere, Wacholder und die Eberesche. Gerade er, der vielbesungene Vugelbeerbaam, prägt die Landschaft im Erzgebirge sehr markant, besonders jetzt im Herbst. Dieses Jahr trägt er oft schöne Früchte. Viele denken, die Eberesche kommt massenhaft vor. Aber das ist nicht so, gerade im Tiefland sind die Bestände nicht so stark. Auch die Eberesche kann Unterstützung brauchen.

Das Gespräch führte Franz Herz.

Tagung am 25. und 26. September im Cotta-Bau der TU in Tharandt, moderiert von Andreas Roloff.